Gdfr d 25t August 1802
Bei jeder neu anzufangenden Epistel nehme ich mir vor beßer und leserlicher auch feiner zu schreiben und gemeiniglich wirds imer schlechter – beim zumachen der zerstreuten Blätter erschrak ich selbst über den gräßlichen Anblik und hätte am liebsten einige Seiten wieder abgeschrieben wenn beides mein Kopf und die Zeit es erlaubten[;] auch Leonore wird recht erstaunen über die abscheuliche Schrift die des besten Willens ohnbeschadet an manchen Seiten grob und abschrekend geworden ist – ach das gute liebe Weib – die mir weit schäzbaarer und lieblicher ist als Du es ahndest – schon öfters habe ich sie mir wiederbeherzigt ihre Briefe die mir beide gleich lieb sind – natürlich daß der 1te imer einen Vorzug behält, nicht des Styls oder einer andern Ursache wegen – sondern weil ich so einzig damit überrascht – und zum erstenmahle auf die Art gerührt wurde – daß mir der Eindruk noch oft neu ist – aus dem lezteren habe Dir auch etwas angezeigt welches Du wohl gefunden haben wirst. „Mir ist die Canzel verwaist seit er von uns ist und mit hörbarer Stime schallt es tief in mir als er sich wegwandte als er zum lezten mahle herab gieng – Wenn Du sie doch haben köntest die lezte Rede – in mir ist sie obgleich ich Dir kein Wort davon zu sagen vermöchte.“ Kann ich sie wohl bekomen hast Du sie aufgeschrieben? bitte laß mich doch bald diese Rede, oder von denen Vorträgen etwas lesen von denen Du hier zuweilen erwähntest – bitte bitte gestern sind meine Briefe an Leonoren – Jette und Dich abgegangen. |
den 28ten
An demselben Tage da ich voriges schrieb – hatte ich ein seltnes aber reines Vergnügen – ich war bei der respectable mit denen Kindern aus der kleinsten Stube – äußerst angenehm ist es mir diese kleinen Wesen so ganz ungezwungen lustig um die Comtesse herum zu sehen – die alte Gräfin Bethusi war auch, da, welche mit ihrer kleinen EnkelTochter derer Du Dich ja wohl erinnerst – uns viel Spaß machte – Clementine ist ohnlängst erst vom Keuchhusten ganz genesen welcher in unsrer Anstalt entsezlich gehaust hat – ach, es war ein rechter Jamer – die Unschuld sowohl als die heranwachsende Jugend, so leiden zu sehn! In unserer SchulTabelle werden wieder Neuerungen vorkomen – gegen Michaelis erscheinen 2 Schwestern eine an der Schlegeln Stelle – und eine andre Lehrerin – das wird wie man glaubt ein rechter Umsturz unter den Vorgesezten geben. Das schönste und theilnehmendste dabei wird la separation de la charmante et du Chien sein – alles das was mich dabei betreffen wird – solst Du erfahren so bald ich es selbst weis –
den 1ten September Noch etwas vom 22ten August – gegen Abend gieng ich auf den Glazhof – und fand Pito zum zweiten mahle nach jener Unterhaltung in einem äußerst pitoyablen Zustand – das litum wegen der Kinder die Er durchaus von Barby und Nisky zurük haben will – Heute war ich mit seiner Tochter und Niece hin zu Tische gebeten – Gott weiß es welche Bitte und Vorstellungen ich verschwendet – so aufrichtig und oft mich selbst vergeßend was hilft es aber nichts wenn es all ist möchte ich wieder anfangen. |
Man muß die beiden Söhne gesehen haben die so verschieden sind wie Vater und Mutter um es ganz zu verstehen, wie nothwendig es ist diesen Rükruf abzurathen – wo wäre der Man jezt zu finden der so viel autorität und Freundtschaftsgefühl in eins vereint besässe um beide Knaben zu bilden – alles übrige was zu einem Hofmeister gehört zu geschweigen – und dann der Hauptpunkt ist der unglükliche Einfluß welchen die dennoch imer wiederkehrende Traurigkeit auf den ältesten Charles machen würde – der jezt schon viel vom Vater hat – –
Pito hat mir in einigen Apostrophen folgendes an Dich aufgetragen „Daß er Dich imer schäzen wird – Daß er Dich näher wünscht“ und als ich ihm gestern (denke in Gegenwart seiner Frau es gieng aber nicht anders – auch aus den Monologen las ich ihm etwas von der Freundtschaft – immer unbefangen fort –) aus Leonorens Briefe vorlas und hinzu sezte daß die endliche Vereinigung wohl noch lange verschoben werden könte – erwiederte er mit einem ganz eignen Ton sie werden aber doch zusamen komen – und recht glüklich sein
