Seit dem Abgange meines lezten noch kein Wort zu Dir mein Lieber – noch an demselben Tage wolte ich einen neuen Brief anfangen allein stärkere Anwandelungen von Schwindel und schrekliche krampfartige Schmerzen im Kopfe hinderten mich den guten Vorsaz auszuführen – nohtgedrungen nahm ich endlich meine Zuflucht zum Doctor und seit 3 Tagen – komen meine Kräfte – mein Geist der nahe am verschwinden war wieder – viel viel habe ich in dieser Leidensperiode an Dich gedacht – Dich vergeblich zu mir gewünscht – und tröstend war mirs, wenn Du meinen Zustand ahnden – köntest, wie Dein liebendes Herz Theil nehmen und Sorge tragen würde – bei solchen Kranken Tagen habe ich je öfters und peinlicher sie wiederkomen einen ganz eignen Wunsch – den – einer eignen Stube – sie sei noch so klein – um wenn ich auch am Tage nie schlafen kann – doch zu ruhen – Wo wirst Du Heute sein – zu Hause das heißt in Stolpe – oder doch auf einer Reise nach Koenigsberg welche Dir gewiß wenn es schon Leonore für gut hält doch unangenehm sein wird ich meine der ProbePredigt wegen worein ich mich sehr gut verstehe
den 29ten Viel sehr viel hat die kranke Lotte seit dem Schreiben jener Zeilen ausgestanden – endlich seit manchem fürchterlichen Toben im Kopfe scheinen sie mich zu verlaßen | nehmlich die Krämpfe – die jezt das Haupt so wie weiland den Magen zu ihrem Wohnsiz erwählt – die lezte Medicin aber hat sie glüklicher weise verjagt – fast fürchtete ich es sei um meinen Schleier Geist – mein Gedächtniß und ganze Heiterkeit geschehen – da ich schon alle meine fremden Nahmen vergeßen – und was noch ärger alle Vormittag ich mochte beschäftigt oder angestrengt oder müßig seyn – wandelte mich eine Beklemung und Weinen an – so konte es nicht bleiben – ich sprach vorgestern ernstlich mit Thalaker – und – heute ist mir viel leichter – auch die Schmerzen im Kopfe – erträglich – ein starkes NervenFieber war wohl im Anzug – auch konte mirs der Doctor nicht ableugnen – nach meinen eignen richtigen Bemerkungen, wie er sagte – Schon gestern Abend war ich im Stand, einen Brief an die Herz zu endigen, welchem ich – stelle Dir vor, ein ofnes beschriebnes Blatt an Leonoren beilegte – ein inrer Trieb war es der mich dis lehrte – Du wirst wohl mit einem holden Lächeln sagen: recht gut; hier will ich aufhören. Morgen erwarte ich Briefe aus Stolpe – denn es däuchtet mir besonders in meinem kränkelnden Zustande sehr lange nichts von Dir gehört zu haben. |
den 31ten October
Der gestrige Posttag hat mir abermals nichts aus Stolpe gebracht mein Verlangen kanst Du Dir nicht so vorstellen – überhaupt bin ich recht arm – an Nachrichten und Büchern – und das ist mir heute Sontags besonders unangenehm – da ich seit 3 Tagen im Zustande der Genesung zwar noch matt aber von denen schreklichen Schmerzen doch befreit – fühle ich sie gleichsam aufs neue recht stark alle die Bedürfniße des Lesens – und dergleichen – und es ist alles nichts – die ganze Zeit her war mir das Außenbleiben des FuhrMans gleichgültig – heute nicht so – ich will Dir unterdeß erzählen – daß ich seit jenen Büchern von Kosegarten – die Verschwörung gegen Peter gelesen – welches mir sehr gut gefallen – und endlich auch das Mädchen von Orleans – über alle Erwartung – ich kan Dir gar nichts darüber sagen – zugleich erschien Schlegels musenalmanach worinen ich ganz so wie Du sagtest sehr viel schönes gefunden – auch die geistlichen Lieder von Hardenberg haben mich darin recht überrascht – manches war ganz ohne Namen auch nicht im Register angezeichnet und es war mir ein lieblicher Gedanke ob Du nicht manches von