Sonnabend, den 28sten August.
Ich bin nun förmlich unten wohnhaft, und also doch einer dauernden und wünschenswürdigen Art zu existiren etwas näher, wiewohl doch auch alles nur provisorisch ist. Meine Bücher stehn an dem einzigen Ort in der Stube, an welchem noch ein kleiner Sekretair stehen könnte, dessen Bedürfniß ich je länger je mehr | fühle, und von dem, wie meine Phantasie mir sagt, die lieblichsten Sachen werden geschrieben werden, die noch von hier ausgehen sollen. Die Gardinen fehlen noch, weil ich noch keine Bretter bekommen kann, und das Ameublement sieht noch ziemlich mager aus. So bleibt auch in solchen Dingen das meinem Herzen so köstliche Gefühl der Unvollkommenheit und der Sehnsucht nach dem Vollkommneren. Doch will ich mich in dieselbe nicht vertiefen, sondern Ihnen lieber noch allerlei sagen, wobei Sie sich an Ihren lezten Brief erinnern müssen. Können Sie denn im Ernst glauben, daß ich Ihnen etwas übel nehmen könnte? Und zweifeln Sie, daß ich selbst im Schreiben daran gedacht habe, wie Sie mir schon gesagt und geschrieben haben, daß ich eigentlich immer (fast dürfen wir doch nicht auslassen zur Steuer der Wahrheit) Recht habe? So etwas thut mir zu wohl, als daß ich es jemals sollte vergessen können, und ich mußte ja wissen, in welchem Grade es auch hier seine Anwendung finden würde. [...]
Von Friedrich weiß ich unmittelbar noch gar nichts und auch mittelbar werden Sie durch Jette wahrscheinlich eher etwas von ihm erfahren als ich. Den ersten Nachrichten sehe ich, was unsre gemeinschaftlichen Arbeiten betrifft, mit großen Sorgen, was aber ihn selbst angeht, mit vieler Freude entgegen. Frankreich behage ihm, wie es wolle, so wird er doch nun – wenn ihn der Geldmangel nicht zu sehr drückt – einmal in voller Ruhe und im Gefühl des ungestörten Besizes leben, und sowohl die Nation, als die dort aufgehäuften Kunstschäze werden ihn von tausend Seiten afficiren. Gedanken die Fülle werden daraus hervorgehn, ob aber auch Werke und wie bald, das wird die Zeit lehren. An meine Werke glaube ich jezt je länger je mehr, und auch ich werde den Winter sehr still und sehr fleißig zubringen. Die Kritik der Moral soll geschrieben werden, und mein liebster Genuß werden die größten und schönsten Briefe sein an andre Freunde, besonders aber an Sie. Ich fühle es schon im voraus, und wenn ich diese Briefe in Gedanken vergleiche mit denen, die Sie von Potsdam | aus bekamen, als ich die Reden über die Religion schrieb, so macht das den schönsten Ueberblick aus über eine merkwürdige Periode des Lebens. –
Ich bin nun förmlich unten wohnhaft, und also doch einer dauernden und wünschenswürdigen Art zu existiren etwas näher, wiewohl doch auch alles nur provisorisch ist. Meine Bücher stehn an dem einzigen Ort in der Stube, an welchem noch ein kleiner Sekretair stehen könnte, dessen Bedürfniß ich je länger je mehr | fühle, und von dem, wie meine Phantasie mir sagt, die lieblichsten Sachen werden geschrieben werden, die noch von hier ausgehen sollen. Die Gardinen fehlen noch, weil ich noch keine Bretter bekommen kann, und das Ameublement sieht noch ziemlich mager aus. So bleibt auch in solchen Dingen das meinem Herzen so köstliche Gefühl der Unvollkommenheit und der Sehnsucht nach dem Vollkommneren. Doch will ich mich in dieselbe nicht vertiefen, sondern Ihnen lieber noch allerlei sagen, wobei Sie sich an Ihren lezten Brief erinnern müssen. Können Sie denn im Ernst glauben, daß ich Ihnen etwas übel nehmen könnte? Und zweifeln Sie, daß ich selbst im Schreiben daran gedacht habe, wie Sie mir schon gesagt und geschrieben haben, daß ich eigentlich immer (fast dürfen wir doch nicht auslassen zur Steuer der Wahrheit) Recht habe? So etwas thut mir zu wohl, als daß ich es jemals sollte vergessen können, und ich mußte ja wissen, in welchem Grade es auch hier seine Anwendung finden würde. [...]
Von Friedrich weiß ich unmittelbar noch gar nichts und auch mittelbar werden Sie durch Jette wahrscheinlich eher etwas von ihm erfahren als ich. Den ersten Nachrichten sehe ich, was unsre gemeinschaftlichen Arbeiten betrifft, mit großen Sorgen, was aber ihn selbst angeht, mit vieler Freude entgegen. Frankreich behage ihm, wie es wolle, so wird er doch nun – wenn ihn der Geldmangel nicht zu sehr drückt – einmal in voller Ruhe und im Gefühl des ungestörten Besizes leben, und sowohl die Nation, als die dort aufgehäuften Kunstschäze werden ihn von tausend Seiten afficiren. Gedanken die Fülle werden daraus hervorgehn, ob aber auch Werke und wie bald, das wird die Zeit lehren. An meine Werke glaube ich jezt je länger je mehr, und auch ich werde den Winter sehr still und sehr fleißig zubringen. Die Kritik der Moral soll geschrieben werden, und mein liebster Genuß werden die größten und schönsten Briefe sein an andre Freunde, besonders aber an Sie. Ich fühle es schon im voraus, und wenn ich diese Briefe in Gedanken vergleiche mit denen, die Sie von Potsdam | aus bekamen, als ich die Reden über die Religion schrieb, so macht das den schönsten Ueberblick aus über eine merkwürdige Periode des Lebens. –