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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="17776"><titleStmt><title>Samuel Ernst Stubenrauch an Friedrich Schleiermacher</title><editor><persName role="Herausgeber der Website"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin der Website"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Implementierung Backend/Frontend der Website"><forename>Sandra</forename><surname>Weyand</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="User Experience / Grafisches Design"><forename>Michael</forename><surname>Lambertz</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Projektübergreifende technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Thomas</forename><surname>Burch</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-mainz.de/">Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum - Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://www.briefe-der-romantik.de/team">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 4.0 DE)</licence><ab type="edition">Korrespondenzen der Frühromantik</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext ohne Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2025-09-15"/><idno type="url">https://briefe-der-romantik.de/letters/view/17776</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Schleiermacher, Friedrich Daniel Ernst: Kritische Gesamtausgabe. Abt. 5, Bd. 2. Briefwechsel 1796‒1798 (Briefe 327‒552). Hg. v. Andreas Arndt u. Wolfgang Virmond. Berlin u.a. 1988, S. 104‒112.</title></bibl><bibl>https://schleiermacher-digital.de/briefe/</bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://briefe-der-romantik.de/letters/view/17776"><correspAction type="sent"><persName key="24865" ref="https://d-nb.info/gnd/139551379">Samuel Ernst Stubenrauch</persName><placeName key="10562" ref="https://d-nb.info/gnd/4034340-6">Landsberg (Warthe)</placeName><date when="1797-03-07">7. bis 18. März 1797</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="7133" ref="https://d-nb.info/gnd/118608045">Friedrich Schleiermacher</persName><placeName key="15" ref="https://d-nb.info/gnd/2004272-3">Berlin</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-0808-0.tif"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-0808-1.tif"/><graphic n="3" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-0808-2.tif"/><graphic n="4" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-0808-3.tif"/><graphic n="5" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-0808-4.tif"/><graphic n="6" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-0808-5.tif"/><graphic n="7" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-0808-6.tif"/><graphic n="8" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-0808-7.tif"/><graphic n="9" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-0808-8.tif"/></facsimile><text><body><div><p>Landsb. d. 7ten Merz 1797<lb/>Mein lieber Neveu<lb/>Es sind noch so mancherley aus Ihren beyden lezten Br<hi rend="slant:italic">iefen</hi> vorhandene Pünkt<hi rend="slant:italic">chen</hi> die ich damals nicht gleich beantw<hi rend="slant:italic">ortet </hi>habe, welches ich also lieber jetzt en attendant thun will, damit ich nicht nachher wieder übereilt werde<lb/>Mit sehr vieler Theilnehmung