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August Wilhelm von Schlegel to Gottlieb Hufeland

[1] Leipzig freytags
Verzeihen Sie, daß ich Ihnen mit einer kleinen Besorgung beschwerlich falle. Ich schicke nach dem Auftrage meines Bruders zwey Exemplare von der Geschichte der Gr. Poesie nach Jena, die Fiedler mit nehmen wird. Das eine ist für Schütz bestimmt, das andre für Eschen. Dieses müßte an H. Lange geschickt werden, der Eschens Bücher und Sachen in Verwahrung hat. Ich kann aber Fiedlern das Haus nicht nennen, wo er wohnt: es ist dasselbe, worin Gries gewohnt hat und auch dasselbe Zimmer. Wollten Sie wohl Sorge tragen, daß das Buch richtig zu seiner Bestimmung gelangt?
Ich vergaß vor meiner Abreise Ihnen zu sagen, daß mir Becker aus Dresden ein Bändchen Erzählungen und dergl. unter dem Titel Darstellungen geschickt hat, und dabey sehr gebeten, sie möchten doch einem andern Beurtheiler zugetheilt werden, als dem Recensenten der Erhohlungen, der ihm freylich etwas schnöde begegnet hat. Ich habe ihm versprochen, entweder selbst eine kurze Anzeige zu machen, oder wenigstens über [2] seinen, wie mir däucht, billigen Wunsch mit Ihnen zu sprechen. Nun wünschte ich zu wissen, ob das Buch schon jemandem zugetheilt ist, oder ob Sie eine Anzeige von mir noch brauchen können.
Ich hatte Ihnen gesagt, ich wünschte von den Aufträgen Erscheinungen dieser letzten Messe gar keine Aufträge zu bekommen, und dabey bleibt es auch im Ganzen. Das einzige, was mich reizen könnte, eine Ausnahme zu machen, wären Ovids Metamorphosen von Voß, die ich hier sehr zierlich gedruckt vorfand. Ich glaube, es würde mir nicht eine angenehme, und nach dem Homer, eine leichte Arbeit seyn. Nach allem, was ich davon gelesen, scheint es mir bey weitem die gelungenste Arbeit von Voß zu seyn. Schütz hätte also nicht zu befürchten, was er mir einmal sagte, wie ich meinen Bruder zu den mythologischen Briefen vorschlug: Voß würde den Namen Schlegel perhorresciren, man könne ihm keinen Schlegel wieder zum Beurtheiler geben. Lassen Sie mich wissen, ob darüber schon fest diponirt ist. Wo nicht, so könnte ich die Anzeige, die, wie mir scheint, [3] nicht zu umständlich werden dürfte, leicht übernehmen und noch während des Sommers liefern
Unger sagte mir, der 3te Band vom Shaks. werde wahrscheinlich bey meiner Ankunft in Berlin schon fertig seyn. Ich hoffe ihn also Ihnen nächstens schicken zu können. Vielleicht erinnern Sie sich, daß ich Ihnen schon nach Erscheinung des 2ten Theils sagte, ich wünschte, Tieck möchte die Fortsetzung beurtheilen. Er ist durch sein tiefes und gelehrtes Studium Shʼs gewiß sehr in Stande dazu, und ich ob wir gleich in einem freundschaftlichen Verhältnisse stehen, so liebt er doch den großen Dichter so sehr, daß er unpartheyisch darüber urtheilen wird, in wie weit ich ihn erreicht habe oder nicht. Überdieß bin ich gewissermaßen sein Nebenbuhler, denn er hätte den Sh. selbst übersetzt, wenn ich ihm nicht zuvorgekommen wäre. – Ich weiß nicht, wie Sie mit ihm stehen, ob er schon Aufträge für die ALZ bekommen, und ob er schon etwas geliefert. Ist dieß letzte nicht, so müssen Sie ihn mit seinen eignen Arbeiten [4] (es ist von ihm ein vierter Band der Volksmährchen und ein angefangner Roman, Franz Sternbalds Wanderungen, erschienen) mit einer Krankheit und endlich mit der Heirath, die ihm im Kopfe gesteckt hat, entschuldigen. – Haben Sie die Güte mir einige Zeilen nach Berlin zu schreiben, ob Sie und Schütz es zufrieden sind, so übergebe ich ihm Tieck den 2ten u 3ten Band des Sh. und treibe ihn, sie baldigst zu besorgen.
