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Johanna Christiane Erdmuthe Schlegel to August Wilhelm von Schlegel TEI-Logo

[1] Liebster Willhelm,
Warum thust Du mir das zu leide, und schreibst so selten? Es macht mich würcklich recht ungelücklich, ich kann die Aengstlichkeiten nicht laßen. Wenn Du keine Zeit oder Lust hast, so schreib nur so viel, ich bin gesund übrigens ists beym Alten. Es läst sich doch gar nicht anders erklären, daß Herr Mielmann so lange zautert, als daß er in Deine VFoderungen einwilliget, eEs ist aber auf alle Weiße unangenehm. Wie geht es denn mit Deinen Finanzen Du hattest doch etwas Schulden in Geöttingen, wie weit würst Du mit der abzahlung dieß Jahr kommen? Nim es nicht übel lieber Willhelm, daß ich darnach frage, es beruhiget mich viel mehr als einer Ursache, siehst Du wir sind gerne Väterlich u Mütterlich gegen Dich, so sey Du nun auch kindlich zu traulich gegen uns. Du hattest doch durch Carl etwas bezahlen wollen, u das ist nicht geschehnen, u da mache ich mir gleich Sorgen, u dencke unterandern ob Du auch ein GutterwWürth bist,; denn das lieber Willhelm, must Du werden, wenn Du glücklich seyn wilst, u Deine itzige stelle, must Du nebst Deinen Haubt Pflichten, die Du gewiß recht treulich beobachten wirst, als eine Finanz-Sache ansehn, daß wenn Du dereinst mit erweiterten Kenntnißen u Erfahrungen zurücke kömmst, Du Dir so viel erspart hast, daß Du zur Noth einige Zeit davon leben kannst. Jettchen hat Dir letzhin allerhand Nachrichten gegeben, worunter auch die traurige von Klockenbring war. Er ist noch nichts beßer. Ich weiß nicht, ob Du ihm seinenm Charakter nach gekannt hast. eEin Mann von vielem Kopfe ein guter Arbeiter, aber ein Mann ohne Religion, u Lasterhaft Liederlich [2] in Höchsten Gratde zu viel getrunken entsetzlich stoltz, eigensinnig, u Grob,. dDurch alles dieses hat er sich viel Feinde gemacht u sein stoltz ist oft gekränckt worden, besonders durch die Schmäschrift,. dDa hat er ein ganzes jJahr vor Wuth u Rache geglueht er ist es auch haubtsächlich der die untersuchung betrieben hat, die sehr weit gegangen ist u dem Könige viel Geld gekostet hat. nun da es heraus ist, wer die Leute sind, scheint die Sache liegen zu bleiben, Hartmann, der die Sache gehabt, ist noch mit Markart verwandt u hat die Sache gleich, als der sich meldete, abgegeben. Die leute können sich über diesen gegenstand gar nicht mühte müde sprechen, aber freylich ist auch Vieles dabey, daß sich nicht begreiffen läst. Ein ganzes Jahr, soll die Frau so etwas gefürchtet haben oft mag sie wohl ungewiß geweßen seyn, ob es Rausch ist, oder nicht, auch hat er lange Zeit, über einen Schmertz unter dem Magen geklagt, der bis in Kopf ginge, u doch ist an keinen Arzt gedacht,. eEr hat so wie alle Menschen, die um ihm geweßen sind, gemißhandelt; aber vorzüglich die Frau, die sich bey ihren kleinen Fehlern, gegen den Mann immer gut u klug betragen hat, hat auch bis auf die letzt den Leuten immer gesagt, sie lebe gelücklich mit ihrenem Manne,. iIch glaube auch, so lange er die Vernunft gehatbt, ist es auch wohl an gegangen,; wie es bey einen Manne von solcher Eigenheit u Herschsucht seyn kann. Wie nun seine Raserey ausbrach, gieng sie mit den beyden Töchtern von ihm, u da hat sie u ihre Mutter vielen Leuten gesagt, sie hätte unbeschreiblich viel bey ihm gelitten; das letzte Jahr hatte er ihr un menschlich begegnet, wovon weder ihre Mutter noch Schwester etwas erfahren hätte, sie wolle auf keinen Fall wieder zu ihm das u daß Ki in seinen Unglück keinen von den seinigen zu sehe bekamm, sondern auserßer den Unter ofiziers, die die [3] wWache auf seinem Zimmer hatten, lauter fremde um sich hatte gehabt, nahmen die Leute nicht gut, man fand es hart, das hatte sie wieder erfahren,. nNun gieng sie bey vielen heraus u sagte es wäre nicht wahr, so bald ihr Mann wieder beßer würde oder auch nur krank, würder so gienge sie wieder zu ihm,; ihmn itzo zu sehnen, wollten die Ärzte nicht haben. Die Anstallten die itzo mit ihm gemacht sind, hat die Regierung an Gerichtsschultzen auf getragen, die Wache u alles, was dazu gehört, kostet wöchentlich 50 rth. dDas geht auf lange nicht. Die Frau hat angehalten bey der Canze ley, Vormünderin zu seyn, das Hofgericht ist aber zuvorgekommen, u hat den Atdvocat Schmidt zum Curator Kurator gesetzt, u nun sind die Gerichte nicht einig darüber, es wird also wohl erst ans Tribunal gehen. Nun ich bin weitläuftig geworden, um Dir zu sagen daß die traurige Begebheit so viel sprechen verursacht. Nun kömmt noch hin zu, daß es einen sehr intereßirt, wie sich ein Mann von solchen Kentnißen u Verstande in solchen uUmständen zeigt, das Gedächtniß scheint gar nicht gelitten zu haben; auch was er in dieser Zeit hört behält er,. eEr spricht u schreibt oft über eine Sache recht gut, spielt auf den Claviere nach Nothen Noten recht gut hat Witzige Einfälele,; bemerckt sie wenn andere Welche haben, kömmt er aber auf sich so hat er es mit Kaiyßern Königen Prinzeßinnen zu thun, will eine andere Religion stiften, glaubt Gott Gesehnen zu haben, u so w. Recht viel Hoffnung zu seiner Beßerung ist wohl nicht. vVor kurtzen ist ein Umstand beym ihm eingetreten, wo die Arzte sich einige Hofnung gemacht haben,. eEr hätte nehmlich Die Heämorrhoiden bekommen, so starck, daß er eine Ohnmacht bekommen es hatte nicht den Geringsten Einfluß gehabt. Man fährt noch mit [4] Brech u Abführentden Mitteln fort, aber es würckt nicht viel mehr. Genung u schon viel zu viel davon. Ubehloden u Gladbach beym Concsistorieno sind Secräetärs geworden Ubehloden ist vergnügt darüber,. eEs zeigt von seiner Genüegsamkeit; es ist blosß eine Aussicht aufs wWeidte hinaus so lange muß er von atdvociren leben. eEtwas Mittel hat er auch. Rehberg schreibt itzo was über Erziehung, was bald vfertig ist. wWenn er es nur nicht mit Campen zu thun bekömmt Moritz, nehmlich mein Sohn, schreibt auch etwas, wie er sagt Gemeinnütziges. iIch weiß aber nicht was:; nun auch zugleich sich beym Concsistorium zu empfehlen,. Der Himmel gebe, daß ein eine Gute Wahl getrofenfen u die Arbeit gut geräth, so wird es ja wohl nicht fehleen, daß er nicht bald Superintentdent wirde Nun lieber Willhelm ich bekomme bald Briefe von Dir mit den besten Nachrichten lebe recht wohl. aAlle besonders der Vater, der itzo recht wohl ist, grüßen Dich hertzlich
Mutter Schlegeln