haben wir die Nachricht von der anhaltenden Kränklichkeit ihrer lieben Schwester vernomen; um so mehr freueten wir uns, als wir heute von der B<hi rend="slant:italic">enike</hi> hörten, daß es sich doch etwas bessere, ich hoffe in Ihrem nächsten ausführlichere Bestätigung<lb/>Mit Emil<hi rend="slant:italic">ien</hi> werden wir es wohl richtig getroffen haben, daß ihr mager werden vom Wachsthum herrühre, sie befindet sich jetzt ziemlich munter, und war sehr erfreut über die 3 Büchlein<lb/>Von unsres würdigen Spald<hi rend="slant:italic">ings</hi> neuester Schrift haben Sie mir den allerersten Wink gegeben, hätte ich vorher irgend etwas davon gewußt, so würde ich Sie gebeten haben, es mir mit den lezten Büchern mitzuschicken – nun aber da mir die B<hi rend="slant:italic">enike</hi> gesagt, daß Sie im May herkomen würden, darf ich vielleicht hoffen, daß Sie mir diese Schrift u<hi rend="slant:italic">nd</hi> vielleicht noch ein paar Kleinigkeiten mitbringen; denn ich denke, daß wir hier doch wohl sicher rechnen können daß <hi rend="weight:bold">dieser</hi> gute Vorsatz auch gewiß werde erfüllt werden<lb/>M<hi rend="slant:italic">ademoise</hi>lle Hahn hat den<hi rend="slant:italic">n </hi>die Wißbegierde d<hi rend="slant:italic">er</hi> hiesigen Neugierigen (ob das gerade nur das weib<hi rend="slant:italic">liche </hi>Geschlecht betreffe, od<hi rend="slant:italic">er</hi> ob nicht dazu auch wohl mehrere Männer gehören dürften, wage ich nicht zu entscheiden,) treflich unterhalten, u<hi rend="slant:italic">nd</hi> – wie es scheint – ungemein befriediget. Auf dem hiesigen Clubb ist jetzt ein mächtiger Zwiespalt, der eine nahe Auflösung desselben muthmaßen läßt; ohne Zweifel wird Ihnen unsre liebe B<hi rend="slant:italic">enike</hi> umständlichere Nachricht davon gegeben haben<lb/>Unser armer Feldpr<hi rend="slant:italic">ediger</hi> ist seit 8 Tagen krank an einem schlimen Fieber, weshalb er auch einige Tage das Bette hat hüten müßen | doch werde ich Ihnen hoffentl<hi rend="slant:italic">ich</hi> noch vor dem Schluße dieses Br<hi rend="slant:italic">iefes</hi> von s<hi rend="slant:italic">einer</hi> völligen Beßerung Nachricht geben können Mein lieber College Kieter hat am vorigen Donnerstag s<hi rend="slant:italic">eine</hi> Hochzeit gehabt, u<hi rend="slant:italic">nd</hi> erwartete heute oder morgen s<hi rend="slant:italic">eine</hi> junge Frau; er hatte am Freytag müßen voran reisen weil er vorgestern Communion halten mußte, u<hi rend="slant:italic">nd</hi> hat nun wieder frisch weg für den Feldpr<hi rend="slant:italic">ediger </hi>zu taufen u<hi rend="slant:italic">nd</hi> zu trauen<lb/>So eben komt Mama mit Fr<hi rend="slant:italic">au</hi> D vom Topfmarkt, morgen sind wir den ganzen Tag bey B<hi rend="slant:italic">enike</hi>’s wo vermuthlich <hi rend="slant:italic">auch</hi> die lieben Grahlowschen seyn werden, auch wohl Fr<hi rend="slant:italic">au </hi>Werkm<hi rend="slant:italic">eister</hi> u<hi rend="slant:italic">nd</hi> Hollaz[.] Adieu für heut.