Liebster Wackenroder,
Wie geht es Dir? Ich dachte schon einen Brief von Dir zu erhalten, aber meine Hoffnung war vergeblich, aber sie war auch zu vorlaut, da ich bis izt so saumseelig gewesen bin, Dir zu schreiben. Nimm es mir ja nicht übel, liebster W, die Schuld lag wirklich nicht ganz allein an mir. Ich weiß Du erlässest mir die Entschuldigung und glaubst mir auf mein Wort.
Auf diesen Brief erwarte’ ich aber eine Antwort, nicht wahr, l. W, Du schreibst mir auch gewiß? Schreibst Du in wenigen Tagen so addressire den Brief (das Couvert) nur an H. Fuhrmann in Wittenberg, u den eigentl. Brief an mich, abzugeben in Bülzig bei H. Schmol, schreibst Du aber später so addressirst Du den Brief geradezu nach Halle, abzugeben in der Clausstrasse, im Hause des Chirurgus, (Gregorius, ist Spillner noch in Berlin?) Kern.
Uebrigens lebe ich hier recht poetisch und bin doch nichts weniger als ein Poet, denn kannst Du’s mir wohl glauben, ich habe fast noch nicht mehr als den ersten Monolog zu meinem kleinen Stücke Philopömen geschrieben, wovon ich Dir schon ehmals sagte. Die Gegend hier ist vortrefflich, nur die ersten Tage waren häßlich, alles schon so schön, u noch Schnee u Eis, bist Du nicht auch am Morgen recht erschrocken, als Du aufstandest?
Die Jahreszeiten selbst verwirren sich,
Beschneite Fröste sinken in den Schoos
Der frischen Ros’, und auf des alten Winters
Eisgrauer Scheitel wird, als wie zum Spott,
Ein Kranz gesetzt von holden Sommerknospen.
Du wirst aus dieser kleinen Probe sehn, daß ich auch hier meinen Lieblings Dichter lese, der immermehr in meinen Augen gewinnt, jemehr ich ihn auswendig lerne. (Solltest / Du Dich dieser Stelle nicht mehr erinnern, sie steht im 1 Akt d. Sommernachttraums.) Vor dem einen Fenster steht ein Baum mit allen seinen Blüthen, vor dem and. mehrere Taubenschläge, im Garten hat sich eine Nachtigall eingefunden, die des Abends göttl. singt, oft liege ich im Garten unter einig. Schaafen die dort mit ihren Lämmern weiden, die guten Thiere haben sich schon so an mich gewöhnt, daß mein Anblick sie gar nicht mehr stört, sondern sie kommen oft auf mich zu. Ein Lamm ist besonders darunter, was beständig, wenn ich dort sitze, bei mir ist, und mit meinen Knöpfen, oder den Riemen an den Stiefeln spielt, ich bin einigemahl eingeschlafen und es hat mich wieder geweckt, indem es mein Gesicht u meine Hände leckte. Ich habe oft Lust gehabt Idyllen zu schreiben, hast Du denn noch nicht weiter an unser Schäferspiel, das Lamm gedacht? Wenn Du Dich noch einer Paramythie, die Leyer erinnerst, aus dieser habe ich mir vorgenommen eine kleine Schäferepopöe: Der erste Dichter, zu schreiben, doch gehört dieser Vorsatz in die Zahl derer Plane die vielleicht nie ausgeführt werden. – Du hast doch Rambach u Bernhardi fleissig besucht? Grüsse beide herzlich von mir, an Rambach habe ich schon geschrieben und ihm die Abschrift des 1sten Acts der Anna Boleyn geschickt, mit mehrern kleinen Abänderungen, wenn Du Zeit hast, so blättre es doch noch einmahl durch, u sage mir aufrichtig, ob die Aenderungen auch jederzeit Verbesserungen sind. Bernhardi sage, daß ich ihm nächstens gewiß schreiben würde, danke ihm in meinem Nahmen für seine Begleitung aus Berlin, u sage ihm bei Gelegenheit, er solle sich doch ja schonen, nicht zu viel sitzen, welches er jezt offenbar zu viel thut, geh doch zuweilen mit ihm aus, mein ganzes Ahndungsvermögen müßte mich trügen, wenn er nicht in 2 bis 3 Jahren stirbt, Du glaubst nicht, wie oft mich dieser Gedanke traurig gemacht hat, wenn ich des Abends bei ihm war: sage ihm aber davon nichts, ja nichts, denn er ist in diesem Punkt sehr ängstlich, so wenig er es auch sein will.
