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Carl Friedrich Ernst Frommann to Friedrich Schleiermacher TEI-Logo

Leipzig. 1802. 22/X.
Sie haben sehr Ursach mit mir unzufrieden zu seyn daß ich Ihre beyden Briefe vom 15/VI. und 21/VIII. nicht früher beantwortet, und ich kann nur das zu meiner Entschuldigung anführen daß ich gern Ihnen recht befriedigend antworten wollte!
Vorerst also nur noch meinen zwar späten, aber nicht minder aufrichtigen Dank, für die Offenheit mit der Sie in Ihrem ersten meine getroffenen Masregeln mit unsrem Freunde, billigen. Es mußte mir sehr angenehm seyn, von Ihnen dies Zeugnis Ihrer Zufriedenheit zu erhalten.
Heut kann ich Ihnen nun sagen daß diese Masregeln doch nicht ohne alle Wirkung geblieben sind. Der August und bis zum 18 September verging und es kam keine Nachricht von Schlegel, ich zögerte und wollte den September noch ruhig abwarten. Am 18. erhielt ich endlich, vom 2. aus Paris [einen Brief] mit der Zusicherung die drey Einleitungen gingen mit der ersten „diligence“ ab und die beiden Gespräche folgten 10 Tage später, weil die Abschriften noch durchgesehen werden müsten! Schon hatte ich alle Hofnung aufgegeben, um so mehr überraschte mich sein bestimter Brief, über den ich Ihnen in meinem nächsten mehr, von Haus, mittheile. Aber | die diligence schien einen verzweifelten Schneckengang zu kriechen denn vom 18/IX. bis zum 8/hujus blieb ich wieder ohne alle Nachricht, endlich erhielt ich mit reitender Post die beiden kleinen Einleitungen und mit ein paar Worten die Zusicherung, der größere Theil des Manuscripts gienge nun per Adresse meines Banquiers in Frankfwrf a/M. per diligence ab, und werde 8 Tage später in meinen Händen seyn!
Dies ist zwar nicht der Fall, aber vieleicht finde ich es zu Haus vor! Die beiden Einleitungen zum Parmenides und Phaedon habe ich sogleich für Sie copiren laßen und sende sie Ihnen, wie Sie wünschten, hierbey zu.
Durch diese lezte Verzögerung von Friedrich Schlegel ist mir nun freilich der Plan vereitelt worden den ersten Band zu dieser Meße zu bringen. Er kann nun vor Januar nicht erscheinen und ich muß mein Kapital noch ein Jahr länger entbehren, aber auch dies will ich tragen, da ich einmal solange Geduld geübt habe! Den Druck fange ich nun an sobald ich von Schlegel nun das Manuscript in Händen habe, und der 2te Band muß nun ohnfehlbar | in der Jubilate Messe erscheinen. Die große Einleitung sende ich Ihnen sobald sie nur abgedruckt ist, und so werden Sie mir wohl Weinachten den [zweiten] Theil Ihres Manuscripts mittheilen koennen, damit der Druck im Januar anfange! An Friedrich will ich sogleich schreiben, daß ich auf seinen Gorgias bis dahin gewis rechnete und so werden auch Sie wohl mit dem Cratylus noch zu Stand kommen, oder sich mit Friedrich einigen ihn zum 3ten Bande zu laßen.
Bald hoffe ich Ihnen von Haus mehr und ruhiger schreiben zu koennen! Leben Sie indes wohl und erhalten mir Ihr Wohlwollen. Mit wahrer Achtung und Ergebenheit ganz der Ihrige
Friedrich Frommann
Metadata Concerning Header
  • Date: Freitag, 22. Oktober 1802
  • Sender: Carl Friedrich Ernst Frommann ·
  • Recipient: Friedrich Schleiermacher ·
  • Place of Dispatch: Leipzig · ·
  • Place of Destination: Königsberg · ·
Printed Text
  • Bibliography: Schleiermacher, Friedrich Daniel Ernst: Kritische Gesamtausgabe. Abt. 5, Bd. 6. Briefwechsel 1802‒1803 (Briefe 1246‒1540). Hg. v. Andreas Arndt u. Wolfgang Virmond. Berlin u.a. 2005, S. 182‒184.

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