Single collated printed full text without registry labelling not including a registry

Friedrich Schleiermacher to Ludwig Friedrich Heindorf TEI-Logo

d. 20t. August
Ich bin wie Du siehst lieber gleich in einem Stük dabei geblieben um Dir das Verstehen zu schiken. Sage mir nun auch gleich über die äußre Form dieser Mittheilungen Deine Meinung, ob es Dir etwa bequemer wäre die Stephanischen Seiten zu citiren, oder jede Anmerkung zu numeriren oder die Conjecturen von den andern zu trennen: denn man muß sich Alles so bequem machen als möglich. Solltest Du auch einige historische Nachweisungen wünschen was für Philosopheme hie und da gemeint sind: so will ich Dir, was ich darüber weiß und conjecturire auf Deine erste Aufforderung mittheilen. Bequemer war es freilich, wenn ich von der Charite zu Dir gestiegen kam dies uns mündlich abzumachen.
Zweierlei hoffe ich, einmal daß Du nachdem Du die schlechte Hälfte des Sommers in Lichtenberg zugebracht, Du Dich jezt nicht in die Stadt einsperren wirst; dann daß nicht etwa dieses lichtenbergischen Aufenthalts wegen mein erster Brief an Dich verloren gegangen ist, sonst wüßte ich nicht warum es diesen beiden besser gehn sollte und das würde mir leid thun. Du wirst ja wohl im Gymnasio Anstalten deshalb getroffen haben. Nun aber mache auch daß ich bald etwas von Dir höre, sonst ist es zum Verzweifeln. Einige Emendationen im Diogenes Laertius habe ich auch seitdem gemacht: allein noch ist es nicht der Rede werth sie Dir zu schiken. – Gehe doch mit Spalding zu Rathe ob ich in der Uebersezung soll Sophist sagen, oder ob ich wagen darf Klügler zu brauchen, wovon wir das Verbum schon haben, und welches bewundernswürdig genau den Sophisten wiedergiebt? Wäre Sophist nicht schon so sehr recipirt, so würde ich gar kein Bedenken haben. Nun muß ich mit Ernst an die Kritik der Moral gehn, welche sich, wie es scheint, nicht ganz von selbst zusammenschreiben will, und der Plato wird ruhen, bis Du mich zu ihm zurük rufst. Aber denke Dir, ich habe mir das Herz gefaßt an Frommann zu schreiben, ob er auf den Fall, wenn Schlegel uns sizen läßt und also das gemeinschaftliche Unternehmen auseinander geht, es mit mir allein wagen will? Ist das nicht ein heroischer Entschluß? Dann lieber Freund wollen wir uns recht in die Hände arbeiten! Küße Dein liebes Weib von mir und Deine Kinder. Habe mich lieb und schreibe bald.
Schleiermacher
Metadata Concerning Header
  • Date: Freitag, 20. August 1802
  • Sender: Friedrich Schleiermacher ·
  • Recipient: Ludwig Friedrich Heindorf
  • Place of Dispatch: Stolp · ·
  • Place of Destination: Lichtenberg (Berlin) ·
Printed Text
  • Bibliography: Schleiermacher, Friedrich Daniel Ernst: Kritische Gesamtausgabe. Abt. 5, Bd. 6. Briefwechsel 1802‒1803 (Briefe 1246‒1540). Hg. v. Andreas Arndt u. Wolfgang Virmond. Berlin u.a. 2005, S. 89‒90.

Zur Benutzung · Zitieren