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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="16361"><titleStmt><title>Johann Gottlieb Fichte an Johann Friedrich von Cotta</title><editor><persName role="Herausgeber der Website"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin der Website"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Implementierung Backend/Frontend der Website"><forename>Sandra</forename><surname>Weyand</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="User Experience / Grafisches Design"><forename>Michael</forename><surname>Lambertz</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Projektübergreifende technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Thomas</forename><surname>Burch</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-mainz.de/">Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum - Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://www.briefe-der-romantik.de/team">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 4.0 DE)</licence><ab type="edition">Korrespondenzen der Frühromantik</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext ohne Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2025-09-15"/><idno type="url">https://briefe-der-romantik.de/letters/view/16361</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Fichte, Johann Gottlieb: Gesamtausgabe der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Abteilung III, Bd. 4: Briefe 1799–1800. Hg. v. Hans Gliwitzky und Reinhard Lauth. Unter Mitwirkung v. Peter K. Schneider und Manfred Zahn. Stuttgart 1973, S. 185‒193.</title></bibl><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Schiller-Nationalmuseum</institution><idno type="signatur">Cotta-Archiv</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://briefe-der-romantik.de/letters/view/16361"><correspAction type="sent"><persName key="7180" ref="https://d-nb.info/gnd/118532847 ">Johann Gottlieb Fichte</persName><placeName key="12" ref="https://d-nb.info/gnd/4028557-1">Jena</placeName><date when="1800-01-13">1800-01-13</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="7143" ref="https://d-nb.info/gnd/11852240X ">Johann Friedrich von Cotta</persName><placeName key="614" ref="https://d-nb.info/gnd/4061147-4">Tübingen</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-071y-0.tif"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-071y-1.tif"/><graphic n="3" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-071y-2.tif"/><graphic n="4" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-071y-3.tif"/><graphic n="5" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-071y-4.tif"/><graphic n="6" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-071y-5.tif"/><graphic n="7" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-071y-6.tif"/><graphic n="8" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-071y-7.tif"/><graphic n="9" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-071y-8.tif"/></facsimile><text><body><div><p>Jena, d. 13. Jänner. 1800<lb/>Ich bin Ihnen zwei Antworten schuldig. – Die lezte zuerst.<lb/>Wenn Sie wirklich einige Achtung für mich haben, so muß es Ihnen lieb seyn, daß ich mich über das Benehmen, [das] Sie so anstössig gefunden, erkläre, und Sie müssen schon <hi rend="slant:italic">darin</hi> einen Beweis meiner Achtung gegen Sie finden, daß ich dies mit Sorgfalt thue.