St 31. VIII. 1802
Zunächst über gemeinsame Freunde und Bekannte: er erwähnt u. a. Henriette Herz, Schildener und Willich sowie [...] Eleonore Grunow [...].
[...] Meine Leonore [...] lebt jezt feierliche, wehmüthige Tage, die ihr nicht wiederkommen werden. Ihre Mutter ist bei ihr, kränklich, und wahrscheinlich dem Tode nahe [...] Ist das Schicksal der Mutter entschieden, auf welche Art es auch sei, dann wird Leonore auch die äußerliche Entscheidung des ihrigen herbeiführen, und dann werde ich Deine Freundschaft für sie in Anspruch nehmen. Die Liebe ist wol etwas selbstgenügsames und bedarf der Zustimmung der Freundschaft nicht unmittelbar aber die Freundschaft bedarf es, wenn sie ungestört sein soll, zuzustimmen zur Liebe wie zu Allem. Darum wird es mir die schönste Freude sein wenn alle meine Freunde meine Geliebte und unsere Liebe lieben, wie es immer mein Ziel gewesen ist daß auch alle meine Freunde sich untereinander lieben möchten [...]
Im folgenden über die Arbeit an den „Grundlinien einer Kritik der bisherigen Sittenlehre“, deren Fertigstellung er zum Jahresende verspricht. Er bittet um einige Bücher – darunter Tennemanns Geschichte der Philosophie – die er zu diesem Zweck benötige, wiewohl ich nicht glaube daß viel daran sein wird [...]
[...] Laß mir doch dieses Alles in marmornen halb Franzband binden mit gelbem Schnitt und Titel; dies ist meine gemeine philosophische Uniform [...] Ist etwa Fichte’s neue Darstellung wirklich erschienen, so lege sie mir doch bei. Auch möchte ich wohl wissen ob Heindorfs Platonis Dialogi quatuor [...] erschienen sind: denn Heindorf schreibt mir gar nicht, welches ich nicht begreifen kann [...]
Weißt Du etwas von Friedrich Schlegel? Ich habe noch kein Wort gehört von ihm seit wir uns gesehen, weiß auch nicht, ob noch etwas aus dem Platon werden wird und harre deshalb auf Nachrichten von Frommann [...]
Für Leonore möge Reimer Goethes Sämtliche Werke, sowohl die Goeschenschen als die Ungerschen und auch den Ofterdingen bereithalten, bis sie ihre einsame interimistische Wohnung bezogen haben wird. Es soll meine erste Gabe an sie sein [...]
Adieu lieber Freund. Grüße mir Dein Weib recht herzlich und behaltet mich lieb.
Schleiermacher
Zunächst über gemeinsame Freunde und Bekannte: er erwähnt u. a. Henriette Herz, Schildener und Willich sowie [...] Eleonore Grunow [...].
[...] Meine Leonore [...] lebt jezt feierliche, wehmüthige Tage, die ihr nicht wiederkommen werden. Ihre Mutter ist bei ihr, kränklich, und wahrscheinlich dem Tode nahe [...] Ist das Schicksal der Mutter entschieden, auf welche Art es auch sei, dann wird Leonore auch die äußerliche Entscheidung des ihrigen herbeiführen, und dann werde ich Deine Freundschaft für sie in Anspruch nehmen. Die Liebe ist wol etwas selbstgenügsames und bedarf der Zustimmung der Freundschaft nicht unmittelbar aber die Freundschaft bedarf es, wenn sie ungestört sein soll, zuzustimmen zur Liebe wie zu Allem. Darum wird es mir die schönste Freude sein wenn alle meine Freunde meine Geliebte und unsere Liebe lieben, wie es immer mein Ziel gewesen ist daß auch alle meine Freunde sich untereinander lieben möchten [...]
Im folgenden über die Arbeit an den „Grundlinien einer Kritik der bisherigen Sittenlehre“, deren Fertigstellung er zum Jahresende verspricht. Er bittet um einige Bücher – darunter Tennemanns Geschichte der Philosophie – die er zu diesem Zweck benötige, wiewohl ich nicht glaube daß viel daran sein wird [...]
[...] Laß mir doch dieses Alles in marmornen halb Franzband binden mit gelbem Schnitt und Titel; dies ist meine gemeine philosophische Uniform [...] Ist etwa Fichte’s neue Darstellung wirklich erschienen, so lege sie mir doch bei. Auch möchte ich wohl wissen ob Heindorfs Platonis Dialogi quatuor [...] erschienen sind: denn Heindorf schreibt mir gar nicht, welches ich nicht begreifen kann [...]
Weißt Du etwas von Friedrich Schlegel? Ich habe noch kein Wort gehört von ihm seit wir uns gesehen, weiß auch nicht, ob noch etwas aus dem Platon werden wird und harre deshalb auf Nachrichten von Frommann [...]
Für Leonore möge Reimer Goethes Sämtliche Werke, sowohl die Goeschenschen als die Ungerschen und auch den Ofterdingen bereithalten, bis sie ihre einsame interimistische Wohnung bezogen haben wird. Es soll meine erste Gabe an sie sein [...]
Adieu lieber Freund. Grüße mir Dein Weib recht herzlich und behaltet mich lieb.
Schleiermacher