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Caroline von Schelling to August Wilhelm von Schlegel TEI-Logo

[1] Donnerstag d. 21 Jan 02.
Lieber Schlegel du mußt es nicht vor ungut deuten, daß ich seit Montag meinen Sinn geändert, und auf meinen ersten zurückgekommen bin. Es war unbedacht von mir, daß ich glaubte so lange mit dem Geld warten zu können, da ich wußte daß ich zusammt Prof. Schell. nichts mehr hatten; ich schmeichelte mir nur, ihm würden Collegiengelder zutröpfeln, deren er noch über 100 rh. ausstehn hat (was ein fataler Umstand bey dem hiesigen Lesen ist); das geschah indeß nicht, und so fürchtete ich eben innerhalb dieser nächsten 8‒14 Tage in Noth zu gerathen (denn eher wird S. auch von Cotta nichts bekommen). Späterhin hats keine Noth. Kurz ich habe mir von Paulsen 5 Carolin geben lassen oder vielmehr 32 ½ rh. und diese mußt du Gebrüder Schindler wieder auszahlen
[2] Ich kann dir nicht helfen. Und sollte auch nicht glauben daß es dich in Verlegenheit setzen würde u könnte, da du im äußersten Fall außer den 9 louisd. von Hufel. auch bey Bernhardis Geld deponirt hast. Mir ists nur um den Moment. Sobald ich Geld erhalte, und du des früher bedarfst als ich kommen kann, assigniere ich dir welches zurück. Mit dem Schawl von Mad. Loder das dauert eben auch so lange Zeit, als ich in der Aussicht seyn konnte nichts zu haben. Und du wirst ja da viel leicht ein arrangement treffen, daß dies nicht zuviel auf einmal wird.
Diese Notiz bin ich gezwungen dir heut zu geben, weil heute auch Paulßens avis an den Kaufmann
[3] weggeht, und hoffentlich du dieß früher erhältst, um benachrichtigt zu seyn. Ich hätte mir können weniger geben laßen, aber das wollte P. nicht. Es ist möglich daß du meine Briefe von Montag u heut an demselben Tage erhältst; davon benachrichtige mich doch.

Heute hat Spatzier S. den Abdruck des Ion geschikt, mit devotester Dankbezeugung für den interressanten Aufsatz und den Vorzug den er der El Z. habe geben wollen u Bitte um mehr. (Nach der Aufführung von Turandot denk ich ihm auch noch mehr zu liefern, du kannst es ihm ja insinuiren daß Schell. ihn nur auf Deine Verwendung etwas schikt.) Recht artig nimmt sich mein zarter Bericht aus. Ich setze zum voraus daß du doch in B. die Zeitung gleich siehst, und lege das Blatt nicht bey, obwohl [4] ich es im Vertrauen auf die Gunst des lahmen Postschreibers thun könnte, der für mein leztes mit der LZ. nur 3 g. genommen hat.
Daß er darüber gesetzt hat: Ion Schauspiel nach dem Euripides, ist Spatziers Weisheit. Meine Dummheit aber, daß ich der Wiederholung des Stücks nicht erwähnt habe.
Goethe ist da, er hat Sch. wissen gethan, er wär tief in Arbeit und wolle ihn erst bey mehr Muße sehn. Also kann ich dir noch nichts melden. Hätte er aber von Berl. Nachricht von Ion, so würde er es Sch. gewiß geschrieben haben. Die Unzel. sieht wohl Iffland nicht mehr, aber die Meyer müste doch etwas gehört haben können.
[5] Mad. Veit hat die Bücher geschickt, welche Fr. laut seinem Zettel den du mir in Verwahrung gabst, von dir hatte. Galathea und den Calderone ausgenommen, die er mit nach Berlin genommen hat.
Der Holzbauer sagte eben aus (bessre Nachrichten hab ich nicht über sie) Mad. Veit reise Montags weg. Du hast unstreitig das fatale Geschäft Charlotten zu schreiben bey Seit gesetzt. Mag alles auch nur seine gewiesnen Wege gehn, u die herrliche Fracht ohne avis Brief anlangen. Wenn sie Charl. erträglich findet, oder gar gefällt, so kann es blos seyn weil sie eine schwache Seite benutzt und gränzenlos schmeichelt. Ehrlicher weise ists nicht möglich.
Meine Schwester hat große Bekümmernisse: Sie fürchten nehmlich nächstens einmal nach Helmstädt aus Gnaden versetzt zu [6] werden, denn der Herzog hat Roosen dieselben Vortheile die er in Kiel haben würde für Helmstädt angeboten, für Braunschweig, nichts, aber ganz u gar nichts, denn sie bilden sich fest, Roose werde wegen seiner Frau nicht aus der Gegend gehn können, wo sie ihre Eltern hat, denen sie anhängt wie allem das ihr angehört. Er thuts aber doch, und es ist schon so gut wie ausgemacht. Nun ist noch der Platz des Anatomen in Helmstädt unbesetzt so daß Wiedemannen das Schwerd über dem Haupt hängt. Die Alternative ist einen schlechten chicaneusen Menschen u erklärter im ObersanitätsCollegium zum Gefährten zu bekommen, der Himlys Stelle ersetzt, und Roosen zu verlieren.
[7] Freund es herrscht eine schlechte Witterung. Wind Regen Schnee Eis Glätte Nässe u obendrein feuchte Luft. O wie anders muß es werden eh ich reisen kann. Ich ängstige mich so sehr vor der Reise, als ich mich auf das Ziel derselben freue. Die Lüneburger Heide liegt mir im Sinn.
Ein schöner Pelz, ein Duzend Häubchen und Mützen sind in Arbeit, die Luise fabrizirt. Du siehst wie ernst es mir ist.
Lebe wohl lieber guter Freund, Gott behüt Dich. Ich hoffe du hast Dich von dem Schreck zu Anfang dieses erholt. Schelling läßt dich sehr grüßen. Leb recht wohl.
[8] Ich vergaß eines fulminanten Manifestes zu erwähnen von Cotta gegen Nicolai, daß jener, Sch. für den Umschlag des 2ten Heftes zugeschickt hat. Es ist gegen die Äußerungen Nicolai in seiner Gegenrede über Fichtens Schrift gerichtet. Vermuthlich steht es schon sonst wo abgedruckt. Weißt Du davon?
Ich dächte Nicol. müßte nun bald todt gesteinigt seyn.
Gestern haben H. u Mad. Niethammer Thee bey mir getrunken, auch Möller, der mich oft besucht, und wie schon gesagt ein wunderschöner Mensch ist.
[9] Von Schlegel erhalten
seit Anfang des November 1801
rh.g.d.
mir zurück gelassen –1912
für verkaufte Kleider und Bücher –122 6
erhalten aus Berlin –1643
19517 6


