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Johanna Christiane Erdmuthe Schlegel to August Wilhelm von Schlegel TEI-Logo

[1] Liebster Willhelm.
Ich danke Dir, daß Du das kindliche Zutrauen zu mir hast, u mir Deine Verbündung bekannt machst. Gott gäbe seinen Seegen dazu, u ich traue es Euch zu, daß Ihr Euch desen würdig machen werdet, u vermag mein tägliches inbrünstiges Gebäth etwas, so werdet Ihr gewiß gelücklich seyn. Grüße Deine Caro[li]ne von mir hertzlich. Ich wünschte sie sehr kännen zu lernen, u Es wäre auch wohl möglich, daß ich in der Meße mit gelegen heit auf ein paar tage J nach Braunschweig reiste. Henrijette ist auf 2 Tage bey uns geweßen. Es ist aber ein unvollkommenes Vergnügen geweßen. Erstlich da sie mit Ollerhaußen kamm u die es 3 Wochen, immer von einer Zeit zur andern auf schoben, so muste i[ch] so lange darauf harren, u entlich war mir der [Ta]g ihrer Ankunft durch Irthum einen Tag zu früh. Durch die Fräulein Wenckstern an gesagt. Carl u Julchen waren den Abens schon bey mir um sie mit zu entfangen, u bey mir zu eßen um halb 10 uhr war noch kein Jettchen wir aßen halb 11 uhr giengen sie weg, ich blieb bis 12 uhr auf, so lange war es möglich ins Thor zu kommen. aber sie kamm nicht. Nun kannst Du dencken wie ich die Nacht zu brachte, des Morgens schückte ich gleich zu Wencksterns, u erfuhr den Irthum, nun kam sie den andern Tag, abens um 5 uhr. Carl u Jettchen Julchen u die Erxlen aßen den Mittag bey mir, u waren also da, Jettchen hat bey mir gewohnt. Den anderen Tag brachten wir des Morgens mit den nöthigsten Fisiten zu, u aßen mit bey mit der Mutter Erxleben bey Carl Mittags [2] u Abens, wo auch Craußens waren, u waren recht vergnügt. Den andern Tag aßen wir bey der Erxleben, u von da fuhr so um 3 uhr wieder ab. Ollers haußens haten ihr zu gefallen, Wagen u Pferte 1 ½ Tag warden laßen, u so wollte Jettchen das beqväme Fahrwerck nicht ungenutzt laßen, sie hätte müßen eigne Gelegenheit nehmen, was ihr über 10 r. gekostet hätte. Jettchen ist bey unserer Zusammenkunft beßer weggekommen als ich. Sie hat mich beßer gefunden als sie sich vorgestellt hat, u hat die Freude gehabt das juge paar gesund u gelücklich zu sehn. Hingen ich habe Jettchens Gesundheit nicht so gut gefunden. Sie hat diesen Sommer gekränkelt sie hatte sich Hofnung gemacht, daß sie guter Hofnung wäre, das ist aber nicht die ursache geweßen. itzo ist sie zwar wieder beser, hat auch wieder zu genommen, indeßen ist sind so noch einige Dinge, die mich in meinen Argwohn bestärcken den ich schon lange gehabt habe, nehmlich daß es mit ihrer Leber nicht richtig ist. Unsere Zusammenkunft soll den Nutzen haben, daß ein geschückter Arzt zu rathe gezogen werden soll, ich bin mit Eifer darüber aus, das ist mein Trost daß bey guter Diät die Leute noch ziemlich lange leben können. Lauter unvollkommen heit in der Welt. Was bist Du auf diesen Punckt der gesundheit gelücklich! thue alles mögliche sie [3] Dir zu erhalten. Ist Deine Caroline auch von guter Gesundheit? Ich wünschte nun auch recht viel Unstände von ihr zu wißen, auch wegen ihrer Vermögens unstände. wovon lebt die Mutter? Du hast wie es sich versteht den Plan nach America zu gehn nun wohl ganz auf gegeben? Vertraue mir doch was Du vor Plane u Hofnung hast, es giebt mir einige Beruhigung, und soll es geheim seyn, so kann ich auch schweigen, wie ich den ohne daß Du es mir austrücklich sagst, Carl nichts von dem was Du mir vertraut hast gesagt habe. Bey Bloßer Schriftstellerey kömmt es mir sehr ängstlich vor. Hast Du gar keine Hofnung in Braunschweig an zukommen? Meckelenburgs Schrift hat mir Carl den Abent als wir auf Jettchen warteten vor gelesen. Ohngeachtet ich unruhig war, hat sie mir doch gefallen, u besonders das Gespräch mit den Feldmarschal Freytag, da mußte ich Laut lachen. Carl hat eine Zulage von 4 40 r. bekommen, wegen der fühlung Verwaltung des Kürchen Vermögens, nach seiner Angabe würde er es etwa auf 700 r. in allem brüngen, ich dencke aber doch etwas mehr, u den muß er oft um was außerorten liches anhalten, bis er beßer zu stehn kömmt. Ich wollte daß das Lehn erst zur hebung wäre. da Ihr alle davon bekommt so lange Moritz lebt, der wäre denn [4] Lehnsträger, u müßte den anderen Brüdern heraus gäben, das würde etwan auf einen 70 r. brüngen, stürbt Moritz so fällt es ganz auf seinen Sohn, ist der vorher tot so ist es xxx schon aus gestorben. stirbt Moritz ehe es zur Hebu[n]g kömmt so ist