<lb/>Ich kann, meiner ganzen Art zu arbeiten nach schlechthin nicht, wie andre Schriftsteller, <hi rend="slant:italic">im voraus</hi> zu dieser bestimmten Messe dieses oder jenes versprechen. Es wird fertig, was nun eben fertig wird. Und ehe ein Werk fertig ist, verspreche ich es nicht. – Was aber einmal fertig ist, damit <hi rend="slant:italic">eile</hi> ich zum Druk, ehe ich in andre Arbeiten hinein komme, und die Freude an dieser mir vergeht. Ich kann dann abermals nicht erst hundert Meilen weit correspondiren, über Bedingungen, über Druk, u. dergl. unterhandeln. Dies muste ich vorausschiken, damit Sie meine Geschichtserzählung, wie der Verlag meiner Best. d. M. an die Vossische Buchhandlung gekommen, aus dem rechten Gesichtspunkte ansähen.<lb/>Vorigen Sommer schreibt mir <hi rend="slant:italic">Rein</hi> aus Leipzig um<hi rend="slant:italic"> Text zu einem Taschen Kalender </hi>auf das Jahr 1800. Er that dies auf eine Weise, daß es nicht das Ansehen hatte, als ob <hi rend="slant:italic">Er mir</hi>, sondern als ob <hi rend="slant:italic">ich ihm</hi> dienen sollte; und ich gestehe sehr gern, daß dieses Betragen an Buchhändlern [/] mich leicht besticht. Er stellte mir seine Lage vor: und ich sagte ihm zu. Ich fiel darauf, ihm eine Abhandlung über die Bestimmung des Menschen, mit deren Idee ich mich schon seit Jahren trug – auszuarbeiten. – Daß ich Ihnen schon seit langem e<hi rend="slant:italic">twas ähnliches</hi> angeboten, <hi rend="slant:italic">erinnerte</hi> ich mich nicht, ich versichere Sie dessen auf Ehre; und ich bin in der That erst durch Ihren lezten Brief daran erinnert worden. Hätte ich aber auch jenes meines Antrages mich erinnert, so würde ich immer geglaubt haben, nur für <hi rend="slant:italic">damals</hi> mich verbunden zu haben, nicht aber, – da die Idee damals nicht ausgeführt werden konnte, und da <hi rend="slant:italic">seitdem</hi> andere Unterhandlungen zwischen uns eingetreten sind, <hi rend="slant:italic">auf immer</hi> für diesen Artikel. – Meiner <hi rend="slant:italic">eignen Ansicht </hi>nach, nach welcher allein Sie mich doch beurtheilen müssen, da Sie von Ihrer ehemaligen Achtung gegen mich ausgehen, können Sie sich allein <hi rend="slant:italic">darüber</hi> beklagen, daß ich nicht, nach unsrer langen Verbindung Ihnen<hi rend="slant:italic"> jedes von mir fertig gewordne Buch, welches es auch gewesen wäre</hi> – als daß ich nun gerade <hi rend="slant:italic">dieses nicht</hi>, zufolge eines Versprechens, dessen ich mich in der That nicht erinnerte, und das ich <hi rend="slant:italic">so</hi> nie verstanden habe, Ihnen angetragen.<lb/>Aber ich fahre fort in meiner Erzählung. <hi rend="slant:italic">Rein</hi> zeigte sich saumseelig. [/] Es war zu Anfange des Octobers noch keine Anstalt zum Abdruke gemacht. Er ließ endlich eine Sammlung von Pasquillen gegen achtungswerthe Menschen (<hi rend="slant:italic">Diogenes</hi> <hi rend="slant:italic">Laterne</hi>) und gegen mich druken, und hatte die Unverschämtheit, oder – Unbefangenheit mir selbst dieses Produkt, als seinen wichtigsten Meßartikel, zu zusenden. Ich <hi rend="slant:italic">mußte</hi> nun mit ihm brechen, und befand mich, für meine indessen fertig gewordne und unter der Arbeit zu etwas Besserem erwachsene, als ich es eigentlich vorhatte, Schrift, ohne Verleger. – Diese Schrift sollte, aus einer Menge Gründe, zu Anfange des Jahres erscheinen. Ich dachte an Sie: aber <hi rend="slant:italic">im November</hi> erst mit Ihnen bis Tübingen von Berlin aus darüber correspondiren – das ging nicht. Der Besorger der Vossischen Buchhandlung war in meiner Nähe, sahe mich täglich, hatte schon längst mich um Mscpt. ersucht: es war das kürzeste, u. das meinem nächsten Zweke der frühen Erscheinung angemessenste <hi rend="slant:italic">ihm</hi> die Handschrift zu geben.