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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="15852"><titleStmt><title>Karl Leonhard Reinhold an Johann Gottlieb Fichte</title><editor><persName role="Herausgeber der Website"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin der Website"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Implementierung Backend/Frontend der Website"><forename>Sandra</forename><surname>Weyand</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="User Experience / Grafisches Design"><forename>Michael</forename><surname>Lambertz</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Projektübergreifende technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Thomas</forename><surname>Burch</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-mainz.de/">Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum - Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://www.briefe-der-romantik.de/team">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 4.0 DE)</licence><ab type="edition">Korrespondenzen der Frühromantik</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2025-09-15"/><idno type="url">https://briefe-der-romantik.de/letters/view/15852</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Fichte, Johann Gottlieb: Gesamtausgabe der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Abteilung III, Bd. 2: Briefe 1793‒1795. Hg. v. Hans Jacob und Reinhard Lauth. Unter Mitwirkung v. Hans Gliwitzky und Manfred Zahn. Stuttgart 1970, S. 62‒63.</title></bibl><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz</institution><idno type="signatur">B 80</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://briefe-der-romantik.de/letters/view/15852"><correspAction type="sent"><persName key="23822" ref="https://d-nb.info/gnd/118599410">Karl Leonhard Reinhold</persName><placeName key="12" ref="https://d-nb.info/gnd/4028557-1">Jena</placeName><date when="1794-02-06">1794-02-06</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="7180" ref="https://d-nb.info/gnd/118532847 ">Johann Gottlieb Fichte</persName><placeName key="227" ref="https://d-nb.info/gnd/4068038-1">Zürich</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-06nt-0.tif"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-06nt-1.tif"/></facsimile><text><body><div><p>Mein verehrter und geliebter Freund!<lb/>Unsre Briefe müssen sich auf dem Wege begegnet haben wie unsre Herzen. Als ich den Meinigen schrieb, hatte ich bereits die Hofnung gefasset, deren Erfüllung mir der Ihrige auf eine Ihrer so sehr würdige Art ankündigte.<lb/>Ich nehme Ihre Freundschaft als ein heiliges Unterpfand des Vertrauens an daß ich mich auf dem Wege befinde das Eine was Noth ist mehr als gewöhnlich zu kennen und zu betreiben, eines Vertrauens das ich mir selbst nicht versagen, in welchem ich aber nur durch Männer Ihrer Art bestäthiget werden kann.<lb/>Die Einhelligkeit zwischen unsren Gesinnungen, die ich in Ihren Schriften gefunden habe, ist mir so auffallend und so interessant gewesen, daß ich die Verschiedenheiten zwischen unsren Denkarten bisher kaum bemerkt habe. Diejenigen die bis itzt mir selbst nicht entgangen sind, habe ich von der Art gefunden, daß sie gar wohl auch mit einer Einhelligkeit im <hi rend="slant:italic">Wesentlichen</hi> der <hi rend="slant:italic">Denkart</hi> bestehen können. Ihr Brief scheint mich auf Mehrere [/] und grössere vorbereiten zu wollen. <lb/>Desto besser! Diese Verschiedenheiten werden meinem Kopfe eben so wohlthätig seyn als es die Einhelligkeit unsrer Gesinung meinem Herzen ist. Daß diese neben jenen bestehen könne ist für uns Thatsache.<lb/>Die philosophierende Vernunft sucht die <hi rend="slant:italic">letzten Gründe</hi> zu Überzeugungen die bereits schon vorhanden seyn müssen, und in so ferne wohl nicht von dem was erst gefunden werden soll abhängen. An den letzten Gründen an und für sich selbst ist uns beyden nichts; alles aber an den uns <hi rend="slant:italic">gemeinschaftlichen heiligen Überzeugungen</hi> gelegen. Nur zur Belebung und Befestigung von diesen dringen wir in die Regionen der dunkeln Vorstellungen ein in welchen jene liegen. Geleitet durch die gemeinschaftlichen Überzeugungen befinden wir uns auf ihrer rechten Spur, und je <hi rend="slant:italic">verschiedener</hi> das jenige ist was wir auf dieser Spur wahrnehmen desto mehr <hi rend="slant:italic">Data</hi> haben wir zur Lösung unsres Problems.<lb/>Indessen müssen wir uns so genau kennen lernen, als es uns bey der Entfernung unsrer Wohnorte möglich ist. Ist von Ihnen ausser der <name key="24467" type="work">Kritik der Offenbarung</name>, den <name key="8511" type="work">Beyträgen,</name> und der <name key="26916" type="work">Abhandlung über den Nachdruck</name> in der <name key="2752" type="periodical">berl. M.</name> noch etwas gedrukt. Keine Zeile von Ihrer Hand möcht’ ich ungelesen lassen.<lb/>Haben [Sie] <name key="25070" type="work">meine kleine Schrift über das Fundament des philosophischen Wissens</name>, die vor ein paar Jahren heraus kam, gelesen? In ihr habe ich meine Idee vom Wesen der Philosophie bestimmter als in meinen <name key="7036" type="work"><hi rend="slant:italic">Beyträgen</hi></name> vorgetragen, von denen Ostern der Zweyte Band erscheinen und diese Materie weiter hinaus beleuchten soll. [/]<lb/>Heut erst habe ich das 2te Heft Ihrer Beyträge erhalten; aber das selbe ungelesen <persName key="38">meinem Schwiegervater </persName>geben müssen. Auch wenn ich sie zurückerhalte kann ich nur eine tumultuarische Lektüre damit vornehmen, weil sich meine, vor meiner Abreise nach <placeName key="133">Kiel</placeName> noch abzufertigende Arbeiten immer mehr anhäufen. Die nächsten Ferien sind beyde Hefte mein Studium und meine Erholung.<lb/>Von ganzem Herzen umarmt Sie<lb/>Ihr Reinhold<lb/><placeName key="12">Jena</placeName> den 6 Febr. 794</p></div></body></text></TEI>