denen kleinen poesien gemacht. Die Elemente von Friedrich Schlegel haben meinen ganzen Beifall – | aus diesen und der Fantasie habe ich mir manches abgeschrieben so auch das von der Mnioch worüber ich eine rechte innige Freude habe, weil – wie ich Dir schon gesagt – die beschriebnen Blätter dieser jungen treflichen Verklärten gelesen ich dachte dabei an Willich – aber auch an die Vollendete Comtesse Friderique weil manches von ihr darin ausgedrükt ist – aus meinen lezten wirst Du etwas davon spühren wie viel ich ihrer gedenke – ach und weit mehr als ich davon sagen kann – mich verlangt öfters – besonders aber seit unsrem Wiedersehn – alle die Lieben mit denen du verstanden, mich dem Geiste nach bekant gemacht – auch dem Leibe nach kennen [zu] lernen – zum wenigsten recht oft was von ihnen [zu] hören –. Eben da ich dis geschrieben werde ich wieder reich an Büchern – nehmlich – von Jean Paul Blumen Frucht und Dornen Stüke – zur Genesung periode etwas zu tief – denn Du weist schon daß es nur gewiße Stellen giebt durch welche ich hindurchblike – Kanut der Heilige – welches ich nebst andern Geschichten der Vorzeit aufgezeichnet hatte – und Merkwürdigkeiten der Frau von Stahl während daß Alle in die GemeinStunde gehn – die ich besonders der Music wegen aus Schonung meines Kopfes wegen selten besuche – will ich mich umschauen in den neuen Schäzen. |
den 8ten November 1802
Du hast es wohl bei Leesung meiner lezten Epistel nicht geahndet in welchem leidenden Zustand ich damals schon war – und magst seitdem nichts befürchtet haben sonst hätte Dein liebendes Herz Dein sorgsames Wesen die kränkliche Schwester nicht so lange in Ungewißheit über Dich gelaßen – – nur der Gedanke daß Du vielleicht nach Koenigsberg gereist bist kann mich einigermaßen über Dein Schweigen beruhigen – ich hoffe Du wirst es leicht glauben daß seit unserm Wiedersehn mir das außenbleiben Deiner Briefe weit länger deuchtet weit unaushaltbarer ist wie jemals – doch genug hievon.
Wohl hast Du Recht daß mir Blumen- Frucht- und Dornenstüke sehr gut gefallen würden – obschon ich nicht das eigentliche verstehe – so giebt es doch mehrere ganz vortrefliche Stellen darin – genießbar für Geist und Herz – so daß ich manches mir abschreiben [wollte] wenn mich es den Verlust an Zeit ganz zu geschweigen nicht so erschreklich angriffe – daß ich Dich zur möglichsten Erläuterung als auch zum Mitgenuß öfters zu mir gewünscht versteht sich von selbst – auch die Merkwürdigkeiten der Frau von Staal haben mir außerordentlich gefallen | auf die Denkwürdigkeiten die ich auch zu bekomen hoffe und worauf sie hindeutet freue ich mich gar sehr sowohl wegen der Briefe die sie mit Menil gewechselt als andrer Vorkomenheiten unter Ludwig dem XIVten – aber ich rede mit Dir als hättest Du es gelesen und am Ende war es wohl Charles der mich davon unterhalten hat – – Da ich einmahl bei denen Büchern bin so werde ich hier einige Fragen anbringen die ich längst in petto hatte 1tens im Catalogus stehen Vertraute Briefe über Schlegels Lucinde – sind diese von Dir? und 2tens soll ich die Lucinde lesen und jene Briefe lesen – bis jezt habe ich noch nicht den Florentin mir kommen laßen – 3tens Soll – oder kann ich etwas von Wieland lesen – außer jenem Musarion welches Donamar hat – bin ich gar nicht mit ihm bekant – 4tens, kanst Du mir nicht eine gute Reisebeschreibung über die Schweiz nennen – welche ich die ältesten in der Anstalt könte lesen laßen es stehen wohl viele im Catalogus angezeichnet aber ich weiß doch nicht welche vorzüglich die Gegenden gut beschreiben ohne viele Schwärmerey – 5tens ich wolte gerne was von Friedrich des Einzigen Werken lesen – und auch mehr über ihn als was ich kürzlich von Mousina las – bitte zeige mir etwas ann – |