<lb/>So geht es zu mit dieser Verlagsgeschichte, und ich hoffe, Ihre Unbefangenheit soll mich von allem Zweifel, den Sie auf meine <hi rend="slant:italic">Denkart</hi> geworfen haben könnten, lossprechen.<lb/>Gegenwärtig habe ich eine Menge Entwürfe angefangen, <hi rend="slant:italic">deren Endigung aber von meiner Laune, Lust, Geschik, u.s.w.</hi> abhängig bleiben muß.<lb/>1.) Eine Kritik der neuesten Französischen Constitution nach aufzustellenden (populär dargelegten) Rechtsgrundsätzen, nebst einer ausführlichern, u. klärern Darstellung der von mir, (in meinem Naturrechte) aufge[/]stellten Constitution. . – eine kleine Schrift bis 8. Bogen.<lb/>2.). Antwort auf das viel Aufsehen erregende <hi rend="slant:italic">Jacobi</hi>sche Schreiben an mich (Jacobi an Fichte, bei Perthes) Meine Antwort wird nicht weniger Aufsehen erregen – ohngefähr ebenso stark (8. Bogen) oder auch ein wenig stärker.<lb/>3.) Sonnenklarer Bericht an das grössere Publicum über das wahre Wesen meiner Philosophie – auch 8-12. Bogen.<lb/>4.) Neue (weit klärere, u. geschmeidigere) Darstellung der Wissenschaftslehre (etwa als Commentar, od. dergl. indem bald ein ziemlich unveränderter Abdruk der vergriffenen ersten Wissenschaftslehre erscheinen wird.) Das Mscpt. ist seit Jahren fertig, und ich habe darnach gelesen. Es wird von allen die dessen Existenz wissen, verlangt; kann aber nicht ohne richtige Bearbeitung erscheinen. Ohngefähr 1½. Alphabet.<lb/>Ich schmeichle mir, Sie überhaupt so verstehen zu dürfen, daß Sie noch immer gern in Verbindung mit mir träten. In dieser Voraussetzung kann ich Ihnen selbst den unfehlbarsten Weg an weisen, wie Sie, bei meiner<hi rend="slant:italic"> individuellen Schriftstellerweise</hi> sicher seyn können, jeden Artikel, den Sie mögen, von mir zu erhalten.<lb/>1.) Senden Sie mir nemlich eine<hi rend="slant:italic"> offene Vollmacht</hi> an jede Drukerei, [/] daß sie auf <hi rend="slant:italic">Ihre Rechnung</hi> druke, was ich ihr gebe, und in der begehrten Anzahl. (Meine gewöhnlichen Auflagen sind 2000.)<lb/>Die Gründe davon gehen schon aus dem Obigen hervor; da mir aber daran liegt, von Ihnen ganz verstanden zu seyn, entwikle ich sie nochmals. – Ich arbeite <hi rend="slant:italic">immer</hi>; aber nicht fabrikmässig: was fertig wird, wird eben fertig. Was aber nun fertig ist, liefere ich gern ungesäumt zur Presse. Da ist mir denn nun der <hi rend="slant:italic">nächste</hi> immer der liebste. Habe ich nun von Ihnen eine Vollmacht, so sind <hi rend="slant:italic">Sie</hi> in jedem Augenblike der nächste, und ich kann – da alle andre Rüksichten für mich schlechterdings nichtig sind – gar nicht in Versuchung gerathen, etwas das Sie wollen, einem andern Verleger zu geben. Werden Sie mich in diese freie Lage setzen, dann erst werden Sie über meine Denkart, und über meine freundschaftliche Gesinnung gegen Sie, urtheilen können.