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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="19893"><titleStmt><title>Johann Gottlieb Fichte an Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling</title><editor><persName role="Herausgeber der Website"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin der Website"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname><affiliation>Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</affiliation></persName><persName role="Implementierung Backend/Frontend der Website"><forename>Sandra</forename><surname>Weyand</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="User Experience / Grafisches Design"><forename>Michael</forename><surname>Lambertz</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Projektübergreifende technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Thomas</forename><surname>Burch</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Verantwortlich für die Projektdurchführung am TCDH"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Trier Center for Digital Humanities / Universität Trier</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-mainz.de/">Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum - Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://www.briefe-der-romantik.de/team">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Laura</forename><surname>Fath</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 4.0 DE)</licence><ab type="edition">Korrespondenzen der Frühromantik</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext ohne Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2025-09-15"/><idno type="url">https://briefe-der-romantik.de/letters/view/19893</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Fichte, Johann Gottlieb: Gesamtausgabe der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Abteilung III, Bd. 4: Briefe 1799–1800. Hg. v. Hans Gliwitzky und Reinhard Lauth. Unter Mitwirkung v. Peter K. Schneider und Manfred Zahn. Stuttgart 1973, S. 116‒118.</title></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://briefe-der-romantik.de/letters/view/19893"><correspAction type="sent"><persName key="7180" ref="https://d-nb.info/gnd/118532847 ">Johann Gottlieb Fichte</persName><placeName key="15" ref="https://d-nb.info/gnd/2004272-3">Berlin</placeName><date when="1799-10-22">1799-10-22</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="7155" ref="https://d-nb.info/gnd/118607057">Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling</persName><placeName key="12" ref="https://d-nb.info/gnd/4028557-1">Jena</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-094i-0.tif"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-094i-1.tif"/><graphic n="3" decls="carrier1" url="https://briefe-der-romantik.de/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-094i-2.tif"/></facsimile><text><body><div><p>Berlin, d. 22. 8br. 99.<lb/>Ohnerachtet ich rechnen kann, daß das schlechte Benehmen der Herausgeber der A.L.Z. die aus offenbarer Animosität zwei stümperhafte Recensionen Ihrer Ideen pp aufgenommen, Sie eben sowohl indignire, als mich, so kann ich doch nicht umhin, das meinige zu thun, um Ihre Indignation noch zu schärfen.<lb/>Zu begreifen, daß das Geschwäz des ersten Mathematikers, der den besondern Sinn, mit welchem der transc. Idealismus aufgefaßt werden müsse, durch empirische Kenntnisse verderbt haben will, und des vorgeblich in der kritischen Philosophie bewanderten, der da fragt, <hi rend="slant:italic">ob denn das denkende Ich nicht auch ein Ding an sich sey,</hi> (in welcher kritischen Philosophie steht denn dies, in der Kantischen? in der unsrigen?) – zu begreifen, daß dies dumm sey, ist selbst Schütz nicht so dumm. Und doch rükt er so etwas ein; noch dazu <hi rend="slant:italic">zwei</hi> Recensionen, noch dazu mit der Versicherung unter dem Texte, was dies für Helden seyen!<lb/>Ich bitte, ich beschwöre Sie, lieber Freund, fallen Sie doch dem Unwesen, das nun <hi rend="slant:italic">gewiß weiter greifen würde</hi>, kräftigst in die auf gehobne Hand: geben Sie – nicht jenen armseeligen Wichten von Recensenten – sondern den Redactoren, und dem ganzen LumpenInstitute das, wofür sie erschraken, da ich nur drohte, u. was ich seitdem ihnen nur geborgt, nicht geschenkt habe; geben Sie doch nun einen kräftigen zweiten Theil, wie Sie können, von den Annalen des Philosophischen Tons in dem Phil. Journale. Ich habe jezt zu dergleichen Streitigkeiten nicht Zeit; seyn Sie aber meines kräftigen mit Dreinschlagens versichert, sobald ich die Hände ein wenig frei haben werde.<lb/>Ein Auftrag an Schlegel. <hi rend="slant:italic">Merkel,</hi> ein naseweiser, patziger, gemeiner Bursch, [/] der hier in Berlin sein Wesen nach Herzens Gelüsten treibt, sagt in allen Gesellschaften: <hi rend="slant:italic">die Schlegel hätten vom Herzog durch Loder einen Verweiß wegen der litterarischen Notizen, u. ein Verbot dergleichen hinführo zu unterlassen, erhalten; auch hätte </hi><hi rend="slant:italic;weight:bold">Göthe</hi><hi rend="slant:italic"> ein misbilligendes Circular derselben Notizen, bei den Weimarischen u. Jenaischen Gelehrten herumgesandt.</hi><lb/>Man soll mir doch ein<hi rend="slant:italic"> circumstantiirtes förmliches derbes Dementi dieser Nachrichten schiken</hi>, welches ich zu Merkels völliger Beschämung gehörigen Orts brauchen werde. – Denselben Merkel, der über Schlegels Lucinde ungewaschen geifert, u. lästert, habe ich lezthin in einer gelehrten Gesellschaft darüber ordentlich berichtet. <lb/>Leben Sie wohl, mein theurer Freund.<lb/>Der Ihrige Fichte.<lb/>Herrn Professor Schelling<lb/>zu<lb/>Frei. <lb/>Jena.</p></div></body></text></TEI>
