[Weißenfels, Winter 1789/90]
An Gynski.
O Freund! dem ich dis kleine Blättchen schicke
Nimms gütig an veracht es nicht,
Und siehs mit nachsichtsvollem Blicke
Und schicke mir ein besseres zurücke
Da Dir es nicht an Dichtergab gebricht.
Von Blumenauen kann ich nicht
Jezt singen da mit Schnee bedeckt
Die Fluren, alles Grün entflohn
Vom Quellchen das Vergißmeinnicht,
Und durch den Frost die Vögel weggeschreckt
Der Busch nicht mehr belebt durch ihren Ton.
Von Freundschaft kann ich nicht mehr singen
Seitdem Du uns entflohen bist
Und unsere Arme sich zum Kuß nicht mehr umschlingen
Mein Auge fast Dein Antlitz ganz vergißt,
Und ohne Freude meine Seele ist.
Drum red ich lieber von den Dingen,
Die noch der Zukunft Schleyer hüllt
Doch deren Denken blos mein Herz mit Lust erfüllet.
Wenn ich Dich werde wiedersehen
Zur Seite eines Weibchens gehn
Die dich an Rosen Ketten hält,
Auf Deine Wege Blumen streut
Sich mit in Deiner Wonne freut
In gleiche Traurigkeit verfällt
Wenn Schmerz Dir je Dein Glück vergällt
In deren Auge Liebe schimmert
Und zarte Sorgfalt, die sich kümmert
Um alles, was den lieben Gatten trift
Und die durch sanftes Trösten heilet
Den Schaden den des Neides Gift
Den Gatten macht, und gern verweilet
Bey dem was ihm Vergnügen macht.
O säh’ ich doch einst diese Tage,
Wo ohne Sorgen, ohne Schmerz und Klagen
Dir immer Unschulds Freude lacht,
Und Liebe sorgsam um Dich wacht,
Ich werde dann mit frohen Händen
In meine kleine Laute schnell
Die allerschönsten Töne senden,
Mein Lied soll sanfter als ein Quell
Der über Blumenauen fließet
Und Nachtigallen in den frohen Büschen grüßet
Hinwallen und die Wonne singen
Die Edelmuth und Tugend bringen
Und die auch Dein Verdienst errang.
Jezt will ich dieses Briefchen enden,
Nimm Dus mit eines Freundes Händen,
Antworte mir bald mit Gesang
In wenig Zeilen nur ob Du mich liebest,
Ob Du Dich freuest oder ja betrübest,
Ich will zufrieden seyn mit frohem Dank.
An Gynski.
O Freund! dem ich dis kleine Blättchen schicke
Nimms gütig an veracht es nicht,
Und siehs mit nachsichtsvollem Blicke
Und schicke mir ein besseres zurücke
Da Dir es nicht an Dichtergab gebricht.
Von Blumenauen kann ich nicht
Jezt singen da mit Schnee bedeckt
Die Fluren, alles Grün entflohn
Vom Quellchen das Vergißmeinnicht,
Und durch den Frost die Vögel weggeschreckt
Der Busch nicht mehr belebt durch ihren Ton.
Von Freundschaft kann ich nicht mehr singen
Seitdem Du uns entflohen bist
Und unsere Arme sich zum Kuß nicht mehr umschlingen
Mein Auge fast Dein Antlitz ganz vergißt,
Und ohne Freude meine Seele ist.
Drum red ich lieber von den Dingen,
Die noch der Zukunft Schleyer hüllt
Doch deren Denken blos mein Herz mit Lust erfüllet.
Wenn ich Dich werde wiedersehen
Zur Seite eines Weibchens gehn
Die dich an Rosen Ketten hält,
Auf Deine Wege Blumen streut
Sich mit in Deiner Wonne freut
In gleiche Traurigkeit verfällt
Wenn Schmerz Dir je Dein Glück vergällt
In deren Auge Liebe schimmert
Und zarte Sorgfalt, die sich kümmert
Um alles, was den lieben Gatten trift
Und die durch sanftes Trösten heilet
Den Schaden den des Neides Gift
Den Gatten macht, und gern verweilet
Bey dem was ihm Vergnügen macht.
O säh’ ich doch einst diese Tage,
Wo ohne Sorgen, ohne Schmerz und Klagen
Dir immer Unschulds Freude lacht,
Und Liebe sorgsam um Dich wacht,
Ich werde dann mit frohen Händen
In meine kleine Laute schnell
Die allerschönsten Töne senden,
Mein Lied soll sanfter als ein Quell
Der über Blumenauen fließet
Und Nachtigallen in den frohen Büschen grüßet
Hinwallen und die Wonne singen
Die Edelmuth und Tugend bringen
Und die auch Dein Verdienst errang.
Jezt will ich dieses Briefchen enden,
Nimm Dus mit eines Freundes Händen,
Antworte mir bald mit Gesang
In wenig Zeilen nur ob Du mich liebest,
Ob Du Dich freuest oder ja betrübest,
Ich will zufrieden seyn mit frohem Dank.