Es hat mir mein theuerster Herr Hofprediger ungemein leid gethan, daß ich Sie nicht noch vor Ihrer Abreise nach den hyperboreischen Gegenden habe sehen können. Die Nacharbeit, die ich bei meiner Zurückkunft gefunden habe, hat mich verhindert früher Ihre gütige Zuschrift vom 19ten Juni zu beantworten, und Ihnen meine aufrichtigen Glückwünsche zu bezeugen. – Ich kann es mir denken, daß in Ansehung des Umgangs, wie Sie ihn brauchen und wünschen, Stolpe kein Ersatz für Berlin seyn könne – doch, das haben Sie ohne Zweifel voraus in Rechnung gebracht, und so wünsche ich nur, daß von dem Guten, welches Sie bei der Entfernung Sich vorgestellt haben, nicht zu viel abzudingen seyn möge. Das angenehme Bewußtsein Sich geschätzt und nützlich zu wißen, wird Ihnen gewiß nicht fehlen, und damit ist schon immer sehr viel für die Zufriedenheit eines braven Mannes gewonnen. – – Es hat wegen der Crügerschen Kinder schon ein Excitatorium nach Stolpe ergehen sollen; ich habe inzwischen das Kirchen Directorium von den Ursachen der Verzögerung unterrichtet. Was den jüngsten Sohn anbetrift: so ist meines Wißens gegenwärtig weder im Oranienburgischen noch im Kornmeßerschen Waisenhause ein Platz für ihn offen. Überdem ist, wo nicht | irre, nicht 7 sondern 8 Jahr, das vorschriftsmäßige Alter. Dieß hindert aber nicht, daß Sie oder die Vormünder nicht schon jetzt wegen seiner Aufnahme einkommen. Er wird wenigstens expectivirt werden. Ich war mit Herrn p Bergius kürzlich in Oranienburg – und da ist uns das Bedenken sehr lebhaft geworden: ob sich die älteste Tochter, die schon herangewachsen, auch für das Waisen Hauß schicken und sich darin nicht sehr unglücklich finden werde. Es ist uns der Gedanke in der That ängstlich, daß das arme Mädchen bei so ganz veränderter Erziehung und Lebensweise, sich zu tief herabgesetzt finden, und sich zu der Ordnung des Hauses, die keinen Vorzug verstattet, nicht gut werde bequemen können. Doch ist sie nun einmal angenommen, und ich will hoffen, daß ihre besondre Gemüthsart unsre uns zu spät gekommnen Bedenklichkeiten nicht zu sehr rechtfertigen werde. Ein wahres Unglück wäre es, wenn sie etwa bisher auf einem vornehmen Fuße erzogen, und vom Eitelkeits Dämon etwas geplagt würde. Der letzte würde ihr wohl ausgetrieben werden, aber es möchte nicht ohne Fasten und Beten abgehen.
Ohne Schaden und Verlust, welches ich sehr bedaure, wird es freilich im ersten Jahre für Sie nicht abgehen. Sie werden nun selbst beurtheilen, was Sie ohne Sich selbst zu viel Unrecht zu thun, aus Billigkeit der Witwe laßen; und auf welche Art Sie Sich mit ihr und ihrem Vormunde ver|gleichen können. Nach strengem Rechte können Sie allerdings völligen Ersatz des hier eingebüßten verlangen. – Ein sehr schwieriger Punkt ist die Entschädigung in Ansehung der Reise und Transport Kosten. Leider kann das Kirchen Ararium nichts thun; und mons pietatis hat nichts, dürfte aber überdem hiezu nichts in Rechnung bringen. Ich hoffe inzwischen daß der Herr Minister bei Vertheilung der Gratificationen aus dem Gnaden Fonds, etwas zu thun Sich geneigt finden werde. Er hat Sich wenigstens mit vieler Gewogenheit in Ansehung Ihrer erklärt.
