[1] Liebster Willhelm,
Morgen werde ich den Herrn Witte Münter kennen lernen. Carl wird mit ihm in die Kürche gehen, u nachher wird er zu uns kommen. Das erste mal als er uns besuchen wollte, hat er uns nicht getroffen Carl besuchte ihm als den, u brachte ihm noch einige hin, die er besuchen wollte, an Rehbergs hatte er durch die Voigt Entfehlung, die sich ihrer auch ganz bemächtiget haben. Der Herr Münter hat Carle recht sehr gefallen. Die Dame weniger, die scheindt stoltz zu seyn. Carl ist mit ihm bey Rehbergs zum Thee geweßen, ich lehnte es ab, weil ich kein Französch spräche. Der Herr scheindt noch länger hier zu bleiben. er hat Carl gesagt er werde ihn sich es nächster Tage aus bitten, daß er bey ihnen äße. Sie kommen bey der Wittbewe Andräen zu wohnen, eine Treppe hoch, sie müßen Monathlich 70 r. gäben, es kömmt ihnen selbst viel vor. aus Carls gesuchen wird wohl aus beyden nichts werden. Ein Gerichtsschultze soll schon ernannt seyn. Die Agenten stelle wäre noch möglich aber vermuthlich wird es von London kommen, daß es kein Königlicher Bediender an[2]nehmen darf, nun gieng es beym Concistorium wohl an aber wer kann es dem K so ins licht setzen, heist es ein mal, kein königlicher Bediente so ist es vor bey, noch macht sich Carl etwas Hofnung daß bey ihm eine Ausnahme gemacht werden wird könnte, ich Glaube nichts davon. Miller ist vorerst auch wieder etwas beßer. Carls Gedult wird sehr gebrieprüft. u mich machts sehr traurig, in meinen ein sammen Freuden lehren leben. lange ertrage ich es so nicht. Kostete das Reißen nicht zu viel so würde ich des Sommers oft zu einen meiner Kinder reißen Die Ängstlichkeit, wird auch bey mir wieder stärcker. Letz hin hattest Du mich liebster bester Willhelm ziem lich beruhiget u man sprach so viel von Frieden, mir deucht, die Hoffnung ist wieder vor bey. Sollten die F sich Hollands bemeistern könnte das wohl auf Dein Schücksaal üble Folgen haben? Ach was ist das vor eine traurige Zeit. Schreib mir ja recht fleißig aber ja mit Behutsamkeit. Müstes Du mit Deinem Eleben weg so komm vorerst nach Hanover, so wollte ich schon daß Ihr bey mir wohnen könntet. aber Gott gäbe daß es nicht nöthig ist, auf so eine Art wünsche ich Deinen Besuch nicht. Ich glaube die Landmilitz wird [3] weg geschückt, um die Gräntzen zu Decken. Es ist noch so ab gegangen, sie haben es nicht gern gethan. Wir befünden uns wohl auch in Harburg u Moringen, u von Ernst u Lottchen hat mir Caroline Rehberg viel angenehmes erzählt, sie leben recht gelücklich. Liebster Sohn ich wollte Dich bitten, wenn es an gieng daß Du alte Kleidungs stücke Huth u so w ablegst u es im Weß zeiten nach Leipzig an den Buchhändler Dycken schücken könnttst. Unsere Familie muß doch etwas thun vor den ungelücklichen Menschen, den Buchbünder. Ich kann es nicht allein. Meine ganze Einnahme ist in allem 400 r. u das meiste im Golde, u meine Aus Gabens sind bis auf die Müthe in Cassen Gelde. Carl gieb mir so ein gerünges Kost geld, daß ich Schaden davon habe, er kann aber itzo nicht mehr thun. Er giebt mir in Golde 110 r. davor hat er Mittags, u Abent Tisch, Friestück, Caffee, ohne Zucker, oft Thee Licht, Wäsche, Auf wartung. Du wirst es einsehn daß ich Schaden davon habe. Fritze habe ich in Wäsche strümpfen u so w auch noch, u können auch Zeitten kommen, wo ich mit geld aus helfen soll, itzo hat er eine Übersetzung bekommen, wo er 5 r. vor den Bogen bekömmt. Ich weiß nicht ob es ein großes Werck ist. Daß er zu seinen Wercken noch keinen Verleger hat macht mir Aengstlichkeit. Ernsts thun viel an ihm, aber der gute Ernst hat auch einige seiner [4] Geschwister, an denen er viel thut, der einen ungesunden Schwester giebt er Jährlich 30 r. an den Bruder in Moringen hat er sehr viel gethan. Nun muß ich Dir doch ein mal meine Aus gaben vor rechnen damit es Dir recht einleichtet, daß ich mich bey alle dem sehr behelfen muß.