<lb/>d<hi rend="slant:italic">en</hi> 9ten Das wird diesmal wohl e<hi rend="slant:italic">in</hi> ziemlich langer Br<hi rend="slant:italic">ief</hi> werden, denn eben habe ich diesen Vormittag, als unsere kleine Gesellsch<hi rend="slant:italic">aft</hi> schon hier war, Ihren lieben Br<hi rend="slant:italic">ief</hi> vom 6ten erhalten, wofür ich Ihnen eben so herzlich danke, als M<hi rend="slant:italic">ama</hi> für die überschikten niedlichen Verse, die auch heute schon ihre Wanderung z<hi rend="slant:italic">ur</hi> Fr<hi rend="slant:italic">au</hi> D. angetreten haben[.] Ja warlich recht sehr artig sollen Sie heißen, denn Sie haben uns<hi rend="slant:italic">ere</hi> Erwartung bey weitem übertroffen. Zwar M<hi rend="slant:italic">ama</hi> hatte einen sehr starken Glauben (u<hi rend="slant:italic">nd</hi> schikte zu dem Ende gleich nach 8 auf die Post, wir konten ab<hi rend="slant:italic">er</hi> keinen Bescheid erhalten, da d<hi rend="slant:italic">er</hi> Briefträger die Br<hi rend="slant:italic">iefe</hi> schon hatte) d<hi rend="slant:italic">er</hi> meinige hingegen war desto schwächer und ich besorgte in d<hi rend="slant:italic">er</hi> That, daß Sie die Entschuldigung – Sie hätten sich eben nicht aufgelegt gefunden – vielleicht geltend machen dürften[.] Noch mehr war ich erstaunt und erfreut, daß Sie meine Fragen – dem größten Theile nach – so ausführlich u<hi rend="slant:italic">nd</hi> umständlich beantw<hi rend="slant:italic">ortet </hi>auch mich wegen d<hi rend="slant:italic">er </hi>Xenien so schön au fait setzen: Denn ehe diese Sächelchen in der <hi rend="slant:italic">A</hi>llgemeinen <hi rend="slant:italic">L</hi>iteratur<hi rend="slant:italic"> Z</hi>eitung vorkommen, dürfte wohl noch mancher Monath vorübergehen und hier sind die Freunde d<hi rend="slant:italic">er</hi> Literatur, doch etwas selten, wie es mir bis jetzt wenigstens vorkommt. Mit H<hi rend="slant:italic">errn</hi> Pr<hi rend="slant:italic">ediger</hi> Bethe kann m<hi rend="slant:italic">an</hi> noch so am ersten darüb<hi rend="slant:italic">er</hi> schwatzen, u<hi rend="slant:italic">nd</hi> ich habe s<hi rend="slant:italic">eine </hi>Gesellsch<hi rend="slant:italic">aft</hi> gestern, wo wir bey B<hi rend="slant:italic">enike</hi>ʼs | recht sehr vergnügt waren, treflich benutzt[.] Ich habe auch d<hi rend="slant:italic">er </hi>B<hi rend="slant:italic">enike</hi> die lezten Gelegenh<hi rend="slant:italic">eits</hi>Reden von uns<hi rend="slant:italic">erem</hi> Sack schicken müßen, da ihr denn <hi rend="slant:italic">auch</hi> die Vermählungsrede vorzügl<hi rend="slant:italic">ich</hi> gefallen[.] Da wird nun dieser trefl<hi rend="slant:italic">iche</hi> Mann freilich auch wohl e<hi rend="slant:italic">in</hi> artig Geschenk erhalten, wenn ich ab<hi rend="slant:italic">er </hi>durch mein Wünschen etwas vermöchte, so wünschte ich wohl, daß die hohen Herrschaften – wo nicht baare <hi rend="slant:italic">Friedrichs</hi>dʼor – doch e<hi rend="slant:italic">in</hi> gut Stück Silber opfern möchten; ab<hi rend="slant:italic">er</hi> so viel ich noch von den vorigen Vermählungen erinnere, werden fast immer <hi rend="weight:bold">Dosen</hi> gegeben die denn freilich wohl lieblich anzuschauen, aber – und dann habe ich dabey noch so e<hi rend="slant:italic">ine</hi> kleine Bedenklichkeit, daß nach S<hi rend="slant:italic">acks</hi> Tode, von Herzen wünsche ich daß derselbe noch sehr fern seyn möge – diese schönen Sächelchen doch sehr wahrscheinlich – in alle Welt wandern werden<lb/>Die Xenien sind denn nun doch – abgesehen vom Witze – in d<hi rend="slant:italic">er</hi> That etwas zu bitter, mit unter auch grob, und die Achtung, die m<hi rend="slant:italic">an</hi> Männern, denen m<hi rend="slant:italic">an</hi> doch keinesw<hi rend="slant:italic">eges</hi> alles V<hi rend="slant:italic">er</hi>dienst absprechen kann, schuldig ist,<hi rend="slant:italic"> wi</hi>rd ganz aus den Augen gesetzt, auch laufen manche sehr schaale Wortspiele mit unter, wie gegen Wolf, wohin auch vielleicht das abgekürzte Nikel gehören dürfte, ab<hi rend="slant:italic">er</hi> freilich möchte Nicolai durch s<hi rend="slant:italic">eine</hi> dickleibige Antw<hi rend="slant:italic">ort</hi> auch wohl eben <hi rend="slant:italic">nicht</hi> am besten für s<hi rend="slant:italic">eine</hi> fama gesorgt haben<lb/>Von den Unruhen in Schlesien verhallet wohl nichts ins größere Publicum? Ich hatte die Nachricht schon vor 8 Tagen durch e<hi rend="slant:italic">inen</hi> Drossener, der mich besuchte, d<hi rend="slant:italic">er</hi> gab auch unter den bereits verhafteten e<hi rend="slant:italic">inen</hi> Kr<hi rend="slant:italic">iegs</hi>Rath u<hi rend="slant:italic">nd</hi> e<hi rend="slant:italic">inen</hi> Prediger an, die, wie er sagte, bereits d<hi rend="slant:italic">ur</hi>ch Crossen gebracht, auch H<hi rend="slant:italic">err</hi> Actuar<hi rend="slant:italic">iu</hi>s Scheele, den ich Tages darauf sprach, hatte davon gehört. Nun führt mich den Abend mein – guter od<hi rend="slant:italic">er</hi> böser – Genius auf den Clubb – ich frage B<hi rend="slant:italic">enike </hi>ob er etwas davon wüßte, u<hi rend="slant:italic">nd</hi> der bringt die Frage für die g<hi rend="slant:italic">an</hi>ze Versamlung, da denn S<hi rend="slant:italic">eine</hi> Wohlweish<hi rend="slant:italic">eit</hi> H<hi rend="slant:italic">err</hi> Henneberg<hi rend="slant:italic">er</hi> es in sehr beleidigenden Ausdrücken als e<hi rend="slant:italic">ine</hi> abgeschmakte Lüge, od<hi rend="slant:italic">er</hi> eine aufgewärmte alte Geschichte v<hi rend="slant:italic">er</hi>warf, da ja kein gescheuter Mensch in gegenw<hi rend="slant:italic">ärtigen</hi> Zeitläuften auf so etwas komen könnte[.] Ich sagte | nur darauf, daß also <hi rend="slant:italic">auch</hi> wohl alle, die für den sogenanten Ludw<hi rend="slant:italic">ig</hi> XVIII hätten in Paris etwas unternehmen wollen – seiner Meinung verrückt seyn müßten! Ich kann nun zwar nicht bergen, daß ich mich üb<hi rend="slant:italic">er</hi> jene Abgeordn<hi rend="slant:italic">eten</hi> so wie üb<hi rend="slant:italic">er</hi> Ludw<hi rend="slant:italic">ig</hi> XVIII gar sehr gewundert – daß ich ihnen allen ebenf<hi rend="slant:italic">alls</hi> nicht gar viel bon sens zutraue – u<hi rend="slant:italic">nd</hi> gleichwol haben sie sich, ohne eigentl<hi rend="slant:italic">ich</hi> verrückt zu seyn, in eine so äußerst misliche, halsbrechende Sache eingelaßen<lb/>Jezt ruft Mama u<hi rend="slant:italic">nd</hi> das schöne Wetter mich in den Garten, zuvor ab<hi rend="slant:italic">er</hi> muß ich Ihnen doch noch sagen, daß ihre lezte Dinte viel schwarzer ist, u<hi rend="slant:italic">nd</hi> meine Augen gar nicht so angreift; ihre vorherg<hi rend="slant:italic">ehenden </hi>Briefe müßen beynahe ¼ Jahr liegen, dann wird die Dinte auch schwarz, wie ich jezt