Single collated printed full text without registry labelling not including a registry

Samuel Ernst Stubenrauch to Friedrich Schleiermacher TEI-Logo

d. 12t. Octob.
Nun mein lieber Neveu! Uns dünkt das schon wieder eine lange Pause, da ich Ihren am 7ten September erhaltenen Brief vom 3ten schon am 13ten vorigen Monats beantwortet habe; allein bey einer so weiten Entfernung als Stolpe von hier, darf uns das weniger befremden. Aber die liebe Mama kann sich noch gar nicht darüber zufrieden geben, daß Sie so weit von uns entfernt sind, und wünscht immer daß Sie doch uns näher kommen möchten. So bald etwa in unserer Nähe eine Ihnen angemeßene Stelle vacant werden sollte, werde ich gewiß eilends Ihnen davon Nachricht geben; aber ich fürchte nur, daß meine Anzeige doch leicht zu spät kommen dürfte. Und dann müßte man immer erst noch wissen, ob eine solche Stelle auch nach Ihrem Geschmack. Gesetzt z E. Hofprediger Arend in Cüstrin sollte einmal abgehen – da würde es Mama und mir sehr lieb seyn, wenn Sie sein Nachfolger würden – aber: hätten Sie auch Lust zu der Stelle?
So lange Sie in Berlin – theilten Sie mir immer von Zeit zu Zeit so mancherley theils litterarische, theils Nachrichten mit, wie die erledigten Predigerstellen besetzt worden – daran fehlt es mir nun ganz. Indessen wissen Sie vielleicht auch in Stolpe besser und eher als ich, wer an Hahn’s Stelle nach Stargard, oder an Ulrichs Stelle gekommen ist. Und dann noch eine Frage, die Sie mir höchst wahrscheinlich werden beantworten können, da Sie doch in Berlin so mancherley Bekanntschaften gehabt. Da finde ich letzt in dem Berliner Intelligenzblatt unter den Anzeigen eine zweifache Verheirathung am 7ten October Paul Erman Professor an der Militair-Akademie und am Französischen Gymnasium (ist vermuthlich der Sohn von Geheim Rath Erman) mit Caroline geborene Itzig – und am 7ten October J. J. Arlaud Professor am Französischen Gymnasium mit L. geborene Itzig – ohne daß der Vater dieser Itzig genannt wird welches doch sonst gewöhnlich. Vielleicht können Sie mir darüber einige Auskunft geben |
den 13ten Diesen Morgen bin ich bey Benikens gewesen. Der arme Mann ist seit Sonntag wieder krank, welches wir erst am Mittwoch durch Frau Schlieben erfuhren und gestern hatte ich einige Verhinderung, daher ich denn heute, zumal da wir in dieser Nacht, nach 3 bis nach 6 einen sehr heftigen Sturm gehabt hatten, eilte um mich zu erkundigen, ob sie auch eine so unruhige Nacht gehabt. Ich fand ihn jedoch schon außer Bette, und er denkt auch, wo nicht schon morgen, doch am Montag wieder aufs Rathhaus zu gehen. Denn das wissen Sie ja, daß er gewiß ein sehr emsiger und fleißiger Geschäftsmann ist. Da erkundigte man sich denn auch sehr nach Ihnen, und die Benike wunderte sich, da sie vor 2 Monaten wie sie sagte, an Sie geschrieben, daß sie bis jetzt noch keine Antwort erhalten habe; ich suchte sie zu beruhigen und versprach, so bald ich etwa einen Brief von Ihnen erhalten würde, ihr Nachricht davon zu geben. Sie sehen also wie werth hier uns allen Ihr Andenken, und da ich sagte, daß ich schon einen Brief an Sie angefangen, so wurde ich von allen beauftragt, recht viele Grüße an Sie zu bestellen, auch von Herrn Dr. Stisser
Sonst kann ich Ihnen von hier keine Neuigkeiten melden, als daß ich am vorigen Sonntag beym Justitzamtmann Wesenfeld getauft und daß Frau Postmeister Bauer unter den Pathen war, die sich auch sorgfältigst nach Ihnen erkundigte, und fragte: Ob wir denn keine Hoffnung hätten, Sie mehr in unsere Nähe zu bekommen, und als ich ihr sagte, daß Sie uns Hoffnung gemacht, uns hier in künftigem Jahr zu besuchen, war ihr das sehr angenehm
den 21ten Da sind schon wieder 2 Posttage ohne daß unsre Erwartung befriediget; so will ich denn meiner Seits wenigstens unsern Briefwechsel nicht länger unterbrechen. Eben jetzt habe ich wieder einen Brief von Herrn Arend, der von seinem vorigen Schleimfieber ein Recidiv und seit gestern vor 8 Tagen wieder das Bette nicht verlaßen kann. Er glaubt sogar, daß dies wohl der letzte Brief an mich seyn würde. | Wie wenn er nun wirklich von dieser Krankheit nicht wieder aufkommen sollte – hätten Sie wohl Lust zu der Stelle? Wir möchten Sie so gerne in unserer Nähe haben, und Sie würden dann auch zugleich ConsistorialRath[.] – Wenn Sie Lust dazu haben; so will ich so schnell als möglich Ihnen Nachricht geben, doch, da der Weg so weit, so wäre es vielleicht besser, wenn Sie an einen von den Herren in Berlin, sich vorläufig darüber erklärten
Damit nun dieser Brief nicht wieder noch einen Posttag liegen bleibe so will ich hier schließen[.] Wenn Sie an Ihre Schwester und Bruder schreiben; so grüßen Sie vielmals von uns[.] Ich bin und bleibe Ihr aufrichtig treuer Oheim
Stubenrauch
Metadata Concerning Header
  • Date: 12. bis 21. Oktober 1802
  • Sender: Samuel Ernst Stubenrauch ·
  • Recipient: Friedrich Schleiermacher ·
  • Place of Dispatch: Landsberg (Warthe) · ·
  • Place of Destination: Stolp · ·
Printed Text
  • Bibliography: Schleiermacher, Friedrich Daniel Ernst: Kritische Gesamtausgabe. Abt. 5, Bd. 6. Briefwechsel 1802‒1803 (Briefe 1246‒1540). Hg. v. Andreas Arndt u. Wolfgang Virmond. Berlin u.a. 2005, S. 170‒172.

Zur Benutzung · Zitieren