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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="16390"><titleStmt><title>Ignaz Aurelius Fessler an Johann Gottlieb Fichte</title><editor><persName role="Herausgeber der Website"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin der Website"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Implementierung Backend/Frontend der Website"><forename>Sandra</forename><surname>Weyand</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="User Experience / Grafisches Design"><forename>Michael</forename><surname>Lambertz</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Projektübergreifende technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Thomas</forename><surname>Burch</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-mainz.de/">Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum - Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://www.briefe-der-romantik.de/team">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 4.0 DE)</licence><ab type="edition">Korrespondenzen der Frühromantik</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext ohne Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2025-09-15"/><idno type="url">https://briefe-der-romantik.de/letters/view/16390</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Fichte, Johann Gottlieb: Gesamtausgabe der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Abteilung III, Bd. 4: Briefe 1799–1800. Hg. v. Hans Gliwitzky und Reinhard Lauth. Unter Mitwirkung v. Peter K. Schneider und Manfred Zahn. Stuttgart 1973, S. 249‒256.</title></bibl><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Handschrift verschollen</institution></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://briefe-der-romantik.de/letters/view/16390"><correspAction type="sent"><persName key="23906" ref="https://d-nb.info/gnd/118532650">Ignaz Aurelius Fessler</persName><placeName key="15" ref="https://d-nb.info/gnd/2004272-3">Berlin</placeName><date when="1800-05-21">Ende Mai/Anfang Juni 1800</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="7180" ref="https://d-nb.info/gnd/118532847 ">Johann Gottlieb Fichte</persName><placeName key="15" ref="https://d-nb.info/gnd/2004272-3">Berlin</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-072r-0.tif"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-072r-1.tif"/><graphic n="3" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-072r-2.tif"/><graphic n="4" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-072r-3.tif"/><graphic n="5" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-072r-4.tif"/><graphic n="6" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-072r-5.tif"/><graphic n="7" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-072r-6.tif"/><graphic n="8" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-072r-7.tif"/></facsimile><text><body><div><p>Geliebter Bruder!<lb/>Sie erhalten hierbei das Resultat meines reiflichen Nachdenkens über Ihre Bemerkungen. Von meiner Seite wird <hi rend="slant:italic">Rechthaberei</hi>, <hi rend="slant:italic">Gelehrten-Eifersucht</hi> und <hi rend="slant:italic">Widerstreben</hi>, <hi rend="slant:italic">Etwas zurückzunehmen</hi>, gewiß nie zwischen uns treten.