bey d<hi rend="slant:italic">er</hi> Durchsicht der hier in Landsb<hi rend="slant:italic">erg</hi> von Ihnen erhaltenen Briefe bemerke <lb/>d<hi rend="slant:italic">en</hi> 15ten Da bin ich freilich wohl recht faul gewesen, daß ich so lange nicht an diesem Br<hi rend="slant:italic">ief </hi>geschrieben – allein einesth<hi rend="slant:italic">eils</hi> waren in d<hi rend="slant:italic">er</hi> Zeit so manche andre Briefe groß u<hi rend="slant:italic">nd</hi> klein zu schreiben, und dann lokte auch das Wetter manchmal u<hi rend="slant:italic">nd</hi> Abends ward auch e<hi rend="slant:italic">in</hi> paarmal auf die Ressource gegangen; und dann habe ich seit Sonntag mich durch e<hi rend="slant:italic">inen</hi> großen Stoß <hi rend="slant:italic">A</hi>llgemeine <hi rend="slant:italic">L</hi>iteratur <hi rend="slant:italic">Z</hi>eitung durcharbeiten müßen. Gewöhnlich erhalte ich e<hi rend="slant:italic">in</hi> doppeltes Pack – manchmal ab<hi rend="slant:italic">er</hi> 3fach auch wohl 4fach, und bei Bülch sollen sie sich nun schon seit länger als ¼ Jahr verlegt od<hi rend="slant:italic">er</hi> verloren haben, daher ich sie auch nun nicht weiter zu ihm schicken darf, sondern gerade zu Appel Und diesen Morgen – da ich nun so sicher darauf gerechnet, an diesem Br<hi rend="slant:italic">ief</hi> weiter zu schreiben, ward ich durch die Ber<hi rend="slant:italic">liner</hi> Zeitung abgehalten, da ich der Mama doch einige Ber<hi rend="slant:italic">linische </hi>Neuigkeiten die Taufe des jungen Pr<hi rend="slant:italic">inzen</hi> u. s. w. vorlesen mußte[.] Da ist mir denn wieder eine Anomalie in d<hi rend="slant:italic">er</hi> Hofetiquette vorgekomen, die mich <hi rend="slant:italic">nicht</hi> wenig, wie Wilm<hi rend="slant:italic">sen</hi> zu sagen pflegt, griesgrammet[.] Da haben S<hi rend="slant:italic">eine</hi> Maj<hi rend="slant:italic">estät</hi> der Kronpr<hi rend="slant:italic">inzessin</hi> wohl zu ihrem Geburtstage gratuliert; ab<hi rend="slant:italic">er</hi> von dem 7 oder 8 Tage vorher angefallenen Geburtstage der Schwester[,] der Wittwe des Pr<hi rend="slant:italic">inzen</hi> Ludw<hi rend="slant:italic">ig </hi>ist altum silentium. Ist das auch fein, daß – selbst fürst<hi rend="slant:italic">liche</hi> – Wittwen so wenig geachtet werden? |  <lb/>Holla! da komt eben ihr Br<hi rend="slant:italic">ief</hi> an – mit dem Angebinde, da ich eben von Geburtst<hi rend="slant:italic">agen</hi> schreibe[.] Nun das wird der guten B<hi rend="slant:italic">enike</hi> gewiß herrlich wohl thun. Matthisson, den sie sich immer so sehnlich gewünscht, nur neulich erst sagte sie zum Pred<hi rend="slant:italic">iger</hi> B<hi rend="slant:italic">ethe</hi> sie wolle sich nächstens diese Gedichte aus Berlin komen laßen[.] Auch d<hi rend="slant:italic">er</hi> Band gefällt hier sehr, ich ab<hi rend="slant:italic">er</hi> gestehe Ihnen gern, daß ich unter ihren Büchern einige gesehen habe, deren Band mir noch besser gefiel[.] Indeß hier wird er imer viel Beyfall finden[.] Wir haben uns vorgenomen morgen gleich nach Tische bey dem herr<hi rend="slant:italic">lichen</hi> Wetter e<hi rend="slant:italic">ine</hi> kl<hi rend="slant:italic">eine </hi>Promenade zu machen, erst ab<hi rend="slant:italic">er</hi> zu B<hi rend="slant:italic">enikes</hi> zu