den 2ten September gegen Abend. Eben kome ich wieder vom Glazhof aber nicht von Pito – nein mein Lieber – ich gieng um 4 nach geendigten AnstaltsSchulen – mit 3 großen Mädchens was ich ihnen längst versprochen hatte – um dort statt der gewöhnlichen Schule mit ihnen zu lesen – in Moriz Briefen über Italien – welches ich längst mir geborgt habe – und denen jungen Leuten nebst der alten Lotte gar sehr behagt. |
Wir waren sehr vergnügt lasen bis 6 uhr im ErlenGang und am Teiche – und machten denn einen angenehmen Spaziergang von welchem wir erst gegen halb 8 uhr zurükkehrten – recht froh und doch still genoß ich so den köstlichen Glazhof – mit der lieben mir so anhängenden Jugend! auch vorgestern genoß ich dort eines treflichen solos – und las in den Monologen – nur im Rükwege wolte ich Peistels beim Abendeßen überraschen wurde auf gestern hingebeten – es war 8 schon dunkel – und Pito geleitete mich zu Hause – da war es als er mir das erste an Dich auftrug – – und wieder die alte Idée recht auffaste mich künftig Jahr hinzunehmen – sie machte ihm viel Freude – und ich stelte mir wenn der Plan auch gelingen solte – manche Täuschung auf seiner Seite – und viel Aufopferungen von meiner Seite vor – sagte aber nur wenig – Gott was wird aus dem allen noch werden! ich antworte mir selbst mit jenen wichtigen Zeilen die 1ten die Du mir auf jenem unvergeßlichen Plaz aus Deinem Briefe vorlasest. – Siehe da ist das Blatt zu Ende – und ich solte Dir noch viel sagen – will aber durchaus dieses Blatt mit Willichs Briefe auf die Post geben – alles andre künftig – ach jene Zeilen für die Eichman möchte ich noch beifügen wenn es mein Kopf aushält – bitte schreibe bald an
Lotten.
Mann hat beliebt ohngeachtet meiner Aufzeichnung nach Deiner Vorschrift den 2ten Theil von jenen Schlegels zu schiken – aber auch Schillers Gedichte und das Mädchen von Marienburg.
Bei jeder neu anzufangenden Epistel nehme ich mir vor beßer und leserlicher auch feiner zu schreiben und gemeiniglich wirds imer schlechter – beim zumachen der zerstreuten Blätter erschrak ich selbst über den gräßlichen Anblik und hätte am liebsten einige Seiten wieder abgeschrieben wenn beides mein Kopf und die Zeit es erlaubten[;] auch Leonore wird recht erstaunen über die abscheuliche Schrift die des besten Willens ohnbeschadet an manchen Seiten grob und abschrekend geworden ist – ach das gute liebe Weib – die mir weit schäzbaarer und lieblicher ist als Du es ahndest – schon öfters habe ich sie mir wiederbeherzigt ihre Briefe die mir beide gleich lieb sind – natürlich daß der 1te imer einen Vorzug behält, nicht des Styls oder einer andern Ursache wegen – sondern weil ich so einzig damit überrascht – und zum erstenmahle auf die Art gerührt wurde – daß mir der Eindruk noch oft neu ist – aus dem lezteren habe Dir auch etwas angezeigt welches Du wohl gefunden haben wirst. „Mir ist die Canzel verwaist seit er von uns ist und mit hörbarer Stime schallt es tief in mir als er sich wegwandte als er zum lezten mahle herab gieng – Wenn Du sie doch haben köntest die lezte Rede – in mir ist sie obgleich ich Dir kein Wort davon zu sagen vermöchte.“ Kann ich sie wohl bekomen hast Du sie aufgeschrieben? bitte laß mich doch bald diese Rede, oder von denen Vorträgen etwas lesen von denen Du hier zuweilen erwähntest – bitte bitte gestern sind meine Briefe an Leonoren – Jette und Dich abgegangen. |
den 28ten
