Stolpe d 18t. August.
Es ist traurig lieber Freund, daß ich noch gar nicht dazu kommen kann, von Ihren gütigen Anerbietungen Gebrauch zu machen. Ich hatte diesmal selbst eine kleine Amtsreise vor die schon angesagt war, und die ich also nicht aufschieben konnte, erst vorgestern bin ich von dort zurük. Nach Königsberg werde ich übrigens für diesmal wol gar nicht reisen. Graf Wilhelm schreibt mir, auch die 3 Subjecte welche das Kirchen Collegium der Gemeine vorschlagen wolle seien schon bestimmt, und wenn ich die Satisfaction nicht einmal haben sollte von denen, welche als die Kenner anzusehen sind, unter die Berechtigten gezählt zu werden: so möchte mich die Reise sehr gereuen. Lieber will ich einmal zu gelegener Zeit aus freier Hand nach Königsberg reisen, und dort predigen wenn es nach gar keinem Anspruch aussieht. Wiewol es für den Zwek auch für die Zukunft wohl vergeblich sein möchte denn wenn es dem Kanzler nur einigermaßen Ernst wäre so hätte er mir einen Plaz unter diesen Dreien immer offen halten können
Was fehlt Ihrer kleinen Nichte? sie hat doch nicht einen Bruchschaden? Doch Sie würden viel ängstlicher sein wenn es irgend etwas bedeutenderes wäre. |
Von unser Freundin welche nun zurük ist haben Sie gewiß auch Nachricht. Brenna schreibt sie wäre in Hamburg noch stärker geworden. Dagegen sollte man doch wo möglich protestiren. Mit meiner Muße, lieber Graf steht es auch schlecht genug. Kleine Geschäfte, die noch dazu das Verdrießliche haben, daß sie gar nicht der Rede werth sind, ruiniren mir Zeit genug, und dann das fatale Reisen, wovon ich während der guten Jahreszeit nicht Sechs Wochen lang ganz frei bin. Zu dieser zähle ich den October nicht mehr, und ich hoffe Sie dann gewiß in Danzig zu sehen, wenn Sie mir auch nicht viel Zeit schenken können.
Meine besten Empfehlungen an Ihre Schwester und zu Hause.
Schleiermacher
Es ist traurig lieber Freund, daß ich noch gar nicht dazu kommen kann, von Ihren gütigen Anerbietungen Gebrauch zu machen. Ich hatte diesmal selbst eine kleine Amtsreise vor die schon angesagt war, und die ich also nicht aufschieben konnte, erst vorgestern bin ich von dort zurük. Nach Königsberg werde ich übrigens für diesmal wol gar nicht reisen. Graf Wilhelm schreibt mir, auch die 3 Subjecte welche das Kirchen Collegium der Gemeine vorschlagen wolle seien schon bestimmt, und wenn ich die Satisfaction nicht einmal haben sollte von denen, welche als die Kenner anzusehen sind, unter die Berechtigten gezählt zu werden: so möchte mich die Reise sehr gereuen. Lieber will ich einmal zu gelegener Zeit aus freier Hand nach Königsberg reisen, und dort predigen wenn es nach gar keinem Anspruch aussieht. Wiewol es für den Zwek auch für die Zukunft wohl vergeblich sein möchte denn wenn es dem Kanzler nur einigermaßen Ernst wäre so hätte er mir einen Plaz unter diesen Dreien immer offen halten können
Was fehlt Ihrer kleinen Nichte? sie hat doch nicht einen Bruchschaden? Doch Sie würden viel ängstlicher sein wenn es irgend etwas bedeutenderes wäre. |
Von unser Freundin welche nun zurük ist haben Sie gewiß auch Nachricht. Brenna schreibt sie wäre in Hamburg noch stärker geworden. Dagegen sollte man doch wo möglich protestiren. Mit meiner Muße, lieber Graf steht es auch schlecht genug. Kleine Geschäfte, die noch dazu das Verdrießliche haben, daß sie gar nicht der Rede werth sind, ruiniren mir Zeit genug, und dann das fatale Reisen, wovon ich während der guten Jahreszeit nicht Sechs Wochen lang ganz frei bin. Zu dieser zähle ich den October nicht mehr, und ich hoffe Sie dann gewiß in Danzig zu sehen, wenn Sie mir auch nicht viel Zeit schenken können.
Meine besten Empfehlungen an Ihre Schwester und zu Hause.
Schleiermacher