Lieber W, kannst Du mir auch die erzwungene Lustigkeit an d. lezten Abend, da wir zusammentrafen, verzeihen? Wie Du von mir gingst, wie mir da zu Muth war, das kann ich Dir gar nicht beschreiben, als würde ich plözlich in eine Wüste, in die finsterste Einsamkeit hinausgestossen. Auch der Abschied von meinen Eltern u Schwestern war mir traurig, auch von Rambach u Bernhardi. – Bin ich nicht darinn recht glükl.; man sagt sonst ein Freund zu haben, sei in dieser Welt schon viel, ich bin davon überzeugt, daß ich mehr als einen Freund habe: Du, Piesker, Schmol, Bernhardi, Rambach / u Toll, an den ich jezt recht oft denke, dessen Andenken hat mich schon oft recht traurig gemacht. – Ach, W, wie vermisse ich Dich! – Wenn ich oft an d. Stunden denke, in welchen wir zusammen vergnügt oder traurig waren, wenn ich an unsre Spatziergänge denke! Ich finde gewiß keinen Menschen wieder, der mich so ganz versteht, wie Du, d. jeden meiner Gedanken behorchen kann, d. d. Dollmetscher aller meiner Empfindungen ist, d. so fein, so zart fühlt, dessen Phantasie so ätherisch u geläutert wäre; W, mit Thränen denke ich schon jezt an Deinen Umgang zurück, wie wird es mir erst nach einem Vierteljahre ergehen, ja ich muß Dich auf Michaelis wiedersehn. – Glaube ja nicht, daß ich Dir schmeicheln will, Du kennst ja meinen Abscheu vor jede Art von Schmeichelei, u daß ich weit leichter jedem andern Menschen als meinem Freunde etwas Verbindliches sagen kann. – Da wir nicht mit einander sprechen können, so schreib mir doch ja bald, schreib mir recht weitläuftig, recht genau, schicke mir auch etwas von Deiner Arbeit wenn Du grade etwas hast, Du würdest mir dadurch eine außerordentliche Freude machen. – Schmol ist mein Freund, ein außerordentl. guter Mensch, dessen Herz ich schätze, den ich liebe – aber er hat mir schon oft Langeweile gemacht. Ihm fehlt aller Enthusiasmus für das grosse u schöne, alles jugendl. Feuer, alle Wärme d. Phantasie die Jünglingsseelen so fest aneinanderkittet, er ist in vielen Sachen so entsetzl. kleinl., kann fast durch nichts in Begeisterung gesezt werden, – ach! Dich werde ich nirgends wiederfinden! /
Ich bin 2mahl in Coswig gewesen, u habe mich das leztemahl mehrere Tage dort aufgehalten, u dies hat eben diesen Brief verzögert. Dort habe ich eine sehr angenehme Bekanntschaft gemacht, die Mutter des Dichters Matthisson, d. Dir u mir so gefallen hat, eine Frau gz wie d. Oberförsterinn in den Jägern, ganz wie die Brückner sie spielt (wenn Du diese gesehn hast.) Ich gratulirte ihr, daß sie die Mutter eines solchen Sohnes sei u wir wurden bald beide so bekannt, daß s. mir mit d. angenehmsten Geschwätzigkeit seine gze Jugendgeschichte erzählte, daß ihr oft d. Thränen in den Augen gestanden, denn s. hat ihn schon seit 8 Jahren nicht gesehn, er ist jezt wied. nach d. Schweitz gereißt, sie sagte, ich sollte mich ja in Acht nehmen, nicht so melancholisch wie er zu werden, denn es schiene ihr, daß ich in vielen Sachen Aehnlichkeit mit ihrem Sohne hätte. Wir sprachen über 4 Stunden mit einander. Sie ist jezt wieder nach Magdeburg gereißt, wenn ich einst dort hinkomen sollte, besuche ich sie gewiß. Ich kann nicht begreifen, wie dieser Vorfall mich in solche Begeisterung versetzen konnte, ich war außerordentl. erhizt u konnte d. gze Nacht nicht schlafen, Schmol war dabei so kalt, daß er indeß Zeitungsneuigkeiten auskramen konnte, das hat mich recht an ihm geärgert. Er schäzt überhaupt nur d. Nüzliche. Du weißt meine Gedanken darüber. Jean hat mir Matthissons Silhouette geschenckt, d. mir sehr werth ist. Ein d. schönsten Abende war für mich der am Sonnabend, wo ich bei Coswig in einem Bruche beim Mondschein spatzieren ging, wo sich eine Menge Nachtigallen aufhalten. – Nächstens will ich Dir mehr schreiben, besonders von einem Calezky, in d. ich Hensler ganz wiedergefunden habe. – Alles blüht um mich her, alles ist so schön, d. Lämmer schreien, d. Tauben gugeln, d. Lerchen u Nachtigallen singen, u doch bin ich so oft traurig! – Schmohl läßt Dich grüssen. – Bleibe mein Freund.
