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Friedrich Schleiermacher to Friedrich Wilhelm III., König von Preußen TEI-Logo

Allerdurchlauchtigster Großmächtigster
Allergnädigster König und Herr.
Ewr. Königlichen Majestät Allerhöchstem Befehl vom 16ten Junius, eingegangen den 28ten zum Bericht erstatten wegen Bereisung der reformirten Gemeine zu Tuchel würden wir schon eher allerunterthänigst genügt haben, wenn nicht bei Ankunft desselben der Hofprediger Schleiermacher im Begrif gewesen wäre die Reise nach Marienfelde anzutreten, und wir um so mehr geglaubt hätten die Rückkunft desselben abwarten zu müssen, als dort die bestimmtesten Nachrichten wegen dieser Angelegenheit eingezogen werden konnten.
Was nun
Erstlich Die etwanigen Schwierigkeiten hiesigerseits betrift: so würde dieses hinzukommende Geschäft auf die hiesigen Amtsverrichtungen keinen bedeutenden Einfluß haben, indem die desfalls etwa ausfallenden Katechisationen leicht eingebracht werden können.
Zweitens Die nöthigen Unterstüzungen anlangend: so würden Ewr. Königliche Majestät, wenn zuvor der Vorspannpaß des Hofpredigers auf diese neue Weise erweitert worden, es Allerhöchstselbst billig finden dem Prediger für die ihm bei diesem Geschäft zur Last fallenden Unkosten und Zeitverlust bei jeder Bereisung der Gemeine zu Tuchel 20 bis 25 Rthl. allergnädigst anweisen zu lassen welches nach Maaßgabe dessen, was er für die verhältnißmäßig mit weniger Unkosten verbundenen Bereisungen der Gemeinen zu Marienfelde und Rügenwalde erhält, nur eine nothdürftige Entschädigung sein würde.
Uebrigens aber halte ich der Hofprediger Schleiermacher es für meine Schuldigkeit Ewr. Königlichen Majestät allerunterthänigst zu bemerken zu geben
erstlich Daß die Anzahl der Reformierten zu Tuchel nach Aussage des Obersten von Rosenberg Gruszczynski welcher von den Confessionsverwandten der dortigen Gegend die genaueste Kenntnis hat sich dermaln nur auf 8–10 beläuft.
zweitens Daß diese Personen sich bisher immer nach Marienfelde, fünf Meilen von Tuchel, gehalten, wie denn noch weiter entfernte dorthin zu kommen pflegen.
drittens Daß wenn sich einmal die Anzahl der Reformierten in einer andern kleinen Westpreußischen Stadt eben so hoch beliefe, diese die nemlichen Ansprüche würden machen können, wodurch nur unnöthige Kosten verursacht, und die einmal fundirte und als ein Mittelpunkt sehr bequem gelegene Gemeine zu Marienfelde geschwächt werden würde.
Ewr Königlichen Majestät Allerhöchstem Ermessen das Weitere unterthänigst anheimstellend ersterben wir in ehrfurchtsvollster Treue
Ewr Königlichen Majestät allerunterthänigste,
Das evangelisch reformirte Presbyterium hierselbst
Schleiermacher. Hering. [unleserlicher Name]
Stolpe d. 7t Julius 1802.
Metadata Concerning Header
  • Date: Mittwoch, 7. Juli 1802
  • Sender: Friedrich Schleiermacher ·
  • Recipient: Friedrich Wilhelm III., König von Preußen ·
  • Place of Dispatch: Stolp · ·
  • Place of Destination: Berlin · ·
Printed Text
  • Bibliography: Schleiermacher, Friedrich Daniel Ernst: Kritische Gesamtausgabe. Abt. 5, Bd. 6. Briefwechsel 1802‒1803 (Briefe 1246‒1540). Hg. v. Andreas Arndt u. Wolfgang Virmond. Berlin u.a. 2005, S. 34‒35.

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