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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="16037"><titleStmt><title>Johann Gottlieb Fichte an Johanna Fichte</title><editor><persName role="Herausgeber der Website"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin der Website"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Implementierung Backend/Frontend der Website"><forename>Sandra</forename><surname>Weyand</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="User Experience / Grafisches Design"><forename>Michael</forename><surname>Lambertz</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Projektübergreifende technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Thomas</forename><surname>Burch</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-mainz.de/">Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum - Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://www.briefe-der-romantik.de/team">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 4.0 DE)</licence><ab type="edition">Korrespondenzen der Frühromantik</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2025-09-15"/><idno type="url">https://briefe-der-romantik.de/letters/view/16037</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Fichte, Johann Gottlieb: Gesamtausgabe der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Abteilung III, Bd. 2: Briefe 1793‒1795. Hg. v. Hans Jacob und Reinhard Lauth. Unter Mitwirkung v. Hans Gliwitzky und Manfred Zahn. Stuttgart 1970, S. 389‒391.</title></bibl><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz</institution><idno type="signatur">B 126</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://briefe-der-romantik.de/letters/view/16037"><correspAction type="sent"><persName key="7180" ref="https://d-nb.info/gnd/118532847 ">Johann Gottlieb Fichte</persName><placeName key="2917" ref="https://d-nb.info/gnd/4640284-6">Oßmannstedt </placeName><date when="1795-08-29">1795-08-29</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="23761" ref="https://d-nb.info/gnd/118687026">Johanna Fichte</persName><placeName key="12" ref="https://d-nb.info/gnd/4028557-1">Jena</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-06sy-0.tif"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-06sy-1.tif"/><graphic n="3" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-06sy-2.tif"/></facsimile><text><body><div><p>Allerdings, meine gute Liebe, ist meine Angelegenheit die Deinige, und die Deinige die meinige, sowie die Angelegenheit eines Gliedes im menschlichen [Körper] die des andern ist. Wenn aber daraus der Fuß folgern wollte, daß er eben so gut Briefe schreiben könnte, als die Hand, und die Hand, daß sie eben so gut den Körper tragen könnte, als der Fuß, so würden sich beide sehr irren: gerade so sich irren, wie Du, wenn Du mir mit vieler Mühe, u. der innigsten Herzlichkeit Vorstellungen machst, über das, was ich thun soll, oder nicht thun soll. Laße das hinführo – wie ich Dich schon oft mündlich gebeten habe, so bitte ich Dich hierdurch schriftlich, damit Du es auf heben kannst – laße das hinführo lieber seyn; denn Du erhältst dadurch nichts weiter, als daß ich Dir ein andermal <hi rend="slant:italic">nicht sage</hi>, was ich thun will, und <hi rend="slant:italic">daß die Herzlichkeit in unserm Umgange einen Stoß erhält</hi>. – Ich habe <hi rend="slant:italic">ehe</hi> ich Dich heirathete gethan, wie <hi rend="slant:italic">ich’s </hi>für recht ansah; habe es gethan, seitdem ich Dich geheirathet; und siehe, ich lebe, und bin gesund und glüklich; u. alle die Stürme, die ich mir erregt haben kann, sind zu einer Ehre ausgeschlagen, die ich <hi rend="slant:italic">noch</hi> genieße, und die Stürme sind längst vergeßen. Laß mich ferner eben so handeln; u. höre Du nicht auf superkluge Menschen; das wird für Dich und mich beßer seyn. Ueberdies ist in dem gegenwartigen Falle ja noch gar nicht ausgemacht, daß die Schrift<hi rend="slant:italic"> überhaupt</hi> erscheint, und daß sie <hi rend="slant:italic">so</hi> erscheint: denn was das geheime conseil streicht, das laße ich streichen. Aber wie sie <hi rend="slant:italic">zunächst von mir </hi>gekommen ist, so soll sie <hi rend="slant:italic">zunächst von mir </hi>bleiben. Laß mich also über diese Sache nichts weiter von Dir hören; und laß mich überhaupt, wenn Du es ändern kannst – zwar Vorstellungen über <hi rend="slant:italic">meine Depensen, Oekonomie,</hi> – oder über <hi rend="slant:italic">mein sittliches Betragen in der Welt</hi> – oder über die <hi rend="slant:italic">Rechtschaffenheit meines Charakters</hi>, diese laß mich von Dir hören, denn Du bist mein Weib, und ein braves biederes Weib – aber über meine <hi rend="slant:italic">öffentlichen</hi> Verhandlungen, [/] über mein <hi rend="slant:italic">Verhältniß zum Publikum</hi>, zur <orgName key="6250"><hi rend="slant:italic">Universität</hi></orgName>, zur <hi rend="slant:italic">teutschen Litteratur</hi> laß mich von Dir nichts hören; denn Du bist kein Mann, und hiermit Gott befohlen. Die naseweisen Gründe schenke ich um Deinetwillen den albernen Menschen, die sie Dir eingeblasen haben, und Dir halte ich Deine Weibheit zu gute. – Von etwas anderm!<lb/>Ich bin, seitdem Du mich verliesest, sehr gesund. Sieh, Du Zeisig! den Train, der am Sonntage bei mir war, wirst Du vernommen haben. Heute war es ohngefähr wieder so. Seit heute Morgen 7. Uhr ist mein Haus nicht recht leer geworden. Morgen bin ich bei <persName key="24429">der Koppenfels</persName> zu Tische. Komm Du doch wieder, und verscheuche dieses Alles; denn wenn Du da bist, sogleich kommt niemand, das sey aber keinesweges Dir zur Unehre gesagt.<lb/>Meine <persName key="27977">Barbel</persName> ist sehr krank, und ich fürchte mich fast der Stunde	– – wollte ich schreiben, als ich sie rufen ließ, mit ihr sprach, und sie mich versicherte, daß sie ihren Dienst wohl noch verwalten könnte. Kurz, sie hat heftige Zahnschmerzen gehabt, einen diken Baken; und sie soll sich pflegen, und warten.<lb/>Der arme gute <persName key="24376">Vater</persName>! Ich thue die besten, eifrigsten Wünsche für ihn. <persName key="4335">Gabler</persName> hat die bewußte Schrift nicht, welche überhaupt etwas ganz anders ist, als Du sagtest.<lb/>Du bist doch meine liebe, gute, theure Frau, und ich habe Dich herzlich lieb, und Du bist ein braves Weib, und ich freue mich sehr darauf, wenn ich wieder bei Dir seyn werde, wie ich Dir gut, und sanft thun will, damit Du ein recht vergnügtes Leben habest. Das laß ich Dir zur Letze, wie <persName key="927">Luther</persName> in einem <name key="27999" type="work">christlichen Gesange</name> sagt; welches Du freilich nicht versteh[s]t.<lb/>F.</p></div></body></text></TEI>