Aus dem allen siehst Du wohl daß ich willens bin – auch im künftgen Jahr diese Bücher-Ausgabe fortzusezen weil es mir je mehr und mehr zum Bedürfniß wird ordentlich zu lesen – ich wundre mich selbst oft – da ich doch fast zu allen Zeiten meines Hierseyns eine Lese-Sucht fühlte – und seit 8 Jahren auch den Wunsch mehr unterrichtendes als nur zerstreuendes zu lesen – und doch kam mir, nie, der Gedanke ein jene mir nun eröfnete Quelle zu suchen – Dank herzlichen Dank für diese Anweisung und zugleich den Wunsch nun bald etwas Geld zu haben um auch den komenden halbjährigen tribut im voraus zu bezahlen – ich weiß wohl es ist Dir peinlich wenn ich von GeldMangel spreche – aber gegen Wen soll ichs sonst äußern? Der guten Hochberg die am 31ten vorigen Monats mit einem Sohn glüklich entbunden kann ich doch nicht Zeit und Stunde bestimmen – Du hast mich emmahl so treuherzig gemacht – freilich hätte ich jene 16 Thaler die ich der Comtesse zum aufheben gab lieber behalten sollen – aber ob ich sie alsdann wirklich noch hätte ist eine andre Frage – |
den 14ten November
Auch heute kann ich Dir sagen – erliegen müst ich bei meiner Kränklichkeit da die Reizbarkeit immer mehr zunimt und der stechenden Gefühle so mancher Art in mir erregt sind – wenn nicht ein gewißes Etwas mich, über, alles, und über – mich Selbst erhöbe – bei dem allen aber soll Morgen diese Epistel fort – und Dir wenn nicht schon von Dir ein Brief unterwegens Dir doch gewiß einen abloken – vorher noch einiges was auf diese Zeilen Bezug hat – eine von andern Schwestern welche das provinzialBlatt lesen – mir schnell zugeraunte Nachricht daß unsre jüngste Schwester von 11 Jahren an den Blattern gestorben – machte auf mich da ich sie nicht gekant weiter gar keinen Eindruk – als eine kleine Unzufriedenheit mit der Mutter die Uns über alles in Ungewißheit läst – einige Tage darauf wirkte eine andre Nachricht eine ganz entgegengesezte traurige Stimuwg – nehmlich die ich aus den Zeitungen gelesen – die geschwinde Heimfart des kleinen nur 2 Tage alt gewordnen Graf Hochberg – Bruder ich kann Dir nicht sagen wie inigst mich dis wegen der guten Eltern gerührt – denen ich Beiden die Freude so herzlich gern gegönt hätte – und was noch die Leute darüber sagen – Gott es ist schaudernd! wie weit die Habsucht geht |
Heute den 15ten kurz vor Abgang dieses ist erschienen Goldschmied Geschichte der Griechen – und Titan von Jean Paul – von diesem verspreche ich mir sehr viel habe auch schon vorzüglich schöne Stellen drin gefunden – bitte antworte mir bald
den 29ten Viel sehr viel hat die kranke Lotte seit dem Schreiben jener Zeilen ausgestanden – endlich seit manchem fürchterlichen Toben im Kopfe scheinen sie mich zu verlaßen | nehmlich die Krämpfe – die jezt das Haupt so wie weiland den Magen zu ihrem Wohnsiz erwählt – die lezte Medicin aber hat sie glüklicher weise verjagt – fast fürchtete ich es sei um meinen Schleier Geist – mein Gedächtniß und ganze Heiterkeit geschehen – da ich schon alle meine fremden Nahmen vergeßen – und was noch ärger alle Vormittag ich mochte beschäftigt oder angestrengt oder müßig seyn – wandelte mich eine Beklemung und Weinen an – so konte es nicht bleiben – ich sprach vorgestern ernstlich mit Thalaker – und – heute ist mir viel leichter – auch die Schmerzen im Kopfe – erträglich – ein starkes NervenFieber war wohl im Anzug – auch konte mirs der Doctor nicht ableugnen – nach meinen eignen richtigen Bemerkungen, wie er sagte – Schon gestern Abend war ich im Stand, einen Brief an die Herz zu endigen, welchem ich – stelle Dir vor, ein ofnes beschriebnes Blatt an Leonoren beilegte – ein inrer Trieb war es der mich dis lehrte – Du wirst wohl mit einem holden Lächeln sagen: recht gut; hier will ich aufhören. Morgen erwarte ich Briefe aus Stolpe – denn es däuchtet mir besonders in meinem kränkelnden Zustande sehr lange nichts von Dir gehört zu haben. |