Tieck.
Bülzig den 1. May: 1792.
Sei doch so gut, u gieb den Zettul an meine Schwester ab.
Dürfte ich Dich wohl um eine Gefälligkeit ersuchen? Piesker ist noch nicht gekommen, wenn er noch nicht in Berlin gewesen ist, so schreibe ihm doch einige Zeilen u sage ihm, er möchte doch nun endl. nach Bülzig kommen, denn ich würde nun bald nach Halle reisen müssen. Schreib’ ihm doch recht weichherzig, daß er sein Versprechen so schlecht halte, daß ich oft am Fenster stehe u nach d. Gegend hinsehe, von wo er kommen müßte, daß ich immer aufspringe u an d. Fenster laufe, wenn ich d. Hunde bellen hörte, daß ich recht böse auf ihn sei, – kurz, schreib ihm was Du willst, wenn auch nur kurz.
Addressire den Brief: An. H. Piesker, d. R. B. in Fredersdorf, bei Vogelsdorff, abzugeben auf d. gräfl. Schlosse. – Nimm es nicht übel, hörst Du lieber W. ich habe keine Zeit mehr!
Wie geht es Dir? Ich dachte schon einen Brief von Dir zu erhalten, aber meine Hoffnung war vergeblich, aber sie war auch zu vorlaut, da ich bis izt so saumseelig gewesen bin, Dir zu schreiben. Nimm es mir ja nicht übel, liebster W, die Schuld lag wirklich nicht ganz allein an mir. Ich weiß Du erlässest mir die Entschuldigung und glaubst mir auf mein Wort.
Auf diesen Brief erwarte’ ich aber eine Antwort, nicht wahr, l. W, Du schreibst mir auch gewiß? Schreibst Du in wenigen Tagen so addressire den Brief (das Couvert) nur an H. Fuhrmann in Wittenberg, u den eigentl. Brief an mich, abzugeben in Bülzig bei H. Schmol, schreibst Du aber später so addressirst Du den Brief geradezu nach Halle, abzugeben in der Clausstrasse, im Hause des Chirurgus, (Gregorius, ist Spillner noch in Berlin?) Kern.
Uebrigens lebe ich hier recht poetisch und bin doch nichts weniger als ein Poet, denn kannst Du’s mir wohl glauben, ich habe fast noch nicht mehr als den ersten Monolog zu meinem kleinen Stücke Philopömen geschrieben, wovon ich Dir schon ehmals sagte. Die Gegend hier ist vortrefflich, nur die ersten Tage waren häßlich, alles schon so schön, u noch Schnee u Eis, bist Du nicht auch am Morgen recht erschrocken, als Du aufstandest?
Die Jahreszeiten selbst verwirren sich,
Beschneite Fröste sinken in den Schoos
Der frischen Ros’, und auf des alten Winters
Eisgrauer Scheitel wird, als wie zum Spott,
Ein Kranz gesetzt von holden Sommerknospen.
