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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="16695"><titleStmt><title>Caroline von Schelling an Auguste Böhmer</title><editor><persName role="Herausgeber der Website"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin der Website"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Implementierung Backend/Frontend der Website"><forename>Sandra</forename><surname>Weyand</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="User Experience / Grafisches Design"><forename>Michael</forename><surname>Lambertz</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Projektübergreifende technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Thomas</forename><surname>Burch</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-mainz.de/">Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum - Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://www.briefe-der-romantik.de/team">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 4.0 DE)</licence><ab type="edition">Korrespondenzen der Frühromantik</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2025-09-15"/><idno type="url">https://briefe-der-romantik.de/letters/view/16695</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Schelling, Caroline von: Briefe aus der Frühromantik. Nach Georg Waitz vermehrt hg. v. Erich Schmidt. Bd. 1. Leipzig 1913, S. 568‒570.</title></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://briefe-der-romantik.de/letters/view/16695"><correspAction type="sent"><persName key="7212" ref="https://d-nb.info/gnd/118607049 ">Caroline von Schelling</persName><placeName key="12" ref="https://d-nb.info/gnd/4028557-1">Jena</placeName><date when="1799-10-21">1799-10-21</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="7383" ref="https://d-nb.info/gnd/122506979 ">Auguste Böhmer</persName><placeName key="2281" ref="https://d-nb.info/gnd/4011536-7">Dessau</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-079w-0.tif"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-079w-1.tif"/><graphic n="3" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-079w-2.tif"/></facsimile><text><body><div><p>[<placeName key="12">Jena</placeName>] 21 Oct. [17]99.<lb/>Mein liebes Mädchen, wie kommt es, daß ich seit 3 oder 4 Postagen nichts von Dir erhalte? Du ängstigst mich sehr. Ich habe Dir außer dem lezten jedesmal geschrieben. Einen Brief gab ich <persName key="766">Schlegel</persName> nach <placeName key="22">Leipzig</placeName> mit, damit er früher kommen sollte, der wird aber wohl dadurch später gekommen seyn? Meine liebe Seele, bist Du nicht wohl? bist Du betrübt? Wer weiß, ob <persName key="8196"><persName key="276">Hufelands</persName></persName> nicht doch noch über <placeName key="2281">Dessau</placeName> gehn und Du mit ihnen wiederkommst! Sie haben noch immer nicht aus <placeName key="15">Berlin</placeName> geschrieben, und ich weiß nun gar nicht, wie es steht in der Welt – ich weiß nicht, was mein Kind macht. Meinst Du etwa, weil ich Dich noch dort lassen wollte, ich hätte Dich nicht lieb? Glaub nur, Du bist Deiner Mutter das theuerste, was sie hat, und das wirst Du schon noch fernerhin gewahr werden.<lb/>Ganz aus der Fassung setzt mich Euer allseitiges Stillschweigen.<lb/>Von <placeName key="13">Dresden</placeName> hab ich einen traurigen Brief, <persName key="121">Utteline</persName> hat ein faules Nervenfieber und war am 13ten noch nicht außer Gefahr.<lb/>Am Donnerstag kamen <persName key="130"><persName key="48">Tieks.</persName></persName> Sie sind durch Dessau gekommen, und glaubten Dich mit der <persName key="3350">Tischbein</persName> in Dresden, so daß sie Dich nicht gesucht haben und nur wahrscheinlich mit Dir in der Comödie waren, in den <persName key="26744"><name key="26745" type="work">Arkadiern</name></persName>. Häßlich ist die Tiek nicht. Hätte sie Anmuth und Leben, und etwas mehr am Leibe als einen Sack, so könte sie für hübsch gelten. <persName key="2061">Das kleine Tiekchen</persName> ist recht sehr hübsch und blühend geworden. Es macht sich übrigens alles recht gut zusammen. Den ersten Abend hat Schlegel gleich den <name key="5620" type="work">König Richard</name> und gestern Tiek ein Stück von <persName key="24559">Holberg</persName> vorgelesen. Das soll alles noch einmal gelesen werden, wenn Du kommst. Hast Du denn auch von dem Spuk in Leipzig gehört? Daran würde sich <persName key="26746">Kuhn</persName> jämmerlich ergötzen. <persName key="50">Kotzebue</persName> hat ein <name key="52" type="work">Stück</name> gegen die <persName key="766"><persName key="8">Schlegel</persName></persName> gemacht und während der Messe aufführen lassen. Eine Rolle drin ist aus den Fragmenten im <name key="162" type="periodical">Athenäum</name> ausgeschrieben, und soll so den Friedrich vorstellen, der zulezt ins Tollhaus geschickt wird. Übrigens platterdings kein Witz darin außer der Schlegels ihr eigner. Es hat großen Lärm im Parterr gegeben <hi rend="slant:italic">pro</hi> und <hi rend="slant:italic">contra</hi> – das <hi rend="slant:italic">pro</hi> hat natürlich bey den Leipzigern die Oberhand behalten, hinterher hat Müller aber die weitre Aufführung verbieten lassen. Das Stück heißt der hyperboreische Esel oder die Bildung unsrer Zeit. Du kanst leicht denken, wie sich Schlegel <hi rend="slant:italic">tout de bon</hi> daran ergötzt hat. Es ist Dir ein Tausendspaß. – <persName key="88">Schillers</persName> <name key="4578" type="periodical"><name key="9054" type="periodical">Musencalender</name></name> ist auch da, das <name key="26747" type="work">Gedicht von der <persName key="2066">Imhof</persName></name> eben weiter nicht viel als ein Rudel Hexameter, aber über ein Gedicht von Schiller,<name key="4496" type="work"> das Lied von der Glocke</name>, sind wir gestern Mittag fast von den Stühlen gefallen vor Lachen, es ist <hi rend="slant:italic">a la <persName key="271">Voss</persName></hi>, <hi rend="slant:italic">a la Tiek</hi>,<hi rend="slant:italic"> à la Teufel</hi>, wenigstens um des Teufels zu werden.<lb/>Herzenskind, fehlt Dir etwas? …<lb/><persName key="2404">Schellings Bruder</persName> ist seit gestern da, aber noch nicht hier gewesen, denn er ist vom Postwagen gefallen und noch stupide. Er soll größer seyn wie Sch. und erst 16 Jahr. <persName key="389"><persName key="4268">Niethammers</persName></persName> sind auch wieder zurück, nicht überentzückt von Schwaben. Von <persName key="26748">Schellings Schwester</persName> hat <hi rend="weight:bold;spacing1:3">sie</hi> mir aber eine sehr vortheilhafte Beschreibung gemacht. Mammeselle Niethammer ist mitgekommen, und wird den hiesigen Schönen, wenigstens allen Blondinen, starken Eintrag thun.<lb/><persName key="180">Die Veit</persName> fährt fort eine trefliche Frau zu seyn, und Friedrich zu kräumen. <persName key="4192">Die Schillern</persName> hat eine <persName key="7979">Tochter.</persName> <persName key="4353">Die <hi rend="slant:italic">Melish</hi></persName> auch, und denke Dir, erst vor ein paar Tagen kam sie nieder. Er schickte einen Expressen. Daß die Schiller schwanger, hast Du wohl nicht einmal gewußt? Gott segne Dich, Du weißt vieles noch nicht. Lernst Du denn doch wenigstens singen?<lb/>Dein verzweifelndes Mütterchen.</p></div></body></text></TEI>