<lb/>Mein nächster Aufenthaltsort ist <hi rend="slant:italic">Berlin</hi>, wohin ich zu Anfange des künftigen Monats zurükzukehren denke.<lb/>Daß ich, durch eine solche Vollmacht gerüstet, Schriften,<hi rend="slant:italic"> mit denen ich selbst nicht zufrieden bin</hi>, zum Druk liefern sollte – befürchten Sie ohne Zweifel von mir nicht: und ich schreibe sogar mit einigem Erröthen diese Zeilen nieder.<lb/>2.) Daß wir über das Honorar nicht einig werden sollten, befürchte ich nicht, da Ihre vor andern grossen Buchhändlern Sie so vortheilhaft auszeichnende [/] Denkart darüber bekannt ist; und ich von meiner Seite nicht unbillig zu seyn, mir einbilde. So bin ich z.B.bis jezt gewohnt gewesen, Format, Druk, Zahl der Exemplare, nach jedesmaliger Rüksicht, und LadenPreis, zu bestimmen, den Ertrag, nach Abzug des Rabbats (⅓ p./c.) zu berechnen, und diesen, nur nicht ganz gleich, (z. B. 25. [für mich] gegen 18. neuerlich mit Voß) mit dem Verleger, der jedoch vorschießt, zu theilen; immer nemlich vorausgesezt, daß die Auflage verkauft werde, welche Hofnung mich noch nie getäuscht.<lb/>Wenn ich alle meine Foderungen ausgezahlt erhalte, so sehe ich binnen Jahres Frist keinem Geldmangel entgegen. Da man jedoch bei jetzigen Zeiten keines Dinges so recht sicher ist, bis man es in den Händen hat: so könnten Sie sich sogar gegen <hi rend="slant:italic">die</hi> Befürchtung, daß ich durch unvorhergesehenen GeldMangel genöthigt werden dürfte mit einem andern Verleger mich einzulassen, dadurch sicher stellen, wenn Sie mir einen offnen <hi rend="slant:italic">CreditBrief</hi>, etwa bis 40. Ldor., an einen Berliner Banquier übersendeten[.] Ob Sie sich dabei für sicher halten könnten, kommt lediglich auf Ihre Meinung über meine Denkart an, die Ihnen nach Ihrem Schreiben zweifelhaft geworden ist: daher ich Sie zu diesem Schritte um so weniger überreden wollen kann, da auch ich für meine Person das Bedürfniß dieses Credits keinesweges vorhersehe. [/]<lb/>Daß ich für das von Ihnen <hi rend="slant:italic">schon ehemals erhaltne</hi> mit Ihnen mich zunächst berechne, versteht sich. Ich habe allhier das Eigenthum eines bezahlten Hauses (u. hätte, – im Vorbeigehen, – die für meine ehemaligen Umstände sehr geringfügige Summe Ihnen<hi rend="slant:italic"> in jeder Stunde</hi> zurükzahlen können, auch mit Interessen; wenn ich es nicht für <hi rend="slant:italic">unedel</hi> gehalten hätte, in <hi rend="slant:italic">Gelde</hi> zurükzugeben, wobei auf Handschrift gerechnet war) Wird, wie ich befürchten muß, dieses Haus <hi rend="slant:italic">nicht</hi> verkauft, so dient es Ihnen zur überhinreichenden Hypothek; und Sie erlauben mir, bei meinen nächsten Schriften <hi rend="slant:italic">allmählich</hi>, nach <hi rend="slant:italic">meiner</hi> Gelegenheit, abzurechnen. Wird es verkauft, so wird ohne weiteres durch meine nächsten Schriften bezahlt, und ich ziehe von Ihnen keinen Heller, bis die Schuld getilgt ist.<lb/>3.) Daß ich, sobald ich mich entschliesse, auf Ihre Rechnung, und zu Ihrem Verlage, etwas in die Drukerei zu geben, es Ihnen sogleich auch melde, versteht sich ohne weiteres.<lb/>Ich erbitte mir über diese Punkte recht bald (etwa durch Einschluß an Hrn. Prof. <hi rend="slant:italic">Schelling</hi>, der meine bis jezt mir selbst noch nicht bekannte Addresse zu Berlin haben wird) Ihre unumwundne, und unzweideutige Antwort.	