Danzig d. 9 Octbr. 1802. Sonnabend.
Heute erst ist Dein Brief vom 6ten mir in die Hände gekommen, und um Dir einen Beweiß zu geben daß ich nicht faul bin, wenn ich es nicht seyn muß, so antworte ich auf der Stelle ungeachtet mein Brief erst den 12 abgehen kann. Ich will Deinen Brief Wort für Wort beantworten.
Warum ich nicht geschrieben? – Weil ich nicht mit leeren Händen vor Dir erscheinen wollte. Kein Aristoteles, kein Simplicius ist bis jetzt hier aufzutreiben gewesen, und Freund Morgenstern der vor 8 Tagen von hier nach Dorpat abgegangen und mit dem ich dieserhalb sprach gab mir wenig Trost, daß ich dergleichen hier je auftreiben könnte. Griechische Litteratur ist in Danzig nie einheimisch gewesen. Ich gebe indeß noch nicht alle Hofnung auf, denn der berühmte Historicker Uphagen hat gewiß eins oder das andere, seine Kranckheit aber hat mich gehindert bis jetzt mit ihm deshalb zu sprechen. Dieser ist die merkwürdigste Person in Danzig, er ist nicht blos Historiker, sondern auch Grieche und Orientalist, und seine Bibliothek die ohngefehr – 20-24/mille Bände stark ist, gehört gewiß zu den ausgesuchtesten Büchersammlungen in unserer ganzen Gegend. Bis jetzt also habe ich noch Hofnung Deinen Bedürfnißen auf eine oder die andere Art abzuhelfen und es thut mir leid daß ich beym erstenmal Dir nicht gleich so entgegen kommen konnte als ich es wünsche.
Mit Troschel habe ich heute Vormittag, unmittelbar nach Empfang Deines Briefes gesprochen. Er ist sehr erbötig das Manuscript anzunehmen, jedoch wünscht er, daß Du ihm wenigstens die erste fertige Abhandlung zur Ansicht übersenden möchtest, nicht weil er als Kenner sie seiner Prüfung unterwerfen wolle, sondern weil er als Kaufmann, der sein Publicum kennt, aus dem Inhalt so ziemlich genau berechnen kann, ob der Artickel für ihn paßt, oder nicht: Dagegen ist er erbötig Dir das Mannscript auf seine Unkosten nach Königsberg an Deine Adreße zu übersenden, damit Du dort auf jeden Fall nichts versäumst. Glaubt er daß der Artickel für ihn paßend ist, so sind die anderen Bedingungen wohl ins Reine gebracht. Ich glaube daß Du Dich dazu wohl verstehen könntest; er wünscht aber zugleich, daß Du ihm, im Fall er das Manuscript im Verlag erhält, innerhalb 4 Wochen das Ganze abliefern könntest.
Die Absicht Deiner Reise nach Königsberg glaube ich wohl zu errathen und ich wünsche Dir zur | Erreichung Deiner Absicht von ganzem Herzen Glück. Ich freue mich recht innig darauf Dich wieder zu sehn. Wenn Du den 18ten aus Stolpe abgehst, so trifst Du bey gutem Wege den 19ten Nachmittags hier ein, und da die Königsberger Post immer früher hier ankömt, und auf die Berliner wartet, so ist jene schon immer fertig wenn letztere ankommt und Du hast höchstens eine Stunde Zeit Dich aufzuhalten. Ich wohne von der Post zu weit als daß wir uns in einem so kurzen Zeitraum würden sprechen können, aber Troschel wohnt von der Post nur um die Ecke, und der erste den Du auf dem Posthause triffst, wird Dich gern die Paar Schritte hingeleiten, und er erbittet sich Deinen Besuch und da ich gewöhnlich bey ihm hause, so werde ich auch denn wohl dort auf der Wache seyn, und wir finden uns. Auf Deinem Heimwege also schenckst Du uns ein Paar Tage und ich rechne darauf daß Du unser Haus nicht vorbeygehen, sondern bey uns Dein Absteige Quartier nehmen wirst. Da wollen wir dann der alten Tage uns freun und froh in Erinnerung und froh in Hofnung seyn. Mit mir und meinen Aussichten sieht es noch immer sehr trübe aus. An der RentAmtMeister Stelle wird jetzt starck gearbeitet, aber ich fürchte fast umsonst, da sich auch ein invalider Offizier dazu gemeldet hat. Außer dem hat man noch manche Pläne mit mir, aber ich fange nach gerade an gegen jede Hofnung mistrauisch zu werden. Du erwähntest in Deinem Briefe des Riebes. Kennst Du ihn? – Er ist auch von denen die mich mit forthelfen wollen. Mnioch ist durch ihn glücklich geworden.
Der Dr. Ring deßen ich in einem meiner Briefe erwähnte, ist aber der Herausgeber der Kantischen Schriften. Er ist bey uns jetzt Professor der Theologie und der älteste Prediger an der GymnasiumsKirche. Jetzt muß | ich enden. Es ist Sonnabend da muß ich – nicht mich auf den Sonntag präpariren – sondern nach Oliva zu Troschel heraus und komme erst Dienstag wieder herein. Darum schreibe ich heute, weil ich Dienstag nicht viel Zeit haben möchte. Das erste Gläschen Punsch soll Dir geweiht seyn. Ich mit meinem Hausgesinde bin Gott Lob wohl und gesund. Mit Freude und Vergnügen sehe ich dem Augenblick entgegen, da ich Dich wieder sehen und Dich umarmen werde. Dein
Duisburg
Heute erst ist Dein Brief vom 6ten mir in die Hände gekommen, und um Dir einen Beweiß zu geben daß ich nicht faul bin, wenn ich es nicht seyn muß, so antworte ich auf der Stelle ungeachtet mein Brief erst den 12 abgehen kann. Ich will Deinen Brief Wort für Wort beantworten.