Ich würde in Halle, ohngeachtet vieler und eben nicht immer sehr angenehmer Beschäftigung, doch froh gewesen seyn, wenn das schrecklich unfreundliche Wetter mich nicht die ganze [Rauhigkeit] unsers Klima hätte empfinden laßen. Meine beiden Töchter habe ich auf 1 Tag nach Leipzig reisen laßen, und zuletzt bin ich mit ihnen 3 Tage in Magdeburg gewesen. Jetzt bereiten sich die drei zurück gebliebenen einige Wochen nebst der Kottwitz in Drehnow bei der Finkensteinischen Familie zuzubringen. Mein ganzes Hauß empfielt sich Ihnen bestens, und alle sind voll guter Wünsche für Ihr Wohlergehen. Mettger ist seit 4 Tagen hier und | wird nun wohl nächstens eingeführt werden.
Zwischen Stolpe und Schlawe wohnt ein Herr von Bilfinger zu Pustamin (wo nicht irre). Sollten Sie Veranlaßung haben, zu ihm zu kommen: so bitte mein Andenken bei ihm bestens zu erneuen, und ihn zu fragen: ob er auf seine Briefe an den Gouverneur von Ostindien, die er auf meine Bitte vor einigen Jahren geschrieben hat, keine Antwort erhalten habe?
Leben Sie recht wohl, und seyn meiner aufrichtigen Hochachtung und Ergebenheit versichert
Sack
d. 3t. Jul. 1802.
Ohne Schaden und Verlust, welches ich sehr bedaure, wird es freilich im ersten Jahre für Sie nicht abgehen. Sie werden nun selbst beurtheilen, was Sie ohne Sich selbst zu viel Unrecht zu thun, aus Billigkeit der Witwe laßen; und auf welche Art Sie Sich mit ihr und ihrem Vormunde ver|gleichen können. Nach strengem Rechte können Sie allerdings völligen Ersatz des hier eingebüßten verlangen. – Ein sehr schwieriger Punkt ist die Entschädigung in Ansehung der Reise und Transport Kosten. Leider kann das Kirchen Ararium nichts thun; und mons pietatis hat nichts, dürfte aber überdem hiezu nichts in Rechnung bringen. Ich hoffe inzwischen daß der Herr Minister bei Vertheilung der Gratificationen aus dem Gnaden Fonds, etwas zu thun Sich geneigt finden werde. Er hat Sich wenigstens mit vieler Gewogenheit in Ansehung Ihrer erklärt.
Ich würde in Halle, ohngeachtet vieler und eben nicht immer sehr angenehmer Beschäftigung, doch froh gewesen seyn, wenn das schrecklich unfreundliche Wetter mich nicht die ganze [Rauhigkeit] unsers Klima hätte empfinden laßen. Meine beiden Töchter habe ich auf 1 Tag nach Leipzig reisen laßen, und zuletzt bin ich mit ihnen 3 Tage in Magdeburg gewesen. Jetzt bereiten sich die drei zurück gebliebenen einige Wochen nebst der Kottwitz in Drehnow bei der Finkensteinischen Familie zuzubringen. Mein ganzes Hauß empfielt sich Ihnen bestens, und alle sind voll guter Wünsche für Ihr Wohlergehen. Mettger ist seit 4 Tagen hier und | wird nun wohl nächstens eingeführt werden.
Zwischen Stolpe und Schlawe wohnt ein Herr von Bilfinger zu Pustamin (wo nicht irre). Sollten Sie Veranlaßung haben, zu ihm zu kommen: so bitte mein Andenken bei ihm bestens zu erneuen, und ihn zu fragen: ob er auf seine Briefe an den Gouverneur von Ostindien, die er auf meine Bitte vor einigen Jahren geschrieben hat, keine Antwort erhalten habe?
Leben Sie recht wohl, und seyn meiner aufrichtigen Hochachtung und Ergebenheit versichert
Sack
d. 3t. Jul. 1802.