den 31ten October
Der gestrige Posttag hat mir abermals nichts aus Stolpe gebracht mein Verlangen kanst Du Dir nicht so vorstellen – überhaupt bin ich recht arm – an Nachrichten und Büchern – und das ist mir heute Sontags besonders unangenehm – da ich seit 3 Tagen im Zustande der Genesung zwar noch matt aber von denen schreklichen Schmerzen doch befreit – fühle ich sie gleichsam aufs neue recht stark alle die Bedürfniße des Lesens – und dergleichen – und es ist alles nichts – die ganze Zeit her war mir das Außenbleiben des FuhrMans gleichgültig – heute nicht so – ich will Dir unterdeß erzählen – daß ich seit jenen Büchern von Kosegarten – die Verschwörung gegen Peter gelesen – welches mir sehr gut gefallen – und endlich auch das Mädchen von Orleans – über alle Erwartung – ich kan Dir gar nichts darüber sagen – zugleich erschien Schlegels musenalmanach worinen ich ganz so wie Du sagtest sehr viel schönes gefunden – auch die geistlichen Lieder von Hardenberg haben mich darin recht überrascht – manches war ganz ohne Namen auch nicht im Register angezeichnet und es war mir ein lieblicher Gedanke ob Du nicht manches von denen kleinen poesien gemacht. Die Elemente von Friedrich Schlegel haben meinen ganzen Beifall – | aus diesen und der Fantasie habe ich mir manches abgeschrieben so auch das von der Mnioch worüber ich eine rechte innige Freude habe, weil – wie ich Dir schon gesagt – die beschriebnen Blätter dieser jungen treflichen Verklärten gelesen ich dachte dabei an Willich – aber auch an die Vollendete Comtesse Friderique weil manches von ihr darin ausgedrükt ist – aus meinen lezten wirst Du etwas davon spühren wie viel ich ihrer gedenke – ach und weit mehr als ich davon sagen kann – mich verlangt öfters – besonders aber seit unsrem Wiedersehn – alle die Lieben mit denen du verstanden, mich dem Geiste nach bekant gemacht – auch dem Leibe nach kennen [zu] lernen – zum wenigsten recht oft was von ihnen [zu] hören –. Eben da ich dis geschrieben werde ich wieder reich an Büchern – nehmlich – von Jean Paul Blumen Frucht und Dornen Stüke – zur Genesung periode etwas zu tief – denn Du weist schon daß es nur gewiße Stellen giebt durch welche ich hindurchblike – Kanut der Heilige – welches ich nebst andern Geschichten der Vorzeit aufgezeichnet hatte – und Merkwürdigkeiten der Frau von Stahl während daß Alle in die GemeinStunde gehn – die ich besonders der Music wegen aus Schonung meines Kopfes wegen selten besuche – will ich mich umschauen in den neuen Schäzen. |
den 8ten November 1802
Du hast es wohl bei Leesung meiner lezten Epistel nicht geahndet in welchem leidenden Zustand ich damals schon war – und magst seitdem nichts befürchtet haben sonst hätte Dein liebendes Herz Dein sorgsames Wesen die kränkliche Schwester nicht so lange in Ungewißheit über Dich gelaßen – – nur der Gedanke daß Du vielleicht nach Koenigsberg gereist bist kann mich einigermaßen über Dein Schweigen beruhigen – ich hoffe Du wirst es leicht glauben daß seit unserm Wiedersehn mir das außenbleiben Deiner Briefe weit länger deuchtet weit unaushaltbarer ist wie jemals – doch genug hievon.