Bester Sohn, noch eins erlaube mir, was meinem Mutter Hertzen gern zu wichtig ist. Du vergist doch nicht, das wichtigste, Dich in der Religion zu überzeugten u zu befestigen, u daher nicht nur Schrifften von guten Köpfen wieder die Religion zu leßen, sondern auch was vor unsere wohlthätige Religion geschrieben ist den die Vorurtheile hast Du doch nicht, daß so wohl itzo als in etwa als auch sonst, auch denckende Köpfe gegeben die vor die Religion geschrieben, u mir nach meiner Einfallt deucht es daß man alles priefen muß. Soltest Du es itzo vor Dich nicht vor so ein großes Betürfniß haten, welches traurig wäre, so versäume es doch ja nicht bey Deinem Untergebenen, auch besonders den oefentlichen Gottesdienst fleißig zu besuchen. Ich bin überzeugt daß es von großem Nutzen ist, daß hier die jungen Prinzen mit ihren aufsehenden Gottes Dienst mit so großer ehrerbietung abwarden, auch in Betracht anderer Menschen u was könnten Gute Aeltern, wohl sehnlicher wünschen u was kann sie mehr [1] beruhigen, als die überzeug daß ihre Kinder Religion haben u ausüben. Ich bitte Dich nochmals nim es gut auf.
Metadata Concerning Header
  • Date: [5. März 1792]
  • Sender: Johanna Christiane Erdmuthe Schlegel ·
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel ·
  • Place of Dispatch: Hannover · ·
  • Place of Destination: Amsterdam · ·
Manuscript
  • Provider: Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
  • OAI Id: DE-611-36881
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.21,Nr.15
  • Number of Pages: 4 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 24,9 x 18 cm
Language
  • German
Editors
  • Bamberg, Claudia
  • Meng, Meizi
  • Rupp, Manon
  • Schmidt, Charlotte

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