Den 29sten Juli 1802
Ich lese jezt täglich, wenn auch nur ein halbes Stündchen, irgend etwas Schönes! Besonders habe ich den Ofterdingen vor. Den müssen Sie doch auch haben, und sobald Reimer aus seinem Vaterlande zurück ist, soll er Ihnen ein Exemplar schicken. Dies geht nicht allein auf die Liebe und auf die Mystik – die kannte ich ja schon im Hardenberg, sondern auch auf die dem Ganzen zu Grunde liegende große Fülle des Wissens, auf die bei solchen Menschen so seltene Ehrfurcht vor dem Wissen und auf die unmittelbare Beziehung desselben auf das Höchste, auf die Anschauung der Welt und der Gottheit. Gewiß, Hardenberg wäre neben allem Anderen ein sehr großer Künstler geworden, wenn er uns länger gegönnt worden wäre. Das war aber freilich nicht zu verlangen; er war nicht sowohl durch sein Schicksal, als durch sein ganzes Wesen für diese Erde eine tragische Person, ein dem Tode Geweihter. Und selbst sein Schicksal scheint mir mit seinem | Wesen zusammenzuhangen. Ich glaube nicht, daß er seine Geliebte richtig gewählt oder vielmehr gefunden hatte, ich überzeuge mich fast, sie würde ihm zu wenig gewesen sein, wenn sie ihm geblieben wäre. Meinen Sie nicht auch, daß man dieses aus seiner Mathilde schließen kann? Scheint sie Ihnen nicht im Vergleich mit der Art, wie alles Andre ausgestattet ist, etwas zu dürftig für den Geist? und würde er nicht eine Andre haben schildern müssen, wenn ihm sein Gemüth mit dem Bilde einer reicheren Weiblichkeit wäre erfüllt gewesen? Damit tröste ich mich wenigstens für ihn. Doch läßt sich eigentlich nichts Bestimmtes darüber sagen, da leider das Ganze nicht vorhanden ist.
Ich lese jezt täglich, wenn auch nur ein halbes Stündchen, irgend etwas Schönes! Besonders habe ich den Ofterdingen vor. Den müssen Sie doch auch haben, und sobald Reimer aus seinem Vaterlande zurück ist, soll er Ihnen ein Exemplar schicken. Dies geht nicht allein auf die Liebe und auf die Mystik – die kannte ich ja schon im Hardenberg, sondern auch auf die dem Ganzen zu Grunde liegende große Fülle des Wissens, auf die bei solchen Menschen so seltene Ehrfurcht vor dem Wissen und auf die unmittelbare Beziehung desselben auf das Höchste, auf die Anschauung der Welt und der Gottheit. Gewiß, Hardenberg wäre neben allem Anderen ein sehr großer Künstler geworden, wenn er uns länger gegönnt worden wäre. Das war aber freilich nicht zu verlangen; er war nicht sowohl durch sein Schicksal, als durch sein ganzes Wesen für diese Erde eine tragische Person, ein dem Tode Geweihter. Und selbst sein Schicksal scheint mir mit seinem | Wesen zusammenzuhangen. Ich glaube nicht, daß er seine Geliebte richtig gewählt oder vielmehr gefunden hatte, ich überzeuge mich fast, sie würde ihm zu wenig gewesen sein, wenn sie ihm geblieben wäre. Meinen Sie nicht auch, daß man dieses aus seiner Mathilde schließen kann? Scheint sie Ihnen nicht im Vergleich mit der Art, wie alles Andre ausgestattet ist, etwas zu dürftig für den Geist? und würde er nicht eine Andre haben schildern müssen, wenn ihm sein Gemüth mit dem Bilde einer reicheren Weiblichkeit wäre erfüllt gewesen? Damit tröste ich mich wenigstens für ihn. Doch läßt sich eigentlich nichts Bestimmtes darüber sagen, da leider das Ganze nicht vorhanden ist.