Wohl hast Du Recht daß mir Blumen- Frucht- und Dornenstüke sehr gut gefallen würden – obschon ich nicht das eigentliche verstehe – so giebt es doch mehrere ganz vortrefliche Stellen darin – genießbar für Geist und Herz – so daß ich manches mir abschreiben [wollte] wenn mich es den Verlust an Zeit ganz zu geschweigen nicht so erschreklich angriffe – daß ich Dich zur möglichsten Erläuterung als auch zum Mitgenuß öfters zu mir gewünscht versteht sich von selbst – auch die Merkwürdigkeiten der Frau von Staal haben mir außerordentlich gefallen | auf die Denkwürdigkeiten die ich auch zu bekomen hoffe und worauf sie hindeutet freue ich mich gar sehr sowohl wegen der Briefe die sie mit Menil gewechselt als andrer Vorkomenheiten unter Ludwig dem XIVten – aber ich rede mit Dir als hättest Du es gelesen und am Ende war es wohl Charles der mich davon unterhalten hat – – Da ich einmahl bei denen Büchern bin so werde ich hier einige Fragen anbringen die ich längst in petto hatte 1tens im Catalogus stehen Vertraute Briefe über Schlegels Lucinde – sind diese von Dir? und 2tens soll ich die Lucinde lesen und jene Briefe lesen – bis jezt habe ich noch nicht den Florentin mir kommen laßen – 3tens Soll – oder kann ich etwas von Wieland lesen – außer jenem Musarion welches Donamar hat – bin ich gar nicht mit ihm bekant – 4tens, kanst Du mir nicht eine gute Reisebeschreibung über die Schweiz nennen – welche ich die ältesten in der Anstalt könte lesen laßen es stehen wohl viele im Catalogus angezeichnet aber ich weiß doch nicht welche vorzüglich die Gegenden gut beschreiben ohne viele Schwärmerey – 5tens ich wolte gerne was von Friedrich des Einzigen Werken lesen – und auch mehr über ihn als was ich kürzlich von Mousina las – bitte zeige mir etwas ann – |
Aus dem allen siehst Du wohl daß ich willens bin – auch im künftgen Jahr diese Bücher-Ausgabe fortzusezen weil es mir je mehr und mehr zum Bedürfniß wird ordentlich zu lesen – ich wundre mich selbst oft – da ich doch fast zu allen Zeiten meines Hierseyns eine Lese-Sucht fühlte – und seit 8 Jahren auch den Wunsch mehr unterrichtendes als nur zerstreuendes zu lesen – und doch kam mir, nie, der Gedanke ein jene mir nun eröfnete Quelle zu suchen – Dank herzlichen Dank für diese Anweisung und zugleich den Wunsch nun bald etwas Geld zu haben um auch den komenden halbjährigen tribut im voraus zu bezahlen – ich weiß wohl es ist Dir peinlich wenn ich von GeldMangel spreche – aber gegen Wen soll ichs sonst äußern? Der guten Hochberg die am 31ten vorigen Monats mit einem Sohn glüklich entbunden kann ich doch nicht Zeit und Stunde bestimmen – Du hast mich emmahl so treuherzig gemacht – freilich hätte ich jene 16 Thaler die ich der Comtesse zum aufheben gab lieber behalten sollen – aber ob ich sie alsdann wirklich noch hätte ist eine andre Frage – |
den 14ten November
Auch heute kann ich Dir sagen – erliegen müst ich bei meiner Kränklichkeit da die Reizbarkeit immer mehr zunimt und der stechenden Gefühle so mancher Art in mir erregt sind – wenn nicht ein gewißes Etwas mich, über, alles, und über – mich Selbst erhöbe – bei dem allen aber soll Morgen diese Epistel fort – und Dir wenn nicht schon von Dir ein Brief unterwegens Dir doch gewiß einen abloken – vorher noch einiges was auf diese Zeilen Bezug hat – eine von andern Schwestern welche das provinzialBlatt lesen – mir schnell zugeraunte Nachricht daß unsre jüngste Schwester von 11 Jahren an den Blattern gestorben – machte auf mich da ich sie nicht gekant weiter gar keinen Eindruk – als eine kleine Unzufriedenheit mit der Mutter die Uns über alles in Ungewißheit läst – einige Tage darauf wirkte eine andre Nachricht eine ganz entgegengesezte traurige Stimuwg – nehmlich die ich aus den Zeitungen gelesen – die geschwinde Heimfart des kleinen nur 2 Tage alt gewordnen Graf Hochberg – Bruder ich kann Dir nicht sagen wie inigst mich dis wegen der guten Eltern gerührt – denen ich Beiden die Freude so herzlich gern gegönt hätte – und was noch die Leute darüber sagen – Gott es ist schaudernd! wie weit die Habsucht geht |
Heute den 15ten kurz vor Abgang dieses ist erschienen Goldschmied Geschichte der Griechen – und Titan von Jean Paul – von diesem verspreche ich mir sehr viel habe auch schon vorzüglich schöne Stellen drin gefunden – bitte antworte mir bald