<lb/>Zur Antwort auf Ihren ersten Brief in Ihrem Streite mit Gabler 23 Jul. 99. – Ich erhielt denselben in Berlin, wo ich nicht zur Stelle war, um den Schiedrichter [/] abzugeben; in litterarische Arbeiten vertieft, ohne Gefühl des Geschiks, und ohne Lust, eine meiner damaligen Stimmung so ganz fremde Sache durchzudenken. Jezt so viel.	<lb/>1.) Daß ich den Verlag dieser App. <hi rend="slant:italic">ganz</hi> Ihnen zugedacht, und wodurch ich veranlaßt worden, G. Antheil daran zu geben, ist, glaube ich, Ihnen bekannt, und bedarf keiner weitern Erörterung.<lb/>2). So glaube ich über G. erstes Verfahren (Zögerung, Eingriff in Ihren Sprengel) mich gegen Sie gleichfals erklärt zu haben. Das erstere hat er mir durch die Nothwendigkeit sattsam entschuldigt, und das zweite hat er wohl mehr, aus – Unverstand, als Betrüglichkeit, gethan, und hat es stets, durch Zurechnung auf Sie, gut zu machen sich erboten.<lb/>3.). Auch erinnere ich mich, Ihnen gesagt zu haben, daß zu den Kosten der Auflage 1.) das BriefPorto für gegen 100. durch ganz Deutschland an Gelehrte versendete Exx. der App. 2.) der Druk von 200. St. Briefen 3.) die, nach meinem Willen, geschehne Insertion in beinahe alle gelehrte Zeitungen – gehöre. Da ich ausdrüklich auf alles Honorar gegen diese Schrift, um sie dem Publikum wohlfeiler in die Hände zu liefern, Verzicht that, so wollte ich wenigstens nicht Ausgaben von meinem eignen Gelde dabei machen, und rechnete daher auf Befreiung in Absicht – N. 1. u. 2. – Dies mag es nun seyn, was die Kosten der Auflage, zu einer Ihnen unerwarteten Höhe heraufgetrieben. [/]<lb/>4.) Daß Sie nur nach Masgabe des Absatzes die Verlagskosten theilten, hat mir eingeleuchtet, und ich zweifle nicht, daß es auch Gabler (ohnerachtet sich in Buchhändlerischer Rüksicht vielleicht manches dabei erinnern liesse) in Betracht der verzögerten Einsendung Ihrer Exemplare, zugegeben haben würde. Aber<lb/>5.) scheint der Hauptanstoß die <hi rend="slant:italic">zweite</hi>, „gegen alle Buchhändlerische Vft.“ gemachte Auflage zu seyn. Ich bekenne mit Schaam, daß Ich selbst es bin, der diesmal aller Vft. ermangelte; tröste mich jedoch, daß es nur die Buchhändlerische war. – (<hi rend="slant:italic">Ich</hi> trieb G. Ihnen Ihre 2500 Exx. zu senden: Er hatte Hauptländer z. B. ganz ChurSachsen, von seinen 2500. noch<hi rend="slant:italic"> gar nicht </hi>versorgt. Mir, denn doch einzig um die <hi rend="slant:italic">Verbreitung</hi> besorgt, war es natürlich, zu sagen: machen Sie eine neue Auflage. Daß es in <hi rend="slant:italic">Ihrem Sprengel</hi>, im Reiche, wohin von jeher meine Schriften am häufigsten abgesezt werden, schlechter gehen sollte, als im <hi rend="slant:italic">Gablerischen</hi>, Sie sonach nicht eben sobald, und eben so starken Zuschuß bedürfen sollten, als G. ließ ich mir nicht träumen. Es wäre also gegen G. allenfals hierbei nur das zu erinnern, 1.). daß er in die übrigen Länder seines Sprengels die er wirklich versorgt[,] gleich anfangs <hi rend="slant:italic">zuviel</hi> abgeschikt. Dann ist nur zu fragen, ob die Exx. wirklich verkauft worden? (in Jena wurden in ein paar Tagen gegen 400 verkauft) Sind sie es, so war es nicht <hi rend="slant:italic">zu viel</hi>. 