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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="15933"><titleStmt><title>Salomon Maimon an Johann Gottlieb Fichte</title><editor><persName role="Herausgeber der Website"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin der Website"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Implementierung Backend/Frontend der Website"><forename>Sandra</forename><surname>Weyand</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="User Experience / Grafisches Design"><forename>Michael</forename><surname>Lambertz</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Projektübergreifende technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Thomas</forename><surname>Burch</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-mainz.de/">Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum - Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://www.briefe-der-romantik.de/team">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 4.0 DE)</licence><ab type="edition">Korrespondenzen der Frühromantik</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2025-09-15"/><idno type="url">https://briefe-der-romantik.de/letters/view/15933</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Fichte, Johann Gottlieb: Gesamtausgabe der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Abteilung III, Bd. 2: Briefe 1793‒1795. Hg. v. Hans Jacob und Reinhard Lauth. Unter Mitwirkung v. Hans Gliwitzky und Manfred Zahn. Stuttgart 1970, S. 194‒195.</title></bibl><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Handschrift verschollen</institution></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://briefe-der-romantik.de/letters/view/15933"><correspAction type="sent"><persName key="23831" ref="https://d-nb.info/gnd/11857647X">Salomon Maimon</persName><placeName key="15" ref="https://d-nb.info/gnd/2004272-3">Berlin</placeName><date when="1794-08-16">1794-08-16</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="7180" ref="https://d-nb.info/gnd/118532847 ">Johann Gottlieb Fichte</persName><placeName key="12" ref="https://d-nb.info/gnd/4028557-1">Jena</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-06q2-0.tif"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-06q2-1.tif"/></facsimile><text><body><div><p><placeName key="15">Berlin</placeName> den 16. August 1794.<lb/>Würdiger Mann!<lb/>Für das angenehme <name key="4997" type="work">Geschenk</name>, das Sie mir gemacht haben, statte ich Ihnen hiermit den wärmsten Dank ab. Der <hi rend="weight:bold">Begriff einer Wissenschaftslehre</hi> ist von Ihnen so scharfsinnig gefaßt, die <hi rend="weight:bold">Möglichkeit</hi> einer solchen Theorie von der einen Seite, so wie ihre <hi rend="weight:bold">Unentbehrlichkeit</hi> zur Hebung aller Mißverständnisse der Philosophie von der andern Seite so sehr meinem Wunsche gemäß dargestellt, daß ich Ihnen meine Hochachtung nicht anders erkennen zu geben weiß, als dadurch, daß ich Ihnen <name key="26357" type="work">beiliegendes Werk</name>, das eben dieses zum Zweck hat, überschicke, und mir darüber Ihre Beurtheilung ausbitte.<lb/>Man hat lange genug die Philosophie als eine völlig a priori im Erkenntnißvermögen selbst gegründete Wissenschaft von andern Wissenschaften, denen zum Theil <hi rend="weight:bold">empirische</hi> Prinzipien zum Grunde gelegt werden müssen, nicht [/] gehörig unterschieden. Die <persName key="149">Kantischen</persName> Schriften zielen zwar darauf ab, diesem Mangel abzuhelfen, und die Philosophie, ihrem Begriffe gemäß, rein darzustellen. Aber manche Kantianer verfielen bald in den entgegengesetzten Fehler, und anstatt, daß sie die Philosophie zwar rein, aber doch da sie die vollständige Form (nicht blos Canon sondern auch Organon) aller andern Wissenschaften ausmachen soll, mit Rücksicht auf dieselbe behandeln sollten, haben sie vielmehr dieselbe als eine<hi rend="weight:bold"> isolirte</hi>, nicht nur <hi rend="weight:bold">für sich bestehende</hi> sondern <hi rend="weight:bold">selbstständige</hi> Wissenschaft behandelt. Die Philosophie hat sich in ihr eigenes Gewebe verstrickt, anstatt daß sie dieses Gewebe hätte so einrichten müssen, wie sie am besten dadurch <hi rend="weight:bold">Nahrung</hi> von Außen erhalten konnte.<lb/>Es ist nun Zeit die Philosophie<hi rend="weight:bold"> vom Himmel auf Erden</hi> zurückzurufen; nicht an ein <hi rend="weight:bold">höchstes</hi> Prinzip mangelt es ihr (wie <persName key="2748">Hr. Reinhold</persName> haben will) sondern vielmehr an das <hi rend="weight:bold">niedrigste</hi> Princip (die Gränze oder der Uebergang von der blos <hi rend="weight:bold">formellen</hi> zur <hi rend="weight:bold">reellen</hi> Erkenntniß) wie Sie dieses alles in dem beiliegenden Werke erörtert finden werden.<lb/>Würdiger Mann! das Schicksal meiner Schriften, und wie wenig man ihnen bis jetzt hatte Gerechtigkeit widerfahren lassen, ist Ihnen bekannt; um desto mehr Gerechtigkeit erwarte ich von dem Verfasser der <name key="24467" type="work"><hi rend="weight:bold">Kritik aller Offenbarung</hi></name>, und wünsche eine baldige Anzeige von Ihnen in der <name key="1192" type="periodical">A. L. Z.</name><lb/>Ich bin mit aller Hochachtung und Freundschaft<lb/>Ihr<lb/>ergebenster Diener<lb/>S. <hi rend="weight:bold">Maimon</hi>.</p></div></body></text></TEI>