gehen, die wir dann hoffentlich, da er doch gemeiniglich spät vom Rathhause kommt noch bey Tische überfallen u<hi rend="slant:italic">nd</hi> so das Angebinde werden zu eignen Händen überreichen können. Heute ist sie mit d<hi rend="slant:italic">er </hi>Emil<hi rend="slant:italic">ie</hi> und Fr<hi rend="slant:italic">au</hi> Werkm<hi rend="slant:italic">eister</hi> u<hi rend="slant:italic">nd</hi> M<hi rend="slant:italic">ademois</hi>elle Sten<hi rend="slant:italic">igke</hi> nach Grahlow gefahren[.] Sollte sie nun etwa wieder e<hi rend="slant:italic">in</hi> wenig Husten, wie das wohl komen könnte, mitbringen, dann <hi rend="slant:italic">wi</hi>rd sie wieder aufs neue in ihrem Glauben an die Schwindsucht bestärkt werden <lb/>Ihr dritter Br<hi rend="slant:italic">ief </hi>enthält wieder mancherley für mich sehr interessante Nachrichten. Was das für Vetter u<hi rend="slant:italic">nd</hi> Cousinen im Sackschen Hause – weiß ich mir gar nicht zu erklären – Also wieder e<hi rend="slant:italic">ine</hi> Dose – von d<hi rend="slant:italic">er</hi> Pr<hi rend="slant:italic">inzessin</hi> Auguste – die freilich elegant genug seyn mag, aber – doch davon hatte ich ja schon vorher geschr<hi rend="slant:italic">ieben</hi><lb/>Meinen Wilms<hi rend="slant:italic">en</hi> könnte ich also vielleicht <hi rend="slant:italic">auch</hi> bald v<hi rend="slant:italic">er</hi>lieren[.] So geht eins nach dem andern[.] Er hat schon v<hi rend="slant:italic">er</hi>schiedentl<hi rend="slant:italic">ich</hi>; Anfälle von d<hi rend="slant:italic">er </hi>Pleuresie gehabt[.] Nun wundere ich mich auch nicht, daß er mir auf meinen letzten Br<hi rend="slant:italic">ief</hi> nicht geantw<hi rend="slant:italic">ortet</hi> hat. Für die Nachricht von d<hi rend="slant:italic">er </hi>Gr<hi rend="slant:italic">äfin</hi> Licht<hi rend="slant:italic">enau</hi> danke ich Ihnen recht sehr, ich hatte mich schon hier desw<hi rend="slant:italic">egen</hi> erkundigt u<hi rend="slant:italic">nd</hi> m<hi rend="slant:italic">an</hi> sagte mir, d<hi rend="slant:italic">er</hi> Titel rühre von den in diesem Kreise gelegenen der jungen Gräfin v<hi rend="slant:italic">on</hi> der Marck geschenkten ehemal<hi rend="slant:italic">igen</hi> von Brenckenhofschen Gütern her – ich konnte darin ab<hi rend="slant:italic">er </hi>den rechten Zusamenh<hi rend="slant:italic">ang</hi> <hi rend="slant:italic">nicht</hi> entdecken. Ab<hi rend="slant:italic">er</hi> nun noch e<hi rend="slant:italic">ine</hi> Frage: Wo ist der Lichtenausche Balkon? Mir deucht zw<hi rend="slant:italic">ar </hi>wohl schon ehedem gehört zu haben, daß d<hi rend="slant:italic">er</hi> König ihr noch als d<hi rend="slant:italic">er</hi> Riezin ein Palais geschenkt – ich weiß ab<hi rend="slant:italic">er</hi> doch nicht recht, wie oder wo. | Herzlich gefreut hat mich die Nachricht, daß uns<hi rend="slant:italic">er</hi> alter Gr<hi rend="slant:italic">af</hi> F<hi rend="slant:italic">inckenstein</hi> nächst dem Kr<hi rend="slant:italic">on</hi>pr<hi rend="slant:italic">inzen</hi> – d<hi rend="slant:italic">er </hi>einzige gewesen, d<hi rend="slant:italic">er</hi> es gewagt, die zugedachte Ehre abzulehnen – Und so freut es mich auch, daß uns<hi rend="slant:italic">er </hi>K<hi rend="slant:italic">irchen</hi>D<hi