2.) Dies vorausgesezt, <hi rend="slant:italic">muste</hi> er eine zweite Auflage machen, denn die andern Länder seines Sprengels z. B. Chursachsen, sollten, [/] denn doch wohl nicht unversorgt bleiben; und auf Ihren Antheil von der ersten Auflage konnte <hi rend="slant:italic">hiebei</hi> nicht gerechnet werden, denn diesen sollte er Ihnen überschiken. Bleibt sonach lediglich 3.) gegen ihn <hi rend="slant:italic">die</hi> Klage, daß er die zweite Auflage<hi rend="slant:italic"> zu stark</hi> gemacht. Und da überlasse ich es denn Ihrem eignen Ermessen, ob Buchhändlerisch, die wenigen Kosten, die bei einer so kleinen Schrift 1000. Exx. auf u. ab mehr machen, – unter den Umständen, daß <hi rend="slant:italic">in einem Theile</hi> von NordTeutschland in Zeit von 4. Wochen 2500. Exx. abgesezt worden, u. zu erwarten ist, daß in SüdTeutschland, wo die Schriften desselben Verfassers stets noch besser gegangen, der Absaz eben so sey – ob, sage ich, unter diesen Umständen, diese geringen Kosten nicht zu riskiren seyn möchten? [)]<lb/>Daß G. ohne <hi rend="slant:italic">Ihr Wissen</hi> (in welchem Falle [–] daß er Sie nemlich gefragt hätte [–] Sie allerdings von Ihrem Antheile der ersten Auflage, abgetreten haben würden, nach Bewandtniß Ihrer Umstände dort, und dazu das völlige Recht gehabt hätten) die zweite Auflage veranstaltet, hängt eben so zusammen, wie das, daß ich ohne Ihr Wissen meine B. d. M. an Voss gegeben. Die Sache war <hi rend="slant:italic">dringend</hi>, und von Jena bis Tübingen erhält man frühstens innerhalb 3. Wochen Nachricht. Kürzer aber, als innerhalb drei Wochen sollte u. muste Chursachsen belegt werden; indem Gablern die Exx. die er allenfals dahin berechnet, von den hiesigen Studenten, von Alten[/]burg aus, u. andern benachbarten Orten, abgekauft worden.<lb/>Ohne Buchhändler zu seyn, denke ich nach meinen natürlichen Begriffen von Billigkeit, und Recht – so. Der Verleger trägt das Risiko. Verliert er, so zahlt ihm freilich der Verf. nichts; gewinnt er aber, so hat der Verf. gleichfals keine Nachzahlung zu fodern. <hi rend="slant:italic">Zwei</hi> Verleger desselben Buchs stehen für Einen Mann, und tragen Gewinn, und Verlust, theilen beides zu gleichen Theilen. Ist an der zweiten Auflage Verlust – was ich jedoch kaum glaube, indem an die App. wenn sie auch jezt einige Zeit schwächer gehen sollte, die nachwachsende Welt denn doch wieder von Zeit zu Zeit erinnert werden wird – so tragen ihn Cotta, u. Gabler: wird an ihr gewonnen, so theilen ihn Cotta, u. Gabler; und ich stehe dafür, daß <hi rend="slant:italic">mit meinem Willen und Wissen</hi> der leztere den erstern um kein Exemplar bevortheilen soll.<lb/>Ich weiß nun zwar nicht, wie die Sache jetzo steht. Ich habe mit Gabler darüber nicht gesprochen, noch Er mit mir. Ich weiß auch nicht, ob, wenn ich so glüklich gewesen seyn sollte, Sie von der Richtigkeit meiner Meinung zu überzeugen, es noch in Ihrer Macht ist, dieselbe anzunehmen. Ich wünsche bloß sehnlich, daß zu den Unannehmlichkeiten, [/] die ich über diese durch die Noth mir abgedrungne – das glauben Sie mir nur fest – Association, von welcher ich gleich anfangs viele befürchtete, schon empfunden, nicht noch mehrere hinzukommen.<lb/>Wegen der aufrichtigen Darlegung meiner Meinung über diesen lezten Punkt bitte ich nicht um Verzeihung, denn ich weiß, daß der ehrliche Mann gern den ehrlichen Mann hört.<lb/>Ich verharre mit Hochachtung<lb/>Ihr<lb/>ergebenster<lb/>Fichte.</p></div></body></text></TEI>