<lb/>Nicht <hi rend="slant:italic">Rechthaberei</hi>; denn ich werde nie fordern, daß Sie, oder irgend ein anderer Bruder, meine Ansichten der Maurerei und der Menschen, welche die Sache treiben, zu den Ihrigen machen sollen. Ich werde fortfahren, zu thun, wie ich bisher gethan habe; ich werde in meinen Planen, Entwürfen und Arbeiten meine Ansichten hinstellen, unbekümmert, was die Brüder damit machen wollen. Es ist kein Bruder, der auftreten und behaupten kann, daß ich jemals Etwas in Ritualen oder in der Verfassung, die ich im Entwurfe hingelegt hatte, vertheidigt, oder mich in einen Dispüt eingelassen habe. Hierin ist selbst der bescheidene <hi rend="slant:italic">Rhode</hi> bei seiner Constitution schon weiter gegangen, als ich. [/]<lb/>Nicht <hi rend="slant:italic">Gelehrten-Eifersucht</hi>; denn in unsern maurerischen Verhältnissen kommt es gar nicht auf Gelehrsamkeit, gar nicht auf <hi rend="slant:italic">Spinoza</hi>, <hi rend="slant:italic">Kant</hi> und <hi rend="slant:italic">Fichte</hi>, sondern auf maurerische Sachkenntniß und auf einen durch Übung geschärften und durch Erfahrung bewährten Sinn für Kenntniß <hi rend="slant:italic">des</hi> Menschen, <hi rend="slant:italic">der</hi> Menschen, und ihrer Verhältnisse, an.<lb/>Nicht <hi rend="slant:italic">Widerstreben</hi>, <hi rend="slant:italic">Etwas zurückzunehmen</hi>. Das bei der<hi rend="size:14"> □ </hi>Roy. York eingeführte System muß entweder im Ganzen und in allen seinen Theilen unverletzt bleiben, oder es muß <hi rend="slant:italic">ganz</hi> weggerückt und ein anderes hingestellt werden. Bauen Sie daher, geliebter Bruder, fest und zuversichtlich auf meine folgende Versicherung:	<lb/>Treten Sie öffentlich, freimüthig, ohne sich in vorläufige Polemiken mit mir einzulassen, auf! Legen Sie Ihr System, welches von dem meinigen nothwendig ganz verschieden seyn muß, vor! Zeigen Sie die Festigkeit und Richtigkeit desselben mit der ganzen Macht der Beredsamkeit, welche jede gute Sache ihrem Sachwalter giebt! und ich betheure Ihnen, bei Allem, was heilig ist, daß ich weder Ihr System bestreiten, noch das meinige vertheidigen, sondern dieß letztere nicht nur mit ruhiger Resignation, sondern auch mit der festen Überzeugung, daß das Ihrige besser sei, <hi rend="slant:italic">ganz</hi> zurücknehmen werde.<lb/>Der Grund meiner Überzeugung ist folgender! – Alles, was in sich gut ist, ist deßwegen nicht sogleich auch in der Anwendung auf eine Gemeinde gut. Nimmt es aber die Mehrheit derselben an, so ist es wenigstens für den augenblicklichen Zustand der Gemeinde-Cultur und ihre Zeit- und Personal-Verhältnisse gut, und besser, als jedes andere Gute, für welches die Gemeinde entweder zu reif oder zu unreif wäre. Nimmt daher die Mehrheit der Brüderschaft Ihr System an, so ist dasselbe für den gegenwärtigen und augenblicklichen Zustand der<hi rend="size:14"> □ </hi>erwiesen besser, als das meini[/]ge. Daß ich wirklich so denke und so handle, darüber können Sie das lauteste Zeugniß der BBr., die mit mir durch 4 Jahre gehandelt haben, einholen.<lb/>Nehmen Sie mich nur auf ein Jahr von der von Andern in mich hineingetragenen Kleinlichkeit und Armseligkeit frei an; und Sie werden finden, daß mit wenigen Menschen leichter fertig zu werden ist, als mit mir; wobei ich Ihnen aber auch freilich nicht bergen will, daß das <hi rend="slant:italic">Senecaʼsche</hi>: <lb/>„incorruptus vir sit externis, et insuperabilis; fidens animi. – Fiducia eius non sine scientia sit, scientia non sine constantia. Maneant illi semel placita, nec ulla in decretis eius litura sit. – Hoc modo una efficietur vis ac potestas, concors sibi; et ratio illa certa nascetur, non dissidens, nec haesitans in opinionibus comprehensionibusque, nec in sua persuasione.