Potsdam d. 19t. Julius 1802
Wie sehr ich mich gefreuet, mein theurer Freund, Nachricht von Ihnen durch Sie selbst zu erhalten, das kann ich Ihnen nicht genug ausdrükken. Die Nachrichten aber von Ihrem dortigen Leben sind gerade wie ich es mir vorgestellt. Jezt hilft zwar alle Vorstellung, und alle Überlegung zu nichts; aber das muß ich doch wiederholen daß ich nicht begreiffe wie Sie sich zu dieser Stelle haben entschließen können. – Aber, wie Sie selbst sagen: Sie hätten Ihre Gründe gehabt, die ehre ich; und finde in der ganzen Sache einen neuen Beweis daß ein Schiksaal über uns waltet, was wir nicht entziehen können; aber auch, daß der vernünftige und religiöse Mann in jeder, für sein Gefühl noch so empörenden und unangenehmen Lage sich findet, und so das Wesen ehrt welches sein Schiksaal regiert. Dem ohngeachtet wünsche ich doch herzlich daß nach überstandener PrüffungsZeit sich ein anderer WürkungsKreis für Sie öffnen möge der Ihrem Herzen, und Geiste mehr zusagt und angemeßen ist. – Von der Wittwe sagen Sie ja gar nichts, und von Ihrem Verhältniß gegen ihr. Entweder ist gar Nichts, oder zu viel | von ihr zu sagen, und Sie schweigen in diesen Fällen lieber ganz. – Der Himmel führe Ihnen zu Ihrem Troste bald ein weibliches Wesen zu das für Sie ganz geschaffen, Ihren Weg durchs Leben mit Blumen bestreuet. Denn der fühlende Mann ist, und kann doch nicht anders als in solchem Verhältniß ganz glüklich sein; und so wie ich Sie kenne bedarf Ihr Herz eines Ersatzes dieser Art. – Daß wir Sie nicht noch einmal gesehen hat mir freilich sehr wehe gethan; aber nun wäre ja dieser Genuß auch vorüber; und einmal mußte es doch das lezte Mahl sein, und so weide ich mich an Ihrer Freundschaft wie an so manchen andern Dingen, an der Erinnerung. Und Gott sei Dank daß ich in meinem langen Leben so manches erfahren und genoßen was mich noch in der Erinnerung glüklich macht, und daß ich in einer Lage bin, die diese Erinnerungen nicht verwischen kann, und mir Muße genug zum Nachgenuß und NachErinnerung läßt. Sehen wir uns also in diesem Leben nicht wieder, wie dies sehr wahrscheinlich ist, so vergesse ich doch der Stunden mit Ihnen zugebracht nicht. Thun Sie ein gleiches, und denken noch zuweilen an ein altes Mütterchen dessen Herz nicht | altert und den Werth der Freundschaft bis an ihr Ende fühlen kann und wird! – Übrigens ist meine Lage noch wie Sie sie kennen; die Gewohnheit stumpft freilich die Schärffe des Stachels, aber er verlezt doch immer. Die geistige Schwäche meines Mannes nimmt zu; und von Seiner Seite bin ich gänzlich ohne Unterhaltung. Auch hier bietet mir die Erinerung ihre helfende Hand; und eine Gesellschaft, ein Buch wie Beide in Potsdam zu haben sind und ein einsamer Spaziergang müßen mich denn entschädigen so gut es gehen will. – Meine Gesundheit ist jezt erträglich, was aber der Winter mir bringen wird, ist noch hinter dem Vorhang und ich mag ihn nicht lüpffen. – Das, die Leute so gern überreden möchtende Fräulein als obs äußerst empfindsam wäre, grüßt Sie mit allen Äußerungen des Anstandes den doch ein hochadliches Herz gegen einen Bürgerlichen beobachten muß, angelegentlichst. – Nun, leben Sie wohl liebster Freund; verzeihen Sie dies Geschmier, und denken Sie dabei daß es ja von einer alten Matrone herrührt die Ihnen von ganzem Herzen ergeben ist.