Du wirst aus dieser kleinen Probe sehn, daß ich auch hier meinen Lieblings Dichter lese, der immermehr in meinen Augen gewinnt, jemehr ich ihn auswendig lerne. (Solltest / Du Dich dieser Stelle nicht mehr erinnern, sie steht im 1 Akt d. Sommernachttraums.) Vor dem einen Fenster steht ein Baum mit allen seinen Blüthen, vor dem and. mehrere Taubenschläge, im Garten hat sich eine Nachtigall eingefunden, die des Abends göttl. singt, oft liege ich im Garten unter einig. Schaafen die dort mit ihren Lämmern weiden, die guten Thiere haben sich schon so an mich gewöhnt, daß mein Anblick sie gar nicht mehr stört, sondern sie kommen oft auf mich zu. Ein Lamm ist besonders darunter, was beständig, wenn ich dort sitze, bei mir ist, und mit meinen Knöpfen, oder den Riemen an den Stiefeln spielt, ich bin einigemahl eingeschlafen und es hat mich wieder geweckt, indem es mein Gesicht u meine Hände leckte. Ich habe oft Lust gehabt Idyllen zu schreiben, hast Du denn noch nicht weiter an unser Schäferspiel, das Lamm gedacht? Wenn Du Dich noch einer Paramythie, die Leyer erinnerst, aus dieser habe ich mir vorgenommen eine kleine Schäferepopöe: Der erste Dichter, zu schreiben, doch gehört dieser Vorsatz in die Zahl derer Plane die vielleicht nie ausgeführt werden. – Du hast doch Rambach u Bernhardi fleissig besucht? Grüsse beide herzlich von mir, an Rambach habe ich schon geschrieben und ihm die Abschrift des 1sten Acts der Anna Boleyn geschickt, mit mehrern kleinen Abänderungen, wenn Du Zeit hast, so blättre es doch noch einmahl durch, u sage mir aufrichtig, ob die Aenderungen auch jederzeit Verbesserungen sind. Bernhardi sage, daß ich ihm nächstens gewiß schreiben würde, danke ihm in meinem Nahmen für seine Begleitung aus Berlin, u sage ihm bei Gelegenheit, er solle sich doch ja schonen, nicht zu viel sitzen, welches er jezt offenbar zu viel thut, geh doch zuweilen mit ihm aus, mein ganzes Ahndungsvermögen müßte mich trügen, wenn er nicht in 2 bis 3 Jahren stirbt, Du glaubst nicht, wie oft mich dieser Gedanke traurig gemacht hat, wenn ich des Abends bei ihm war: sage ihm aber davon nichts, ja nichts, denn er ist in diesem Punkt sehr ängstlich, so wenig er es auch sein will.
Lieber W, kannst Du mir auch die erzwungene Lustigkeit an d. lezten Abend, da wir zusammentrafen, verzeihen? Wie Du von mir gingst, wie mir da zu Muth war, das kann ich Dir gar nicht beschreiben, als würde ich plözlich in eine Wüste, in die finsterste Einsamkeit hinausgestossen. Auch der Abschied von meinen Eltern u Schwestern war mir traurig, auch von Rambach u Bernhardi. – Bin ich nicht darinn recht glükl.; man sagt sonst ein Freund zu haben, sei in dieser Welt schon viel, ich bin davon überzeugt, daß ich mehr als einen Freund habe: Du, Piesker, Schmol, Bernhardi, Rambach / u Toll, an den ich jezt recht oft denke, dessen Andenken hat mich schon oft recht traurig gemacht. – Ach, W, wie vermisse ich Dich! – Wenn ich oft an d. Stunden denke, in welchen wir zusammen vergnügt oder traurig waren, wenn ich an unsre Spatziergänge denke! Ich finde gewiß keinen Menschen wieder, der mich so ganz versteht, wie Du, d. jeden meiner Gedanken behorchen kann, d. d. Dollmetscher aller meiner Empfindungen ist, d. so fein, so zart fühlt, dessen Phantasie so ätherisch u geläutert wäre; W, mit Thränen denke ich schon jezt an Deinen Umgang zurück, wie wird es mir erst nach einem Vierteljahre ergehen, ja ich muß Dich auf Michaelis wiedersehn. – Glaube ja nicht, daß ich Dir schmeicheln will, Du kennst ja meinen Abscheu vor jede Art von Schmeichelei, u