“ <lb/>(„<hi rend="slant:italic">Seneca</hi> de vita beata,“ C. VIII.) <lb/>etwas stark in meine Totalität übergangen ist und mir in allen meinen Verhältnissen anklebt. Indessen habe ich bei einem Manne von Ihren vielseitigen und liberalen Ansichten wol auch nicht zu fürchten, daß er Dieß in mir für Rechthaberei, Gelehrten-Eifersucht und Widerstreben, Etwas zurückzu nehmen, halten wird. <lb/>Mit aufrichtiger und herzlicher Liebe <lb/>Ihr <lb/>Feßler. <lb/>Gegenbemerkungen.	<lb/><hi rend="slant:italic;size:8;offset:4">[1]</hi> Zu I. <lb/>Die BBr. der<hi rend="size:14"> □</hi> Roy. York <hi rend="slant:italic">wollen</hi> sie: <lb/>1. um das Interesse ihres Verstandes zu befriedigen. Überdieß däucht ihnen die Kenntniß der Verirrungen des menschlichen Geistes in geheimen Verbindungen lehrreich und unterhaltend. <lb/>2. Sie wollen sie, weil ich sie ihnen versprochen habe. <lb/>3. Sie wollen sie, nicht als unbedingt letzten Aufschluß, sondern als letzten Aufschluß, den <hi rend="slant:italic">ich</hi> ihnen geben kann und zu geben versprochen habe. <lb/>Übrigens ist es mir noch nie eingefallen, zu sagen, oder zu behaupten, daß mit <hi rend="slant:italic">der</hi> <hi rend="slant:italic">Geschichte des Ordens</hi>, in dem Sinne, in welchem sie Br. <hi rend="slant:italic">Fichte</hi> zu nehmen scheint, also mit dem <hi rend="slant:italic">kleinsten Theile</hi>, die von mir mitzutheilende Gnosis geschlossen und erschöpft seyn sollte. Vielmehr dürfte die Entstehungsgeschichte der verschiedenen maurerischen Systeme, die Enthüllung und Würdigung ihrer höheren Grade, die genauere Verbindung zwischen dem <hi rend="slant:italic">von uns</hi> anerkannten Zweck und den bei uns üblichen Ritualen den unweit <hi rend="slant:italic">größeren</hi> und <hi rend="slant:italic">wichtigern</hi> Theil der Gnosis ausmachen. <lb/><hi rend="slant:italic;size:8;offset:4">[2]</hi> [Darauf wird die Gnosis, als menschliche Gnosis, menschlich, das ist, bald mit <hi rend="slant:italic">größerer</hi>, bald mit <hi rend="slant:italic">geringerer</hi> Wahrscheinlichkeit antworten. Sie wird nirgends dichten, sondern kritisch fortschreiten, und es gestehen, wo ihr das Licht erloschen ist.]<lb/><hi rend="slant:italic;size:8;offset:4">[3]</hi> Dieß ist bloß Exposition der Aufgabe, die für mich nicht nöthig war. <lb/><hi rend="slant:italic;size:8;offset:4">[4]</hi> [Der Br. Fichte scheint den Weg, den ich bei der Redaction der Gnosis nur allein nehmen kann und nehmen muß, zu ignoriren.] Die Thatsachen der Gnosis sind Resultate aus Quellen, mit denen ich seit langen Jahren vertraut bin; die Thatsachen sind von mir nicht gefunden, sondern mir mitgetheilt worden. Als geschworner Feind aller Auctorität und alles Auctoritätglaubens, strebe ich nur nach dem Verdienste, die Wahrscheinlichkeit und Glaubwürdigkeit der Thatsachen durch Zeugnisse aus den mir bekannten Quellen zu begründen. <lb/><hi rend="slant:italic;size:8;offset:4">[5] </hi>Zu II.	 <lb/>Ebenso vernünftig, als man Universitäten besuchen oder die Vorlesungen eines großen Denkers anhören kann, ob man gleich am Ende Nichts weiter erhält, als was man schon vorher selbst gedacht und vielleicht nur mit andern Formeln ausgesprochen hat, oder was Jedermann ebenso gut außer der Universität oder dem Auditorio durch Studium erhalten kann; [und überdieß noch sehr vernünftig, weil ein großer Theil der Gnosis aus Dingen besteht, die man außer dem Systeme der <hi rend="size:14">□ </hi>Royale York durch Studium nicht erhalten kann.]<lb/><hi rend="slant:italic;size:8;offset:4">[6]</hi> <hi rend="slant:italic">Ad a.</hi> Ja! –<lb/><hi rend="slant:italic">Ad b.</hi> Geht mich Nichts an; denn, ich habe weder den Beruf, noch die Pflicht, Menschen zur Aufnahme in unser System zu locken; aber wol ist es meine Pflicht, Jedem, der mich frägt, aufrichtig zu sagen, Was er zu erwarten habe, und es ihm zu überlassen, ob ihm die Aussicht convenirt oder nicht. <lb/><hi rend="slant:italic;size:8;offset:4">[7] </hi>[Ist dieß <hi rend="slant:italic">Etwas</hi> Anzutreffende ein <hi rend="slant:italic">Wissen schlechtweg</hi>, so kann es so ein <hi rend="slant:italic">Etwas</hi> ausser dem Orden schlechthin nicht Anzutreffendes gar nicht geben, als gerade Das, was den größern Theil der Gnosis ausmacht und oben von mir angegeben worden ist; oder eine Fiction; welche letztere wol schwerlich den Eintritt in den Orden vor der Vernunft rechtfertigen könnte.] <lb/>Ist dieß <hi rend="slant:italic">Etwas</hi> eine dem System <hi rend="slant:italic">eigentümliche</hi> <hi rend="slant:italic">Art</hi> des auch außer dem Orden erreichbaren <hi rend="slant:italic">Wissens</hi>, so ist der Eintritt in den Orden, sowie der Austritt, wenn diese Art des Wissens nicht befriediget, vor der Vernunft gerechtfertigt. <lb/>Ist dieses <hi rend="slant:italic">Etwas</hi> eine [/] <hi rend="slant:italic">Erleichterung</hi> entweder des <hi rend="slant:italic">Wissens</hi> oder des <hi rend="slant:italic">Thuns</hi>, so wird uns unsere bloß gesunde Vernunft auch nicht verdammen, wenn wir dieser <hi rend="slant:italic">Erleichterung</hi> wegen in den Orden eintreten, entweder um sie uns selbst zu verschaffen, oder um sie Andern zu gewähren. <lb/>Glaubt denn Br. Fichte selbst, oder glaubt er, es irgend einem in der wirklichen Welt wohl bewanderten Beobachter glauben zu machen, <hi rend="slant:italic">daß die einseitige Standesbildung außer dem Orden schlechterdings nicht in eine reinmenschliche übergehen</hi> <hi rend="slant:italic">könne?</hi> Hingegen wird ihm jeder reindenkende Mensch auch ohne Beweis glauben, daß es im Orden leichter geschehen könne; Welches viele Brüder der <hi rend="size:14">□</hi> Royale York bereits seit 3 Jahren öfters gehört und wahrscheinlich noch weit früher schon gewußt haben. <lb/><hi rend="slant:italic;size:8;offset:4">[8]</hi> [Die Entstehunggeschichte der verschiedenen maurerischen Systeme, ihre Zwecke, ihre Mittel, ihre höhern Grade, die Enthüllung und Würdigung derselben, sind nirgends in öffentlichen Denkmälern niedergelegt.]<lb/><hi rend="slant:italic;size:8;offset:4">[9]</hi> Ich gebe, Was verlangt wird, Was ich versprochen habe, Was mir mitgetheilt worden ist; und um den Verstand der BBr. nicht zu nothzüchtigen, belege ich die mir mitgetheilten Thatsachen mit Zeugnissen aus den mir bekannten Quellen, sowie die Entstehunggeschichte der verschiedenen maurer. Systeme u.s.w. mit Documenten. [Im Ganzen gebe ich überall Möglichkeit als Mög[/]lichkeit, Wahrscheinlichkeit als Wahrscheinlichkeit, und lasse die Lücken offen, wo sie ohne Unwahrheit oder Erdichtung nicht ausgefüllt werden können.]