rend="slant:italic">irectorium</hi> gegen den schlechten Becker Ernst gezeigt. <lb/>Zu den Predigten, mit deren Uebers<hi rend="slant:italic">etzung</hi> Sie gegenwärtig beschäftigt sind, will ich mich im Voraus als Subscribent melden, – wenn ich nemlich Ostern 1798 noch lebe[.] Nun ab<hi rend="slant:italic">er</hi> da Sie mir abermals schreiben, daß Sie jetzt <hi rend="weight:bold">wirklich</hi> e<hi rend="slant:italic">in</hi> Bändchen philosoph<hi rend="slant:italic">ischer</hi> Abhandlungen unter Händen haben, werde ich nicht ermangeln, fleißig daran zu erinnern, daß Sie Wort halten. Da Sie neuerlich in so manchen Stücken – wider mein Erwarten – so pünktlich gewesen sind, so glaube ich nun schier, daß Sie – von dem sonst gewohnten Aufschieben g<hi rend="slant:italic">an</hi>z zurükgekomen sind, und daß Sie also auch – dies Vorhaben – aufs baldeste zur Wirklichkeit kommen laßen werden <lb/>d<hi rend="slant:italic">en</hi> 17ten Daß dieser Br<hi rend="slant:italic">ief</hi> nicht mit d<hi rend="slant:italic">er</hi> heutigen Post – wie ich mir vorgenomen hatte – fortgehen kann, ist – diesmal – nicht meine Schuld, so wie es auch meine Schuld nicht ist, daß unser Vorhaben nicht – so wie wir es uns vorgesezt, – hat ausgeführt werden können; sondern e<hi rend="slant:italic">ine</hi> neue Unpäßlichk<hi rend="slant:italic">eit</hi> d<hi rend="slant:italic">er</hi> Mama, die aber, wie ich hoffe, nicht anhaltend seyn wird. Als ich gestern die Catechisati<hi rend="slant:italic">on</hi> geendigt, während welcher Zeit sie sich mit uns<hi rend="slant:italic">erer</hi> kleinen Gesellscht<hi rend="slant:italic">aft</hi> hatte beschäftigen müßen, klagte sie üb<hi rend="slant:italic">er</hi> heftiges Kopfweh, welches <hi rend="slant:italic">mi</hi>t einem kl<hi rend="slant:italic">einen </hi>Flußfieber verbunden, es ihr unmöglich machte, aus d<hi rend="slant:italic">er</hi> Stube, geschweige <hi rend="slant:italic">aus</hi> dem Hause zu gehen[.] Also brachte ich um 12 Em<hi rend="slant:italic">ilien</hi> nach Hause u<hi rend="slant:italic">nd</hi> übergab Br<hi rend="slant:italic">ief</hi> u<hi rend="slant:italic">nd</hi> Buch <hi rend="slant:italic">we</hi>lches denn e<hi rend="slant:italic">ine</hi> recht große Freude verursachte, denn sie scheint besorgt zu haben, daß Sie diesmal an ihren Geburtstag nicht gedacht[.] Gegen Abend kam sie zu uns, um Mama zu besuchen, die ab<hi rend="slant:italic">er</hi> gerade in der Fieberhitze lag und ihrer Gewohnheit nach, wie <hi rend="weight:bold">Sie</hi> sich noch wohl von vorigen Zeiten erinnern werden – mancherley untereinand<hi rend="slant:italic">er</hi> schwazte größtenth<hi rend="slant:italic">eils</hi> französ<hi rend="slant:italic">isch</hi> welches ich dann der B<hi rend="slant:italic">enike</hi> verdeutschen mußte[.] Endlich wurden auch Sie unter dem Namen, den die alte, längst v<hi rend="slant:italic">er</hi>storbne Gerraux in Halle Ihnen gab Mo<hi rend="slant:italic">nsieur </hi>Cambray erwähnet | <lb/>Und so hatte die B<hi rend="slant:italic">enike</hi> die von uns nach dem Clubb ging, Mama gar <hi rend="slant:italic">nicht</hi> sprechen können, die erst e<hi rend="slant:italic">ine </hi>halbe Stunde nachher erwachte od<hi rend="slant:italic">er</hi> wieder zu sich kam. Heute befindet