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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="15151"><titleStmt><title>Friedrich von Schlegel an Auguste Böhmer</title><editor><persName role="Herausgeber der Website"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin der Website"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Implementierung Backend/Frontend der Website"><forename>Sandra</forename><surname>Weyand</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="User Experience / Grafisches Design"><forename>Michael</forename><surname>Lambertz</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Projektübergreifende technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Thomas</forename><surname>Burch</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-mainz.de/">Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum - Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://www.briefe-der-romantik.de/team">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 4.0 DE)</licence><ab type="edition">Korrespondenzen der Frühromantik</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2025-09-15"/><idno type="url">https://briefe-der-romantik.de/letters/view/15151</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Bd. 23. Dritte Abteilung: Briefe von und an Friedrich und Dorothea Schlegel. Bis zur Begründung der romantischen Schule (15. September 1788 ‒ 15. Juli 1797). Mit Einleitung und Kommentar hg. v. Ernst Behler u.a. Paderborn u.a. 1987, S. 359‒360.</title></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://briefe-der-romantik.de/letters/view/15151"><correspAction type="sent"><persName key="7131" ref="https://d-nb.info/gnd/118607987">Friedrich von Schlegel</persName><placeName key="12" ref="https://d-nb.info/gnd/4028557-1">Jena</placeName><date when="1797-04-28">1797-04-28</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="7383" ref="https://d-nb.info/gnd/122506979 ">Auguste Böhmer</persName><placeName key="13" ref="https://d-nb.info/gnd/37172-5">Dresden</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-0651-0.tif"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-0651-1.tif"/></facsimile><text><body><div><p>An Augustens Geburthstage<lb/>Liebste Auguste.<lb/>. . . Sag Du nur <persName key="23">Deiner Mutter </persName>gelegentlich: ich hätte Dich eben so lieb, wie sie; und dann sag ihr auch: sie möchte sich nur in Acht nehmen. Ich hätte mir vorgenommen, ihr von dem Augenblick an, wo ich ihr kein Geld mehr schuldig wäre, wenn sie mich – welches sie doch nicht laßen kann – über gewisse Dinge, wo sie kein reines Gewissen hat, fragte, ihr allemahl die reine Wahrheit zu antworten.<lb/>Sag nur dem <persName key="766">Vater</persName>: Er müßte nothwendig auch eine Historie schreiben. Ich hätte neulich gelegentlich ausgefunden, daß seine ganze Natur eigentlich historisch wäre. Wenn die Mutter etwa auch wissen will, was sie für eine Natur hat, so sag ihr nur: politisch-erotisch: doch möchte das Erotische wohl überwiegend seyn. Ich sehe Dir schon an, daß Du nun auch Deine Natur wissen willst. Du hast aber noch keine, liebes Kind. Die wächst einem erst später. Doch wird sie wahrscheinlich orchastisch [orgiastisch?] werden.<lb/>Heute bist Du nun Punkte 12 Jahr alt, und darfst Dich von nun an niemahls wieder auf meinen Schooß setzen. Ich sehe wohl ein, wie hart dieß für Dich ist. Da es aber nothwendig und die Mutter es haben will, so wirst Du mir nicht übel nehmen, daß ich Dirs ankündige. – Du wirst gewiß recht erwachsen von <placeName key="13">Dreßden</placeName> zurückkommen. Besonders erwarte ich, daß Du im Müßiggänge recht große Fortschritte wirst gemacht haben, worin Du es schon <placeName key="12">hier</placeName> so weit gebracht hattest. Oder denkst Du auch zuweilen daran, wie fleißig wir seyn wollen, wenn Du wieder hier bist? Doch an <hi rend="slant:italic">hier</hi> denkst Du wohl gar nicht mehr ...<lb/>Es grüßt Dich auch λευϰωλεος Λωλωε. Denn so nennen wir, ich und <persName key="2927">Eschen,</persName> sie. Wer es ist, wirst Du bei Deiner Kenntniß der Griechischen Sprache wohl wissen. Auch die <persName key="156">Fichten</persName> hat mir gesagt, daß sie Dich recht lieb hätte. Du wärst ein anmuuthisches Kind; beynah so anmuuthisch, wie <persName key="5660">Hartmann</persName>. Daß Du ein Kind wärst, habe ich denn gleich zugegeben. Sie meynte auch, Du wärst sehr sittsam. Die ehrliche, gute Frau! Da habe ich sie denn doch eines Bessern belehrt. Die ausgelaßensten wildesten Hummeln, sagte ich, wären noch still gegen Dich. Bey meiner Beschreibung standen ihr die Haare zu Berge ...<lb/>Nun schreib ich nicht eher wieder, bis die <name key="1466" type="work">Poesie</name> fertig ist. Ich wollte, die Poesie hinge an dem höchsten Galgen. Die fatalen Griechen!<lb/>Lebe wohl, kleines Herzblättchen; und erhalten Sie dero schätzbare Gewogenheit<lb/>Ihrem dienstbeflissensten Onkel Fritz.<lb/>... Hast Du auch schon wieder Musik gesehn?</p></div></body></text></TEI>
