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Friedrich Samuel Gottfried Sack to Friedrich Schleiermacher TEI-Logo

Ich danke Ihnen herzlich theuerster Herr Hofprediger für die Nachrichten die Sie mir von Ihren Aussichten in Königsberg gegeben haben und sende diesen Brief nach Stolpe in der Meinung, daß Sie nun dorthin zurückgekehrt seyn werden. Nach dem, was mir auch Herr Zöllner gesagt hat, darf ich nicht zweifeln, daß Sie vor Ihrem Mitbewerber Herrn Abegg den Vorzug erhalten werden; und es wird mich aufrichtig freuen, wenn Sie so bald einen Ihren Talenten und Kenntnißen angemeßeneren Wirkungskreiß erhalten und Ihre Lage nach Ihren eignen Wünschen verbeßert sehen. Daß Sie in der Folge zu Königsberg auch als akademischer Lehrer nützen könnten, wird wohl keinen Schwierigkeiten unterworfen seyn; und ohne Zweifel würden Sie in Ihren Vorlesungen nicht solche Gegenstände wählen, bei welchen Kanzel und Catheder Vorträge in Dissonanz kommen könnten.
Das Kirchen Directorium hat bei dem Antrage des Presbyterii den Herrn Weil zum adjunctus Ministerii mit der Hofnung der Nachfolge bei der nächsten Vacanz zu berufen, auf den Fall, daß dieser noch sehr junge Mann in kurzer Zeit der zweite Hofprediger werden könnte, Rücksicht genommen; und daher in dem dieserhalb ergangenen Rescript geäußert; daß es dem Kirchen Collegio frei bleiben müße, auch bei einer 2ten Vacanz ihn noch nicht ascendiren zu laßen, und ich hoffe, daß | man ihm diese Bedingung jetzt gleich eröfnen werde. Sollte daher auch Herr Abegg jetzt gewählt werden: so würde Ihnen doch bei dem Zustande, in welchem Sich die beiden Hofprediger befinden, die Aussicht, sehr bald zur 2ten Stelle zu gelangen, nicht verdunkelt werden.
Was Sie mir von meinem alten würdigen Freunde Crichton schreiben, geht mir ungemein nahe. Daß er sehr schwach geworden, habe ich schon, als Rath des Kirchen Directorii seit einiger Zeit zu meiner Betrübniß wahrgenommen. In einer uns ganz unverständlichen kurzen Vorstellung hat er kürzlich gebeten ihn doch nicht von seinem Amte verdrängen zu laßen. – Daß man aber seinen ehemaligen Werth und seine treuen Dienste vergißt ist zwar der Lauf der Welt – aber es ist unrecht, und macht der Gemeine nicht Ehre.
Das Stolpische Häuflein kann Ihre Reise nach Königsberg nicht gern gesehen haben, und wird sich gewiß über die frühere oder spätere Folge derselben betrüben.
Die Meinigen sind alle gesund, und empfelen sich Ihrem freundschaftlichen Andenken. Mein Sohn ist bei der Commission in Hildesheim, und dürfte wohl vor Beendigung des ganzen Organisazions Geschäft nicht zurückkehren.
Leben Sie wohl und laßen mich bald wieder von Ihnen etwas lesen. Ihr ergebenster
Sack
Berlin d. 7t. Nov. 1802.
Metadata Concerning Header
  • Date: Sonntag, 7. November 1802
  • Sender: Friedrich Samuel Gottfried Sack ·
  • Recipient: Friedrich Schleiermacher ·
  • Place of Dispatch: Berlin · ·
  • Place of Destination: Stolp · ·
Printed Text
  • Bibliography: Schleiermacher, Friedrich Daniel Ernst: Kritische Gesamtausgabe. Abt. 5, Bd. 6. Briefwechsel 1802‒1803 (Briefe 1246‒1540). Hg. v. Andreas Arndt u. Wolfgang Virmond. Berlin u.a. 2005, S. 191‒193.

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