A. Bamberger.
Wie sehr ich mich gefreuet, mein theurer Freund, Nachricht von Ihnen durch Sie selbst zu erhalten, das kann ich Ihnen nicht genug ausdrükken. Die Nachrichten aber von Ihrem dortigen Leben sind gerade wie ich es mir vorgestellt. Jezt hilft zwar alle Vorstellung, und alle Überlegung zu nichts; aber das muß ich doch wiederholen daß ich nicht begreiffe wie Sie sich zu dieser Stelle haben entschließen können. – Aber, wie Sie selbst sagen: Sie hätten Ihre Gründe gehabt, die ehre ich; und finde in der ganzen Sache einen neuen Beweis daß ein Schiksaal über uns waltet, was wir nicht entziehen können; aber auch, daß der vernünftige und religiöse Mann in jeder, für sein Gefühl noch so empörenden und unangenehmen Lage sich findet, und so das Wesen ehrt welches sein Schiksaal regiert. Dem ohngeachtet wünsche ich doch herzlich daß nach überstandener PrüffungsZeit sich ein anderer WürkungsKreis für Sie öffnen möge der Ihrem Herzen, und Geiste mehr zusagt und angemeßen ist. – Von der Wittwe sagen Sie ja gar nichts, und von Ihrem Verhältniß gegen ihr. Entweder ist gar Nichts, oder zu viel | von ihr zu sagen, und Sie schweigen in diesen Fällen lieber ganz. – Der Himmel führe Ihnen zu Ihrem Troste bald ein weibliches Wesen zu das für Sie ganz geschaffen, Ihren Weg durchs Leben mit Blumen bestreuet. Denn der fühlende Mann ist, und kann doch nicht anders als in solchem Verhältniß ganz glüklich sein; und so wie ich Sie kenne bedarf Ihr Herz eines Ersatzes dieser Art. – Daß wir Sie nicht noch einmal gesehen hat mir freilich sehr wehe gethan; aber nun wäre ja dieser Genuß auch vorüber; und einmal mußte es doch das lezte Mahl sein, und so weide ich mich an Ihrer Freundschaft wie an so manchen andern Dingen, an der Erinnerung. Und Gott sei Dank daß ich in meinem langen Leben so manches erfahren und genoßen was mich noch in der Erinnerung glüklich macht, und daß ich in einer Lage bin, die diese Erinnerungen nicht verwischen kann, und mir Muße genug zum Nachgenuß und NachErinnerung läßt. Sehen wir uns also in diesem Leben nicht wieder, wie dies sehr wahrscheinlich ist, so vergesse ich doch der Stunden mit Ihnen zugebracht nicht. Thun Sie ein gleiches, und denken noch zuweilen an ein altes Mütterchen dessen Herz nicht | altert und den Werth der Freundschaft bis an ihr Ende fühlen kann und wird! – Übrigens ist meine Lage noch wie Sie sie kennen; die Gewohnheit stumpft freilich die Schärffe des Stachels, aber er verlezt doch immer. Die geistige Schwäche meines Mannes nimmt zu; und von Seiner Seite bin ich gänzlich ohne Unterhaltung. Auch hier bietet mir die Erinerung ihre helfende Hand; und eine Gesellschaft, ein Buch wie Beide in Potsdam zu haben sind und ein einsamer Spaziergang müßen mich denn entschädigen so gut es gehen will. – Meine Gesundheit ist jezt erträglich, was aber der Winter mir bringen wird, ist noch hinter dem Vorhang und ich mag ihn nicht lüpffen. – Das, die Leute so gern überreden möchtende Fräulein als obs äußerst empfindsam wäre, grüßt Sie mit allen Äußerungen des Anstandes den doch ein hochadliches Herz gegen einen Bürgerlichen beobachten muß, angelegentlichst. – Nun, leben Sie wohl liebster Freund; verzeihen Sie dies Geschmier, und denken Sie dabei daß es ja von einer alten Matrone herrührt die Ihnen von ganzem Herzen ergeben ist.
A. Bamberger.