xxx Hier ist nun noch nichts gerechnet vor Artzt u Medicin oder zu einer Reiße, noch weniger vor Fritze, u will ich noch Gerathe was ab bezahlen so muß ich mich jämmerlich behelfen. Du siehst lieber Willhelm: daß es mein Theil ist mich mit Sorgen zu qvälen bis ins Grab. Ver gieb mir meine Klagen, ich wills nicht wieder thun, sehe ich daß es so nicht geht so begäbe ich mich an einen kleinen ort.
lebe wohl, und schreib recht fleißig.
[5] Lieber Sohn der brief kann nicht gleich fort, also noch ein Wort. Herr Mieder Münter ist am Sontage bey uns geweßen, er wurde erst in die Fisiten stube geführt, die sehr elegant ist, dann zu mir, es versteht sich ich war net u meine stuben auch. Er fand auch die Wonung sehr artig. Ich setzte ihm gute Schockelade vor, u wir sprachen wohl 1 u ½ stunde. Es scheint Herr Mxxdx Mieder u der Dame recht wohl zu gefallen. Besonders behagt ihnen daß daß sie in die Adlichen Gesellschafften gezogen werden. Die Cammersecritären Cartemann ist gestorben wieder ein Um gang weniger vor mich. Ein Junger Groß Schulen burg hat sich selbst erschoßen, man weiß keine Urschache als daß es in der Familie Herkommens ist der Vater u wohl 4 bis 6 sollen es auch gethan haben.
[6] [leer]
Morgen werde ich den Herrn Witte Münter kennen lernen. Carl wird mit ihm in die Kürche gehen, u nachher wird er zu uns kommen. Das erste mal als er uns besuchen wollte, hat er uns nicht getroffen Carl besuchte ihm als den, u brachte ihm noch einige hin, die er besuchen wollte, an Rehbergs hatte er durch die Voigt Entfehlung, die sich ihrer auch ganz bemächtiget haben. Der Herr Münter hat Carle recht sehr gefallen. Die Dame weniger, die scheindt stoltz zu seyn. Carl ist mit ihm bey Rehbergs zum Thee geweßen, ich lehnte es ab, weil ich kein Französch spräche. Der Herr scheindt noch länger hier zu bleiben. er hat Carl gesagt er werde ihn sich es nächster Tage aus bitten, daß er bey ihnen äße. Sie kommen bey der Wittbewe Andräen zu wohnen, eine Treppe hoch, sie müßen Monathlich 70 r. gäben, es kömmt ihnen selbst viel vor. aus Carls gesuchen wird wohl aus beyden nichts werden. Ein Gerichtsschultze soll schon ernannt seyn. Die Agenten stelle wäre noch möglich aber vermuthlich wird es von London kommen, daß es kein Königlicher Bediender an[2]nehmen darf, nun gieng es beym Concistorium wohl an aber wer kann es dem K so ins licht setzen, heist es ein mal, kein königlicher Bediente so ist es vor bey, noch macht sich Carl etwas Hofnung daß bey ihm eine Ausnahme gemacht werden wird könnte, ich Glaube nichts davon. Miller ist vorerst auch wieder etwas beßer. Carls Gedult wird sehr gebrieprüft. u mich machts sehr traurig, in meinen ein sammen Freuden lehren leben. lange ertrage ich es so nicht. Kostete das Reißen nicht zu viel so würde ich des Sommers oft zu einen meiner Kinder reißen Die Ängstlichkeit, wird auch bey mir wieder stärcker. Letz hin hattest Du mich liebster bester Willhelm ziem lich beruhiget u man sprach so viel von Frieden, mir deucht, die Hoffnung ist wieder vor bey. Sollten die F sich Hollands bemeistern könnte das wohl auf Dein Schücksaal üble Folgen haben? Ach was ist das vor eine traurige Zeit. Schreib mir ja recht fleißig aber ja mit Behutsamkeit. Müstes Du mit Deinem Eleben weg so komm vorerst nach Hanover, so wollte ich schon daß Ihr bey mir wohnen könntet. aber Gott gäbe daß es nicht nöthig ist, auf so eine Art wünsche ich Deinen Besuch nicht. Ich glaube die Landmilitz wird [3] weg geschückt, um die Gräntzen zu Decken. Es ist noch so ab gegangen, sie haben es nicht gern gethan. Wir befünden uns wohl auch in Harburg u Moringen, u von Ernst u Lottchen hat mir Caroline Rehberg viel