<lb/>Und endlich, ist denn Br. Fichte, wenn er bei einer Mysterienfeier eine Rede hält, seine Sätze exponirt und beweist, weniger ein Professor der Philosophie oder der Moral? – sind Die, welche ihm zuhören, weniger Studenten? und ist die Maurerei weniger ein Philosophie- oder Moral-Collegium? Kann sie Dieß seyn? <lb/><hi rend="slant:italic;size:8;offset:4">[10]</hi> [Ich habe mir die Aufgabe nicht gegeben, sondern die Auflösung der Aufgabe, insoweit sich dieselbe auf den kleinern Theil der Gnosis erstreckt, empfangen.] Sie hat mir genügt, weil ich mit den Quellen, wovon die Auflösung Resultat ist, vertraut war; um mein Genügen brüderlich mit den Auserwählten zu theilen, begründe ich die Glaubwürdigkeit der Auflösung durch Anführung der Quellen. <lb/><hi rend="slant:italic;size:8;offset:4">[11] </hi>Eben dazu, wozu die Große Landes-<hi rend="size:12">□</hi> ihre Acten geheim hält, ungeachtet ihr die prager <hi rend="size:14">□</hi> den Streich gespielt hat, dieselben drucken zu lassen. Indessen bin ich meiner Sache zu gewiß, als daß meine geheimzuhaltende Gnosis morgen gedruckt werden könnte. <lb/><hi rend="slant:italic;size:8;offset:4">[12] </hi>Zu III. <lb/>Diese Stelle könnte nur dann für mich dastehen, wenn dem Br. Fichte der Gang meiner literarischen, historischen und philosophischen Bildung vollständig bekannt und der Maasstab meiner Geisteskräfte und meiner Application in die Hand gegeben wäre. <lb/><hi rend="slant:italic;size:8;offset:4">[13]</hi> [Ich glaube fester an <hi rend="slant:italic">Themistokles</hi> Schlacht bei Salamis, als an <hi rend="slant:italic">Numaʼs </hi>Gesetzgebung, und fester an <hi rend="slant:italic">Sokrates</hi> Rechtschaffenheit, als an <hi rend="slant:italic">Themistokles</hi> salamisische Schlacht, und fester an <hi rend="slant:italic">Jesu</hi> Reformation, als an <hi rend="slant:italic">Sokrates</hi> Rechtschaffenheit, und fester an <hi rend="slant:italic">Husseʼns</hi> Verbrennung, als an Jesu Tod oder nicht Tod, und fester an <hi rend="slant:italic">Carlʼs </hi>Enthauptung, als an <hi rend="slant:italic">Husseʼns</hi> Verbrennung, und unerschütterlich fest an <hi rend="slant:italic">Friedrich Wilhelmʼs des Zweiten</hi> Tod, ohne deßwegen meinen Glauben an Numa’s Gesetzgebung, Themistokles Schlacht bei Salamis, Sokrates Rechtschaffenheit, Jesu Reformation, Tod oder nicht Tod, Husse’ns Verbrennung und Carl’s Enthauptung wegzuwerfen.]<lb/><hi rend="slant:italic;size:8;offset:4">[14] </hi>Wenn ich an die Apolytrosis nicht so recht glaubte, so würde ich mich schämen, sie Andern vorzutragen. <lb/><hi rend="slant:italic;size:8;offset:4">[15] </hi>Ja! <lb/><hi rend="size:8;offset:4">[16]</hi> Da hat Br. Fichte Recht: aber woher weiß er, daß ich diesen Gang gehe? keinen andern gehen könne? nur diesen gehen müsse? – daß ich während der 17 Jahre meiner Maurerschaft nicht untersucht, Was mir mitgetheilt worden, sondern angehört habe und mitgelaufen sey? – daß ich jetzt erst, mithin vor aller Untersuchung, mit mir einig geworden sey, Was ich beweisen wolle, mithin nur dieß zu Beweisende vor Augen habe, und nun alle Bibliotheken stürme, um nur zu finden, Was ich beweisen will? <lb/><hi rend="slant:italic;size:8;offset:4">[17]</hi> Zu IV. <lb/>Br. Fichte sagt in der angeführten Vorlesung: „die geheime Lehre sey ganz einfache Er[/]zählung: <hi rend="slant:italic">so</hi> ist’s einmal; wir wissen es; und Jeder, der sich uns gleichstellt, wird es wissen. – Man muß die geheime Lehre nur in einer noch fortdauernden <hi rend="slant:italic">mündlichen</hi> Überlieferung suchen.