An demselben Tage da ich voriges schrieb – hatte ich ein seltnes aber reines Vergnügen – ich war bei der respectable mit denen Kindern aus der kleinsten Stube – äußerst angenehm ist es mir diese kleinen Wesen so ganz ungezwungen lustig um die Comtesse herum zu sehen – die alte Gräfin Bethusi war auch, da, welche mit ihrer kleinen EnkelTochter derer Du Dich ja wohl erinnerst – uns viel Spaß machte – Clementine ist ohnlängst erst vom Keuchhusten ganz genesen welcher in unsrer Anstalt entsezlich gehaust hat – ach, es war ein rechter Jamer – die Unschuld sowohl als die heranwachsende Jugend, so leiden zu sehn! In unserer SchulTabelle werden wieder Neuerungen vorkomen – gegen Michaelis erscheinen 2 Schwestern eine an der Schlegeln Stelle – und eine andre Lehrerin – das wird wie man glaubt ein rechter Umsturz unter den Vorgesezten geben. Das schönste und theilnehmendste dabei wird la separation de la charmante et du Chien sein – alles das was mich dabei betreffen wird – solst Du erfahren so bald ich es selbst weis –
den 1ten September Noch etwas vom 22ten August – gegen Abend gieng ich auf den Glazhof – und fand Pito zum zweiten mahle nach jener Unterhaltung in einem äußerst pitoyablen Zustand – das litum wegen der Kinder die Er durchaus von Barby und Nisky zurük haben will – Heute war ich mit seiner Tochter und Niece hin zu Tische gebeten – Gott weiß es welche Bitte und Vorstellungen ich verschwendet – so aufrichtig und oft mich selbst vergeßend was hilft es aber nichts wenn es all ist möchte ich wieder anfangen. |
Man muß die beiden Söhne gesehen haben die so verschieden sind wie Vater und Mutter um es ganz zu verstehen, wie nothwendig es ist diesen Rükruf abzurathen – wo wäre der Man jezt zu finden der so viel autorität und Freundtschaftsgefühl in eins vereint besässe um beide Knaben zu bilden – alles übrige was zu einem Hofmeister gehört zu geschweigen – und dann der Hauptpunkt ist der unglükliche Einfluß welchen die dennoch imer wiederkehrende Traurigkeit auf den ältesten Charles machen würde – der jezt schon viel vom Vater hat – –
Pito hat mir in einigen Apostrophen folgendes an Dich aufgetragen „Daß er Dich imer schäzen wird – Daß er Dich näher wünscht“ und als ich ihm gestern (denke in Gegenwart seiner Frau es gieng aber nicht anders – auch aus den Monologen las ich ihm etwas von der Freundtschaft – immer unbefangen fort –) aus Leonorens Briefe vorlas und hinzu sezte daß die endliche Vereinigung wohl noch lange verschoben werden könte – erwiederte er mit einem ganz eignen Ton sie werden aber doch zusamen komen – und recht glüklich sein
den 2ten September gegen Abend. Eben kome ich wieder vom Glazhof aber nicht von Pito – nein mein Lieber – ich gieng um 4 nach geendigten AnstaltsSchulen – mit 3 großen Mädchens was ich ihnen längst versprochen hatte – um dort statt der gewöhnlichen Schule mit ihnen zu lesen – in Moriz Briefen über Italien – welches ich längst mir geborgt habe – und denen jungen Leuten nebst der alten Lotte gar sehr behagt. |
Wir waren sehr vergnügt lasen bis 6 uhr im ErlenGang und am Teiche – und machten denn einen angenehmen Spaziergang von welchem wir erst gegen halb 8 uhr zurükkehrten – recht froh und doch still genoß ich so den köstlichen Glazhof – mit der lieben mir so anhängenden Jugend! auch vorgestern genoß ich dort eines treflichen solos – und las in den Monologen – nur im Rükwege wolte ich Peistels beim Abendeßen überraschen wurde auf gestern hingebeten – es war 8 schon dunkel – und Pito geleitete mich zu Hause – da war es als er mir das erste an Dich auftrug – – und wieder die alte Idée recht auffaste mich künftig Jahr hinzunehmen – sie machte ihm viel Freude – und ich stelte mir wenn der Plan auch gelingen solte – manche Täuschung auf seiner Seite – und viel Aufopferungen von meiner Seite vor – sagte aber nur wenig – Gott was wird aus dem allen noch werden! ich antworte mir selbst mit jenen wichtigen Zeilen die 1ten die Du mir auf jenem unvergeßlichen Plaz aus Deinem Briefe vorlasest. – Siehe da ist das Blatt zu Ende – und ich solte Dir noch viel sagen – will aber durchaus dieses Blatt mit Willichs Briefe auf die Post geben – alles andre künftig – ach jene Zeilen für die Eichman möchte ich noch beifügen wenn es mein Kopf aushält – bitte schreibe bald an
Lotten.
Mann hat beliebt ohngeachtet meiner Aufzeichnung nach Deiner Vorschrift den 2ten Theil von jenen Schlegels zu schiken – aber auch Schillers Gedichte und das Mädchen von Marienburg.