﻿<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="18663"><titleStmt><title>Novalis an Wilhelmine von Thümmel</title><editor><persName role="Herausgeber der Website"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin der Website"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Implementierung Backend/Frontend der Website"><forename>Sandra</forename><surname>Weyand</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="User Experience / Grafisches Design"><forename>Michael</forename><surname>Lambertz</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Projektübergreifende technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Thomas</forename><surname>Burch</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-mainz.de/">Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum - Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://www.briefe-der-romantik.de/team">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 4.0 DE)</licence><ab type="edition">Korrespondenzen der Frühromantik</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext ohne Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2025-09-15"/><idno type="url">https://briefe-der-romantik.de/letters/view/18663</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Novalis: Schriften. Tagebücher, Briefwechsel, Zeitgenössische Zeugnisse. Hg. v. Richard Samuel, Hans-Joachim Mähl und Gerhard Schulz. Bd. 4. Stuttgart u.a. 1975, S. 201‒202.</title></bibl><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Privatbesitz</institution></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://briefe-der-romantik.de/letters/view/18663"><correspAction type="sent"><persName key="7378" ref="https://d-nb.info/gnd/118588893 ">Novalis</persName><placeName key="241" ref="https://d-nb.info/gnd/4065247-6">Weißenfels</placeName><date when="1797-02-08">1797-02-08</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="25507" ref="https://d-nb.info/gnd/117358223">Wilhelmine von Thümmel</persName><placeName key="21541" ref="https://d-nb.info/gnd/4055548-3">Sondershausen</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-08ki-0.tif"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-08ki-1.tif"/></facsimile><text><body><div><p>W[eißenfels]. Den 8ten Febr[uar] 1797. [Mittwoch]<lb/>Aus einem Briefe der Danscour ersah ich, daß Sie sich meiner gnädigst errinnert hatten. Dis hat mich aufgemuntert mich selbst wieder bey Ihnen in Errinnerung zu bringen und diese Gelegenheit zu benutzen, um Ihnen meine zärtlichste Achtung zu bezeugen. Ich weis wohl, daß ich mit einer Entschuldigung des Vergangenen anfangen sollte – allein sollte meine peinliche Lage mich nicht längst bey Ihnen entschuldigt haben? Es war mir eine gute Portion Leichtsinn nöthig, um zeither nur noch so fertig werden zu können – um ruhig schlafen, arbeiten, denken, sprechen und gleich Andern seyn zu können. Rechnen Sie hierzu noch eine Menge andre Verdrießlichkeiten und Abhaltungen, so wird es Sie nicht mehr befremden, wenn ich, zufrieden das Nöthigste gethan zu haben – mich so tief, als möglich in die Fluth des menschlichen Wissens versenke, um, so lange ich in diesen heiligen Wellen bin, die Traumwelt des Schicksals zu vergessen. Dort blühn allein mir die Hoffnungen auf, die ich hier verliere – die hiesigen Rückschritte sind dortige Fortschritte – das verwundende Schwerdt wird dort zum beseelenden Zauberstabe und die Asche der irdischen Rosen ist das Mutterland der himmlischen. Ist nicht unser Abendstern der Morgenstern der Antipoden?<lb/>O! wenn noch Orakel vorhanden sind, so reden sie aus den Bäumen der Erkenntniß, so tönen sie in uns, so lesen wir sie im Sybillinischen Buche der Natur. Meine Fantasie wächst, wie meine Hoffnung sinkt – wenn diese ganz versunken ist und nichts zurückließ, als einen Grenzstein, so wird meine Fantasie hoch genug seyn, um mich hinauf zu heben, wo ich das finde, was hier verloren gieng. Frühzeitig hab ich meine precaire Existenz fühlen gelernt und vielleicht ist dieses Gefühl das erste Lebensgefühl in der Künftigen Welt.<lb/>Wie sehr wünscht ich einmal mit Ihnen einige Tage in Grüningen verleben zu können. Im März komm ich sicher hin und dann mach ich mir das Vergnügen und hole Sie ab. Die Erfüllung des Wunsches macht gewiß Ihr Glück, wie das Meinige; daß wir dann endlich aufhören mögen für Söffchens Tage zu zittern, daß ich nicht mehr, wie ein verzweifelter Spieler lebe, dessen ganzes Wol und Weh davon abhängt, ob ein Blütenblatt in diese oder jene Welt fällt.<lb/>Leben Sie wol,<lb/>Beste Diemmeln, und <lb/>bleiben Sie die Freundinn<lb/>Ihres<lb/>Freundes Hardenberg.</p></div></body></text></TEI>