Carl Lehnsträger. So habe ich es gehört. Such Dir ja das Cappithal bey Meilmann zu erhalten. Was gewißes ist gar zu angenehm. Daß Zimmermann tot ist wirst Du schon wißen. Er hat schräcklich gelitten, u seinen Verstand nicht wieder bekommen. Er hat 30 000 r. verlaßen, eine schöne Bibioteck u schöne Schildewegen u Sachen. halb bekömmt es der ungelückl[iche] Sohn u halb die Frau, wenn einer von diesen stürbt so beerbt er den anderen, sterben beyde so sollen es bi der Bruder der Frau der Herr von Berger haben, stirbt der ohne Kinder, so soll es auf die Beringsche Familie kommen, u stirbt die aus, so soll es ans Werckhauß kommen. Das letzte kömmt mir lächerlich vor. Das Testament ist vor einigen Jahren gemacht. Ich habe itzo eine Bekanntschafft mit der Amt mann Alberti gemacht, da erfahre ich manches von, unter anderen daß Reichhart, der Cal Capelmeister in Berlin verabschiedet ist, u nun mit Frau und 6 bis 7 [5] Kindern nach Hamburg gegangen, er hat einen Wieder Willen vor seine Kunst bekommen, u will sich mit Schriftstellerey so etwan wie Argenhals vorthelfen. Das ist aengstlich mit einer Frau die keine Würthin ist u so viel Kindern, die Frau will wieder in Wochen u kenn kann ihrem Alter nach, noch viel Kinder bekommen, eben so ist es mit Cramern, der ist auch mit Frau u Kinder nach Hamburg gegangen, muß sich elend behelfen. Beyde haben es verschultet, Cramer wegen seines unvernünftigen schreibens u leßens. Reichhart durch stoltz u Eigensinn. Der Reichharten ihre Mutter die Pastor Albertin soll sich ganz tot grämen. Der Garten meister Tate, in Herrhaußen ist im 76ten Jahr an der Ruhr gestorben. Man hat gesagt die Ruhr wäre auch in Braunschweig halte Dich ja warm, u genüße keine Speißen die Anlas gäben können. Deinen Kuffer wirst Du nun wohl haben, u ich dencke mit mäsigen Kosten. Du hast doch den Brief von Fritzen der durch das Siegel auf gegangen war bekommen? Mit meiner Gesundheit ist es itzo ziemlich gut, nach meinem Alter. Wegen Eurer Schriften will sich Carl bemühen, geht das nicht so melde ich es Dir. Caroline Rehberg hat mir wenig oder nichts von ihrer Reiße erzählt. Sie betragen sich überhaubt nicht sonderlich gegen uns. Lebe wohl [6] Liebster Sohn, u schreib mir recht fleißig u antworte mir auf alles, Viele Grüße an Crußen
Mutter Schlegel
[7] [leer]
[8] [leer]
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  • Schlegel, Johanna Christiane Erdmuthe  Glück  wünschen  Schlegel, August Wilhelm von
  • Schlegel, Johanna Christiane Erdmuthe  Glück  wünschen  Schelling, Caroline von
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  • Schlegel, Johanna Christiane Erdmuthe  Begegnung  Ernst, Henriette
  • Ernst, Henriette  Begegnung  ankündigen  Schlegel, Johanna Christiane Erdmuthe
  • Ernst, Henriette  Begegnung  ankündigen lassen  Wenkstern, Frau
  • Schlegel, Johanna Christiane Erdmuthe  Begegnung  Schlegel, Johann Carl Fürchtegott
  • Schlegel, Johanna Christiane Erdmuthe  Begegnung  Schlegel, Julie
  • Schlegel, Johanna Christiane Erdmuthe  Begegnung  Erxleben, Sophie Juliane (geb. Stromeyer)
  • Schlegel, Johanna Christiane Erdmuthe  Gesundheit  beklagen  Ernst, Henriette
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  • Schlegel, Johanna Christiane Erdmuthe  Gesundheit  mitteilen  Schlegel, August Wilhelm von
  • Schlegel, Johanna Christiane Erdmuthe  tadeln  Rehberg, Caroline
  • Schlegel, Johanna Christiane Erdmuthe  grüßen  Cruse, Johann Christian Gottlieb
  • Schlegel, Johanna Christiane Erdmuthe  grüßen lassen  Schlegel, August Wilhelm von
Metadata Concerning Header
  • Date: [1796]
  • Sender: Johanna Christiane Erdmuthe Schlegel ·
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel ·
  • Place of Dispatch: Hannover · ·
  • Place of Destination: Braunschweig · ·
Printed Text
  • Provider: Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
  • OAI Id: 362657327
  • Bibliography: Waitz, Georg: Caroline und ihre Freunde. Mittheilungen aus Briefen. Leipzig 1882, S. 30‒31.
Manuscript
  • Provider: Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
  • OAI Id: DE-611-36881
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.21,Nr.43
  • Number of Pages: 6 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 24,3 x 18,8 cm
  • Überlieferung: Textverlust durch Klebung.
Language
  • German
Editors
  • Bamberg, Claudia
  • Fath, Laura
  • Strobel, Jochen

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