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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="15264"><titleStmt><title>Henriette Mendelssohn an Dorothea von Schlegel</title><editor><persName role="Herausgeber der Website"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin der Website"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Implementierung Backend/Frontend der Website"><forename>Sandra</forename><surname>Weyand</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="User Experience / Grafisches Design"><forename>Michael</forename><surname>Lambertz</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Projektübergreifende technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Thomas</forename><surname>Burch</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-mainz.de/">Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum - Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://www.briefe-der-romantik.de/team">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 4.0 DE)</licence><ab type="edition">Korrespondenzen der Frühromantik</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2025-09-15"/><idno type="url">https://briefe-der-romantik.de/letters/view/15264</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Bd. 24. Dritte Abteilung: Briefe von und an Friedrich und Dorothea Schlegel. Die Periode des Athenäums (25. Juli 1797 ‒ Ende August 1799). Mit Einleitung und Kommentar hg. v. Raymond Immerwahr. Paderborn 1985, S. 273‒274.</title></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://briefe-der-romantik.de/letters/view/15264"><correspAction type="sent"><persName key="7151" ref="https://d-nb.info/gnd/137018967 ">Henriette Mendelssohn</persName><placeName key="13" ref="https://d-nb.info/gnd/37172-5">Dresden</placeName><date when="1799-04-19">1799-04-19</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="7139" ref="https://d-nb.info/gnd/118607979">Dorothea von Schlegel</persName><placeName key="15" ref="https://d-nb.info/gnd/2004272-3">Berlin</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-0686-0.tif"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-0686-1.tif"/></facsimile><text><body><div><p>d. 19ten.<lb/><persName key="115">Charlotte</persName> ist prächtig, wirklich einzig; von ihr hat uns <persName key="8">Schlegel</persName> viel zu wenig gesagt. Sie ist voll lebendigem lieblichem Geist und spricht sehr verständig und wizig. Friedrich’s Augen, die übrigen Züge von <persName key="766">Wilhelm.</persName> Der Ton der Sprache, und die Art sich auszudrücken ist eben so von beiden zusammengesetzt. Sie gefällt mir ungemein, und Dir gewiß auch. Sie will im Herbst nach <placeName key="12">Jena</placeName> kommen, wenn sie nehmlich Dich dort findet. Sie rechnet sicher darauf.<lb/>Von allem was ich sonst in diesen beiden Tagen hier in <placeName key="13">Dresden</placeName> getrieben habe, hörst Du aus <placeName key="16">Wien.</placeName> Mein Italiener läßt mir nicht Zeit, es ist jetzt eine Stunde vor der Abreise, ich will noch zu Charlotten und mit ihr auf die Gallerie. Wer stirbt, ohne diese gesehn zu haben hat gar nicht gelebt. Und was habe ich gesehn? Von den beiden Tagen die ich hier war, war einer Sonntag, ich konnte nicht hin, und so war ich nur Sonnabend zweimahl da. Das reicht nicht hin ein einziges Blatt <hi rend="slant:italic">kennen</hi> zu lernen, wenn man so wenig unterrichtet ist als ich. Heute gehe ich blos hin um den <name key="24398" type="work">Abraham des <persName key="23961">Andrea del Sarto</persName></name> zu sehn, der mir entgangen ist, und um von den Landschaften und dem Amor Abschied zu nehmen.<lb/>Noch eins muß ich Dir schnell erzählen: ich reise mit einem italienischen Kaufmann, der sehr wenig deutsch spricht. Und um den Juden und den Sachsen hier zu entgehen, ließ ich mich am Thor als seine Schwester nennen. Wie wir nun auf die Gallerie kommen, schreibe ich mich im Buche eben so ein, und nun denke Dir meinen Schreck, wie der Inspektor anfängt italienisch mit uns zu reden! Ich habe meine Rolle richtig durchgeführt, und zwar so, daß der alte Mann der Ernsten viel von mir erzählte. In Gesellschaft dieses Bruders war es freilich nicht schwer. Er hatte so wenig Sinn für diese Wunder wie mein Schuh! Dabei nennt er mich eine Filosofa, weil ich daran viel Gefallen finde. Während der Reise singt er, oder bläst das Posthorn, das er eigends gekauft. – Ich vermuthe daß Du mir nach Jena geschrieben, und daß mir Wilhelm Deine Briefe nach Wien schicken wird. Noch habe ich keine Zeile von Dir gesehn.<lb/>Ich will Dir erst in Ruhe von Wien aus schreiben, aber <persName key="481">Hardenberg</persName> hat mich elektrisirt. Er läßt sich entschuldigen, daß er nicht geschrieben, und grüßt Schlegel herzlich. Ich thu’ es auch. Sein Hardenberg und seine Charlotte sind göttlich. Ich habe dem H. gesagt, daß er im Sommer nach Jena kommen würde; das freut ihn sehr. Lebt wohl! Was macht <persName key="608">Philipp</persName>? Schreib mir nur. Adieu!	<lb/>Deine<lb/>Jette.</p></div></body></text></TEI>