Warum ich nicht geschrieben? – Weil ich nicht mit leeren Händen vor Dir erscheinen wollte. Kein Aristoteles, kein Simplicius ist bis jetzt hier aufzutreiben gewesen, und Freund Morgenstern der vor 8 Tagen von hier nach Dorpat abgegangen und mit dem ich dieserhalb sprach gab mir wenig Trost, daß ich dergleichen hier je auftreiben könnte. Griechische Litteratur ist in Danzig nie einheimisch gewesen. Ich gebe indeß noch nicht alle Hofnung auf, denn der berühmte Historicker Uphagen hat gewiß eins oder das andere, seine Kranckheit aber hat mich gehindert bis jetzt mit ihm deshalb zu sprechen. Dieser ist die merkwürdigste Person in Danzig, er ist nicht blos Historiker, sondern auch Grieche und Orientalist, und seine Bibliothek die ohngefehr – 20-24/mille Bände stark ist, gehört gewiß zu den ausgesuchtesten Büchersammlungen in unserer ganzen Gegend. Bis jetzt also habe ich noch Hofnung Deinen Bedürfnißen auf eine oder die andere Art abzuhelfen und es thut mir leid daß ich beym erstenmal Dir nicht gleich so entgegen kommen konnte als ich es wünsche.
Mit Troschel habe ich heute Vormittag, unmittelbar nach Empfang Deines Briefes gesprochen. Er ist sehr erbötig das Manuscript anzunehmen, jedoch wünscht er, daß Du ihm wenigstens die erste fertige Abhandlung zur Ansicht übersenden möchtest, nicht weil er als Kenner sie seiner Prüfung unterwerfen wolle, sondern weil er als Kaufmann, der sein Publicum kennt, aus dem Inhalt so ziemlich genau berechnen kann, ob der Artickel für ihn paßt, oder nicht: Dagegen ist er erbötig Dir das Mannscript auf seine Unkosten nach Königsberg an Deine Adreße zu übersenden, damit Du dort auf jeden Fall nichts versäumst. Glaubt er daß der Artickel für ihn paßend ist, so sind die anderen Bedingungen wohl ins Reine gebracht. Ich glaube daß Du Dich dazu wohl verstehen könntest; er wünscht aber zugleich, daß Du ihm, im Fall er das Manuscript im Verlag erhält, innerhalb 4 Wochen das Ganze abliefern könntest.
Die Absicht Deiner Reise nach Königsberg glaube ich wohl zu errathen und ich wünsche Dir zur | Erreichung Deiner Absicht von ganzem Herzen Glück. Ich freue mich recht innig darauf Dich wieder zu sehn. Wenn Du den 18ten aus Stolpe abgehst, so trifst Du bey gutem Wege den 19ten Nachmittags hier ein, und da die Königsberger Post immer früher hier ankömt, und auf die Berliner wartet, so ist jene schon immer fertig wenn letztere ankommt und Du hast höchstens eine Stunde Zeit Dich aufzuhalten. Ich wohne von der Post zu weit als daß wir uns in einem so kurzen Zeitraum würden sprechen können, aber Troschel wohnt von der Post nur um die Ecke, und der erste den Du auf dem Posthause triffst, wird Dich gern die Paar Schritte hingeleiten, und er erbittet sich Deinen Besuch und da ich gewöhnlich bey ihm hause, so werde ich auch denn wohl dort auf der Wache seyn, und wir finden uns. Auf Deinem Heimwege also schenckst Du uns ein Paar Tage und ich rechne darauf daß Du unser Haus nicht vorbeygehen, sondern bey uns Dein Absteige Quartier nehmen wirst. Da wollen wir dann der alten Tage uns freun und froh in Erinnerung und froh in Hofnung seyn. Mit mir und meinen Aussichten sieht es noch immer sehr trübe aus. An der RentAmtMeister Stelle wird jetzt starck gearbeitet, aber ich fürchte fast umsonst, da sich auch ein invalider Offizier dazu gemeldet hat. Außer dem hat man noch manche Pläne mit mir, aber ich fange nach gerade an gegen jede Hofnung mistrauisch zu werden. Du erwähntest in Deinem Briefe des Riebes. Kennst Du ihn? – Er ist auch von denen die mich mit forthelfen wollen. Mnioch ist durch ihn glücklich geworden.
Der Dr. Ring deßen ich in einem meiner Briefe erwähnte, ist aber der Herausgeber der Kantischen Schriften. Er ist bey uns jetzt Professor der Theologie und der älteste Prediger an der GymnasiumsKirche. Jetzt muß | ich enden. Es ist Sonnabend da muß ich – nicht mich auf den Sonntag präpariren – sondern nach Oliva zu Troschel heraus und komme erst Dienstag wieder herein. Darum schreibe ich heute, weil ich Dienstag nicht viel Zeit haben möchte. Das erste Gläschen Punsch soll Dir geweiht seyn. Ich mit meinem Hausgesinde bin Gott Lob wohl und gesund. Mit Freude und Vergnügen sehe ich dem Augenblick entgegen, da ich Dich wieder sehen und Dich umarmen werde. Dein
Duisburg