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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="18732"><titleStmt><title>Erasmus von Hardenberg an Novalis</title><editor><persName role="Herausgeber der Website"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin der Website"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Implementierung Backend/Frontend der Website"><forename>Sandra</forename><surname>Weyand</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="User Experience / Grafisches Design"><forename>Michael</forename><surname>Lambertz</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Projektübergreifende technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Thomas</forename><surname>Burch</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-mainz.de/">Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum - Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://www.briefe-der-romantik.de/team">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 4.0 DE)</licence><ab type="edition">Korrespondenzen der Frühromantik</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext ohne Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2025-09-15"/><idno type="url">https://briefe-der-romantik.de/letters/view/18732</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Novalis: Schriften. Tagebücher, Briefwechsel, Zeitgenössische Zeugnisse. Hg. v. Richard Samuel, Hans-Joachim Mähl und Gerhard Schulz. Bd. 4. Stuttgart u.a. 1975, S. 373‒374.</title></bibl><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Handschrift verschollen</institution></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://briefe-der-romantik.de/letters/view/18732"><correspAction type="sent"><persName key="25499" ref="https://d-nb.info/gnd/117453293">Erasmus von Hardenberg</persName><placeName key="8608" ref="https://d-nb.info/gnd/4240879-9">Wermsdorf</placeName><date when="1794-12-12">1794-12-12</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="7378" ref="https://d-nb.info/gnd/118588893 ">Novalis</persName><placeName key="10806">Tennstedt</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-08mf-0.tif"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-08mf-1.tif"/></facsimile><text><body><div><p>Wermsdorf, 12. Dezember 1794. [Freitag]<lb/>Zuerst, lieber Friz, tausend Dank für Deinen lieben herzlichen Brief, der mir außerordentlich viel Freude gemacht hat! Es scheint jetzt, als wenn der Genius der guten Laune mit Deinem <hi rend="slant:italic">ersten Briefe</hi> von mir gewichen sei; die ganze Woche flieht er mich, und nur den Donnerstag (denn das ist der Tag, wo ich Deine Briefe erhalte) kehrt er allemal zurück, um mir dann durch eine außerordentliche Freude den Verlust der ganzen Woche zu ersetzen!! –<lb/>Nachgerade, denk ich aber doch, soll mein Horizont wieder anfangen, sich aufzuhellen; denn, je mehr ich von Deinen Briefen sehe, desto klärer und deutlicher wird es mir, desto fester fang ich mich an, davon zu überzeugen, daß Dein Entschluß <hi rend="slant:italic">sicher</hi> und <hi rend="slant:italic">gewiß</hi> steht; und nur so lange konnte ich Deinetwegen in Sorgen sein, solange es mir zweifelhaft schien; nicht Dein <hi rend="slant:italic">Entschluß</hi>, nur seine <hi rend="slant:italic">Ungewißheit</hi> bekümmerte mich. <hi rend="slant:italic">Der Mensch</hi> – und <hi rend="slant:italic">vorzüglich der Mann, kann alles, was er nur will.</hi> – und deswegen ist mir für die Ausführung nicht bange!<lb/>Als Mann sollst Du handeln, blühender Jüngling! – Und nie den Handlungen einen weibischten Anstrich geben! – Mit festem Tritte sollst Du durchs Leben hindurch gehen! – – Sollst unverrückt zum Wohle des Ganzen würken! – – – Das ist jetzt Dein Grundsatz, und wohl Dir lieber Friz, wenn Du diesen nicht aus den Augen läßt! Er wird Dir die Liebe und das Vertrauen Deiner Bekannten und die Achtung aller Deiner Mitbürger sichern! – Wundre Dich nicht, lieber Friz, daß ich <hi rend="slant:italic">Deine Freunde</hi> hierbei nicht erwähne; <hi rend="slant:italic">Deine Freunde</hi> lieben <hi rend="slant:italic">Dich</hi>, nicht Deine <hi rend="slant:italic">Grundsätze!</hi> – – – Dein Brief, in welchem Du mich zu überzeugen suchst, daß <hi rend="slant:italic">Dein Weg, der Weg der Natur</hi> sei, hat mir außerordentlich gefallen, und wenn gleich die Ideen zerstreut und abgerissen waren, so schimmerte doch überall so viel Wahrheit und Natur durch, daß mir nur wenig Zweifel übrig geblieben sind, deren Befriedigung ich der Zeit überlasse! – – –<lb/>Die ganze Erzählung Deines Fortschreitens von der Wiege bis zu Deinen männlichem Jünglingsalter zauberte mir mit unbeschreiblicher Anmut die rosenfarbenen Bilder der Kindheit zurück; mit einem Blick übersah ich die Kette von Jahren, die <hi rend="slant:italic">das Sonst</hi> und <hi rend="slant:italic">Jetzt</hi> trennte, und freute mich der kindischen Träumereien, die schon damals ahndeten, was jetzt in Erfüllung geht. Besinnst Du Dich, als wir noch einander vor kurzen in Weißenfels sahen, wie ich da den Wunsch äußerte, daß doch einer von Euch bald heiraten möchte, wie hätte ich glauben können, daß mein Wunsch in so kurzer Zeit würde realisiert werden, denn 4 Jahre nenn ich in dieser Hinsicht immer noch eine<hi rend="slant:italic"> kurze Zeit!</hi> – – –<lb/>Daß du auf eine äußerlich große Rolle in der Welt keinen Anspruch machst, darin bin ich mit Dir sehr einerlei Meinung, und predige es Erdmannsdorf täglich, der darin großen Ehrgeiz besitzt.<lb/>In meinem nächsten Briefe Näheres über den <hi rend="slant:italic">teutschen Orden</hi> Du denkst Dir die Sache vielleicht nicht so ernsthaft, als wie sie mir ist; ich werde vielleicht schon jetzt die Einleitung dahin in Weißenfels machen, wohin ich am 20. gehe. Schreibe mir nicht, denn ich habe da immer eine dunkle Ahndung von <hi rend="slant:italic">Aufbrechen</hi> etc. aet[ate]. Länger als Neujahr will ich auf keinen Fall bleiben.<lb/>Erasmus.<lb/> </p></div></body></text></TEI>