angenehmes erzählt, sie leben recht gelücklich. Liebster Sohn ich wollte Dich bitten, wenn es an gieng daß Du alte Kleidungs stücke Huth u so w ablegst u es im Weß zeiten nach Leipzig an den Buchhändler Dycken schücken könnttst. Unsere Familie muß doch etwas thun vor den ungelücklichen Menschen, den Buchbünder. Ich kann es nicht allein. Meine ganze Einnahme ist in allem 400 r. u das meiste im Golde, u meine Aus Gabens sind bis auf die Müthe in Cassen Gelde. Carl gieb mir so ein gerünges Kost geld, daß ich Schaden davon habe, er kann aber itzo nicht mehr thun. Er giebt mir in Golde 110 r. davor hat er Mittags, u Abent Tisch, Friestück, Caffee, ohne Zucker, oft Thee Licht, Wäsche, Auf wartung. Du wirst es einsehn daß ich Schaden davon habe. Fritze habe ich in Wäsche strümpfen u so w auch noch, u können auch Zeitten kommen, wo ich mit geld aus helfen soll, itzo hat er eine Übersetzung bekommen, wo er 5 r. vor den Bogen bekömmt. Ich weiß nicht ob es ein großes Werck ist. Daß er zu seinen Wercken noch keinen Verleger hat macht mir Aengstlichkeit. Ernsts thun viel an ihm, aber der gute Ernst hat auch einige seiner [4] Geschwister, an denen er viel thut, der einen ungesunden Schwester giebt er Jährlich 30 r. an den Bruder in Moringen hat er sehr viel gethan. Nun muß ich Dir doch ein mal meine Aus gaben vor rechnen damit es Dir recht einleichtet, daß ich mich bey alle dem sehr behelfen muß.
Hauß mühthe auf einen Theil in Golde – – | 60 | – – |
Das Mädchen Lohn, kost geld alles in allem Cassengeld | 60 x | – – |
Eßen vor mich, Mittags tisch u abens Friestück – | 40 | – – |
Holtz eine stube ds Mädchen Hert – – – | 20 x | – – |
Licht Ich Mädchen u vor blech leichten licht abzuholen | 15 | – – |
Thee, Caffee Milch zum Thee habe ich oft Besuch | 30 | – – |
Geträncke bier wein ohn gefehr – – – – – | 15 | – – |
Wäsche vor mich u das Mädchen – – | 15 | – – |
Kutschen u Speßen geld, wenn ich es gar nicht um gang haben kann, Ich gehe ohne in schlechten Wetter über mein Vermögten – – – – – | 10 | – – |
Kleider Wäsche Schue ein Jahr ins andere – – | 40 x | – – |
allerhand, als kopfgeld, Brief Porto Neujahr Arme p zwei Spenten gefäße zu kochen Reberacion Schlößer Fenster scheiben beßern Sand u viele andere Bedürfnüße Tage lohn zu reine machen – – – – | 40 | – – |
den ungelücklichen menschen den buchbünder baar geld | 8 x | – – |
Intereßen, den leiter bleiben über 500 r. Schuden | 20 | – – |
_______ | ||
Summe | 403 |
xxx Hier ist nun noch nichts gerechnet vor Artzt u Medicin oder zu einer Reiße, noch weniger vor Fritze, u will ich noch Gerathe was ab bezahlen so muß ich mich jämmerlich behelfen. Du siehst lieber Willhelm: daß es mein Theil ist mich mit Sorgen zu qvälen bis ins Grab. Ver gieb mir meine Klagen, ich wills nicht wieder thun, sehe ich daß es so nicht geht so begäbe ich mich an einen kleinen ort.
lebe wohl, und schreib recht fleißig.
[5] Lieber Sohn der brief kann nicht gleich fort, also noch ein Wort. Herr Mieder Münter ist am Sontage bey uns geweßen, er wurde erst in die Fisiten stube geführt, die sehr elegant ist, dann zu mir, es versteht sich ich war net u meine stuben auch. Er fand auch die Wonung sehr artig. Ich setzte ihm gute Schockelade vor, u wir sprachen wohl 1 u ½ stunde. Es scheint Herr Mxxdx Mieder u der Dame recht wohl zu gefallen. Besonders behagt ihnen daß daß sie in die Adlichen Gesellschafften gezogen werden. Die Cammersecritären Cartemann ist gestorben wieder ein Um gang weniger vor mich. Ein Junger Groß Schulen burg hat sich selbst erschoßen, man weiß keine Urschache als daß es in der Familie Herkommens ist der Vater u wohl 4 bis 6 sollen es auch gethan haben.
[6] [leer]