“ – Alles, was Br. Fichte dem Innersten Oriente mittheilen kann, muß, seiner in die Augen springenden Gewißheit wegen, keines Beweises nöthig haben, oder er würde beweisen müssen; sonst werden ihn die Auserwählten anhören, schweigen, sich einander ansehen und lächeln. – Wie aber, wenn er beweist und nicht <hi rend="slant:italic">überzeugt</hi>? Gut! er hat das Seinige gethan; er hat bewiesen. Überzeugen kann weder er, noch irgend ein Mensch; überzeugen muß sich Jeder selbst. Er schweigt und überläßt es dem nicht Überzeugten, Überzeugunggründe zu suchen. Dieß war von jeher und überall mein Gang; er wird es auch bei der Redaction und Mittheilung der Gnosis bleiben; er ist auf dem Terrain, auf dem ich zu gehen habe, der einzig sichere und <hi rend="slant:italic">den Gefährten, mit denen ich gehe</hi>, der angemessenste. Ich kenne sie durch 4 Jahre; sie lassen sich kein: <hi rend="slant:italic">Er sagt es! </hi>aufdringen; aber sie achten den Mann, der ihnen für Das, was gesagt wird, Gründe giebt, selbst dann noch, wenn sie seine Wahrheit nicht zu der ihrigen machen und sich selbst nicht überzeugen können. Wo nur irgend die Beweise für eine Thatsache der Gnosis den Brüdern nicht genügen und sie noch mehrere fodern, [dort werde ich bekennen, daß ich keine weitern weiß, daß aber, wenn sie den ihnen in die Hand gegebenen Faden auffassen und ihm folgen wollen, sie aus dem Labyrinthe der Ungewißheit gewiß zur Überzeugung kommen werden.] Ob sie, die Brüder, Dieß thun <hi rend="slant:italic">wollen</hi>, thun <hi rend="slant:italic">können</hi>, oder nicht, geht mich Nichts mehr an.	<lb/><hi rend="slant:italic;size:8;offset:4">[18]</hi> Widerlegbar ist <hi rend="slant:italic">Alles</hi> und <hi rend="slant:italic">Nichts</hi>. Einem Dialectiker, wie Br. <hi rend="slant:italic">Fichte</hi>, brauch’ ich Nichts weiter zu sagen. Daß übrigens eine Fiction aus der Geschichte nicht widerleg[/]bar sey, gebe ich unbedingt zu: aber auf dem Terrain, auf dem wir Beide stehen, und für die Menschen, mit denen wir es im Innern Oriente zu thun haben, taugt Fiction durchaus Nichts. Das Terrain ist zu hell und die Menschen zu gesund, zu prosaisch, zu ernsthaft; es fehlt ihnen an aller Genialität und poetischen Empfänglichkeit. <lb/><hi rend="slant:italic;size:8;offset:4">[19] </hi>Wie ich zu meinen bereits mitgetheilten und noch durch die Gnosis mitzutheilenden Kenntnissen gekommen bin, braucht in keine <hi rend="slant:italic">allegorische Fiction </hi>eingehüllt zu werden. [Es ist vielen Brüdern bekannt; es könnte allen bekannt seyn; denn es steht in den „Jahrbüchern der Gr. Loge Roy. York,“ S. 23, gedruckt.] Keine <hi rend="slant:italic">Fiction</hi>! keine <hi rend="slant:italic">Autorität</hi>! keinen<hi rend="slant:italic"> blinden Glauben</hi>! Man kann den <hi rend="slant:italic">Willen</hi> der Menschen, ohne daß sie es bemerken, zu einem guten Zwecke leiten; Dieß ist <hi rend="slant:italic">human</hi>: mit ihrem <hi rend="slant:italic">Verstande</hi> aber mag ich nicht spielen,; denn es ist ein ebenso gefährliches, als entwürdigendes, Spiel.	 </p></div></body></text></TEI>