sie sich Gott sey Dank! doch e<hi rend="slant:italic">in</hi> gut Theil besser Gestern Nachm<hi rend="slant:italic">ittag </hi>als ich bey M<hi rend="slant:italic">adame</hi> Bethe sah ich die Herren Officiers nach d<hi rend="slant:italic">er</hi> Schule gehen wo sie das Lustsp<hi rend="slant:italic">iel </hi>von Kotzebue die Verleumder probirten, welches sie den 28ten aufführen wollen, wobey auch H<hi rend="slant:italic">err</hi> Abernethy, d<hi rend="slant:italic">er</hi> H<hi rend="slant:italic">err</hi> Kämmerer und <hi rend="slant:italic">Fr</hi>au [Teichinsp<hi rend="slant:italic">ector</hi> Runge], Rollen haben, wie ich heute von der Pr<hi rend="slant:italic">edigerin</hi> Kieter die ihren ersten Besuch machte, erfuhr <lb/>Gern möchte ich noch länger mit Ihnen plaudern, ab<hi rend="slant:italic">er</hi> meine Augen wollen es nicht zulaßen, auch schlägt es 11 Uhr, Also wünsche ich gute Nacht <lb/>d<hi rend="slant:italic">en</hi> 18ten Hier erfolgt denn d<hi rend="slant:italic">er</hi> versprochene Br<hi rend="slant:italic">ief</hi> an den Vetter Kammerdir<hi rend="slant:italic">ektor</hi>. Ob er nun ab<hi rend="slant:italic">er</hi> anjetzt in Berlin anzutreffen seyn wird, weiß ich nicht, denn er ist wie die Wandervögel – jedoch mit dem Unterschied, daß diese instinktmäßig ihre Zeit halten, unser H<hi rend="slant:italic">err</hi> Vetter aber durch seine Geschäfte bestimmt wird[.] Ich habe ihn doch auch mit den Klagen bekannt machen wollen, die H<hi rend="slant:italic">err</hi> Kr<hi rend="slant:italic">iege</hi> gegen mich erhebt, – daß in den Colonien d<hi rend="slant:italic">er</hi> Schulmeister nichts tauge id quod concedo – daß seine Wohnung nichts tauge, quod nego – daß ich unverantwortlich gehandelt, daß ich mir von den dortigen Colonisten nicht habe Jura stolae bezahlen laßen. Da H<hi rend="slant:italic">err</hi> Kuhlw<hi rend="slant:italic">ein</hi> wie es heißt zur Comödie auf den 28ten hier seyn wird; so habe ich vielleicht Gelegenheit von dem zu erfahren wie weit d<hi rend="slant:italic">er</hi> H<hi rend="slant:italic">err</hi> Kriege mit den vorgenomnen Verbeßerungen – in den Colonieen – wovon Sie, wo ich nicht sehr irre, mir auch beyläufig einmal schrieben, bereits gekomen ist. Wenn andre Nachrichten gegründet, wovor ich ab<hi rend="slant:italic">er</hi> gar <hi rend="slant:italic">nicht</hi> stehe – so soll bis jetzt H<hi rend="slant:italic">err</hi> Kuhlwein ein großer Gönner von H<hi rend="slant:italic">errn</hi> Kriege seyn | <lb/>Auch an Ihren lieben Bruder erfolgt ein klein Brieflein[.] Gern hätte ich <hi rend="slant:italic">auch</hi> an H<hi rend="slant:italic">errn</hi> Sack geschrieben, dies muß ich ab<hi rend="slant:italic">er</hi> z<hi rend="slant:italic">um</hi> nächstenmal verschieben <lb/>Mama ist heut wieder ganz munter u<hi rend="slant:italic">nd </hi>läßt nochmals sehr danken für die hübschen Verschen so wie ich auch nochmals für alle die mancherley schönen Sachen, die Sie mir geschrieben danke. Ich bin, wie Sie wissen <lb/>Ihr aufrichtig treuer Oheim																					St. <lb/>H<hi rend="slant:italic">errn</hi> V<hi rend="slant:italic">etter</hi> Reinh<hi rend="slant:italic">ard</hi> bitte vielmals zu grüßen, und alle die sich dort noch meiner erinnern </p></div></body></text></TEI>