daß ich weit leichter jedem andern Menschen als meinem Freunde etwas Verbindliches sagen kann. – Da wir nicht mit einander sprechen können, so schreib mir doch ja bald, schreib mir recht weitläuftig, recht genau, schicke mir auch etwas von Deiner Arbeit wenn Du grade etwas hast, Du würdest mir dadurch eine außerordentliche Freude machen. – Schmol ist mein Freund, ein außerordentl. guter Mensch, dessen Herz ich schätze, den ich liebe – aber er hat mir schon oft Langeweile gemacht. Ihm fehlt aller Enthusiasmus für das grosse u schöne, alles jugendl. Feuer, alle Wärme d. Phantasie die Jünglingsseelen so fest aneinanderkittet, er ist in vielen Sachen so entsetzl. kleinl., kann fast durch nichts in Begeisterung gesezt werden, – ach! Dich werde ich nirgends wiederfinden! /
Ich bin 2mahl in Coswig gewesen, u habe mich das leztemahl mehrere Tage dort aufgehalten, u dies hat eben diesen Brief verzögert. Dort habe ich eine sehr angenehme Bekanntschaft gemacht, die Mutter des Dichters Matthisson, d. Dir u mir so gefallen hat, eine Frau gz wie d. Oberförsterinn in den Jägern, ganz wie die Brückner sie spielt (wenn Du diese gesehn hast.) Ich gratulirte ihr, daß sie die Mutter eines solchen Sohnes sei u wir wurden bald beide so bekannt, daß s. mir mit d. angenehmsten Geschwätzigkeit seine gze Jugendgeschichte erzählte, daß ihr oft d. Thränen in den Augen gestanden, denn s. hat ihn schon seit 8 Jahren nicht gesehn, er ist jezt wied. nach d. Schweitz gereißt, sie sagte, ich sollte mich ja in Acht nehmen, nicht so melancholisch wie er zu werden, denn es schiene ihr, daß ich in vielen Sachen Aehnlichkeit mit ihrem Sohne hätte. Wir sprachen über 4 Stunden mit einander. Sie ist jezt wieder nach Magdeburg gereißt, wenn ich einst dort hinkomen sollte, besuche ich sie gewiß. Ich kann nicht begreifen, wie dieser Vorfall mich in solche Begeisterung versetzen konnte, ich war außerordentl. erhizt u konnte d. gze Nacht nicht schlafen, Schmol war dabei so kalt, daß er indeß Zeitungsneuigkeiten auskramen konnte, das hat mich recht an ihm geärgert. Er schäzt überhaupt nur d. Nüzliche. Du weißt meine Gedanken darüber. Jean hat mir Matthissons Silhouette geschenckt, d. mir sehr werth ist. Ein d. schönsten Abende war für mich der am Sonnabend, wo ich bei Coswig in einem Bruche beim Mondschein spatzieren ging, wo sich eine Menge Nachtigallen aufhalten. – Nächstens will ich Dir mehr schreiben, besonders von einem Calezky, in d. ich Hensler ganz wiedergefunden habe. – Alles blüht um mich her, alles ist so schön, d. Lämmer schreien, d. Tauben gugeln, d. Lerchen u Nachtigallen singen, u doch bin ich so oft traurig! – Schmohl läßt Dich grüssen. – Bleibe mein Freund.
Tieck.
Bülzig den 1. May: 1792.
Sei doch so gut, u gieb den Zettul an meine Schwester ab.
Dürfte ich Dich wohl um eine Gefälligkeit ersuchen? Piesker ist noch nicht gekommen, wenn er noch nicht in Berlin gewesen ist, so schreibe ihm doch einige Zeilen u sage ihm, er möchte doch nun endl. nach Bülzig kommen, denn ich würde nun bald nach Halle reisen müssen. Schreib’ ihm doch recht weichherzig, daß er sein Versprechen so schlecht halte, daß ich oft am Fenster stehe u nach d. Gegend hinsehe, von wo er kommen müßte, daß ich immer aufspringe u an d. Fenster laufe, wenn ich d. Hunde bellen hörte, daß ich recht böse auf ihn sei, – kurz, schreib ihm was Du willst, wenn auch nur kurz.
Addressire den Brief: An. H. Piesker, d. R. B. in Fredersdorf, bei Vogelsdorff, abzugeben auf d. gräfl. Schlosse. – Nimm es nicht übel, hörst Du lieber W. ich habe keine Zeit mehr!