Das 2te St. Athen. kann ich Ihnen hoffentlich auch bald schicken; es ist recht fatal, daß es nicht gleich hat mit auf die Messe kommen können.
Leben Sie recht wohl und grüßen Sie Ihre liebe Frau und Schwägerin von mir. Auch Schütz, Loders, und wer sich sonst meiner erinnert.
Ganz der Ihrige
AWSchlegel
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  • Schlegel, August Wilhelm von  Buch  senden  Schlegel, Friedrich von: Geschichte der Poesie der Griechen und Römer
  • Schlegel, August Wilhelm von  Buch  senden  Schütz, Christian Gottfried
  • Schlegel, August Wilhelm von  Buch  senden  Eschen, Friedrich August
  • Lange, Johann Georg  Buchsendung  vermitteln  Eschen, Friedrich August
  • Schlegel, August Wilhelm von  Buch  senden lassen  Fiedler, Friedrich Wilhelm
  • Schlegel, Friedrich von  Buchsendung  vermitteln lassen  Schlegel, Friedrich von: Geschichte der Poesie der Griechen und Römer
  • Becker, Wilhelm Gottlieb  Rezensionsexemplar  senden  Becker, Wilhelm Gottlieb: Darstellungen
  • Schlegel, August Wilhelm von  Rezensionswunsch  vermitteln  Allgemeine Literatur-Zeitung (bis 1803: Jena; ab 1803: Halle)
  • Becker, Wilhelm Gottlieb  Rezension  vermitteln lassen  Becker, Wilhelm Gottlieb: Darstellungen
  • Schlegel, August Wilhelm von  Rezension  erwägen  Becker, Wilhelm Gottlieb: Darstellungen
  • Schlegel, August Wilhelm von  Rezension  ankündigen  Becker, Wilhelm Gottlieb: Darstellungen
  • Schlegel, August Wilhelm von  Rezension  negativ bewerten  Erholungen
  • Schlegel, August Wilhelm von  Rezensionswunsch  Ovidius Naso, Publius: Verwandlungen [Ü: Johann Heinrich Voß]
  • Schlegel, August Wilhelm von  Konflikt  bekräftigen  Voß, Johann Heinrich
  • Schlegel, August Wilhelm von  Publikation  ankündigen  Shakespeare, William: Dramatische Werke. Dritter Theil [Ü: August Wilhelm von Schlegel]
  • Schlegel, August Wilhelm von  Rezension  erfragen  Hufeland, Gottlieb
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  • Schlegel, August Wilhelm von  grüßen  Schütz, Christian Gottfried
  • Schlegel, August Wilhelm von  grüßen  Hufeland, Konradine Luise Wilhelmine
  • Schlegel, August Wilhelm von  grüßen  Loder, Justus Christian von
  • Schlegel, August Wilhelm von  grüßen  Loder, Charlotte Luise Auguste
Metadata Concerning Header
  • Date: [April/Mai 1798]
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel ·
  • Recipient: Gottlieb Hufeland ·
  • Place of Dispatch: Leipzig · ·
  • Place of Destination: Jena · ·
Manuscript
  • Provider: Weimar, Klassik Stiftung Weimar, Goethe- und Schiller-Archiv
  • Classification Number: GSA 96/5285 (bzw. NZ 14/12)
Language
  • German
Editors
  • Bamberg, Claudia
  • Varwig, Olivia

Weitere Infos ·