Meine Zinsen aus Hannover –3312
Sch–gs Almanach antheil – 146
243116


[10]
transport243116
Was mir Loder für meinen Bruder gegeben in gr. Geld –1321
Was ich aus Braunschw. baar erhalten um es hier auszuzahlen –1218
27026

[11] Hauptposten meiner Ausgabe seit Anfang Nov. 1801
rh.g.
den Wein in Erfurt bezahlt –19 12
4 Hemden für Schlegel zu nähen – –3 4
2 Koffer für ihn zu reparieren –22
Rechnung der akademischen Buchhandlung –418
Beym Tischler:
Rahmen um Schlegels Bild –
118
um das Bild nach Bamberg nebst Glas –112
Spiegelrahm und andre Kleinigkeiten –213
Ofenschirm Gestelle nebst Zubeher –318
die rückständige Schuld an Schelling –478
855

[12]
855
auf das seit Aprill 01 gebrauchte Holz bezahlt –3212
2 p. kurze Strümpfe für Schlegel –14
dem Böttcher für Waschgefäße u Backtrog –5
Der Weinachten für die beyden Mädchen an Geld, Sachen u Kuchen item für die alte Christiane –793
Lohn der Mädchen –7
Neujahrsgelder für die verschiednen Officianten2
vielfältiges Porto ungefähr –6
14663
für meine Haushaltung seit 10 Wochen60
20663

Das übrige ist für Holz kl. machen, Wäsche, Licht, kleine Bedürfnisse des Hauses, Fahrt nach Weimar p gröstentheils drauf gegangen. Auch ist dabey was ich der
[13] Tischbein schuldig war und noch ein Hauskleid für Julchen, auch einige Geschenke an gestrickten Sachen für meine Neveux und Niecen – für mich ein Fußkorb mit Pelz und ein gestrickter wollner Unterrock.

Der Ion hat mich wirklich über 7 rh. gekostet, weil ich gezwungen war über Nacht zu bleiben und Schell. den Wagen für dießmal nicht bezahlen lassen wollte, da er sein Pferd neben an reiten ließ, um später zurückkehren zu können. Von den 6 Logen Billets gab ich 2 zurück, und schenkte Carl eins, der sich mit dem Verkaufen deiner Bücher so redlich abmüht.
[14]
[15] Schulden zu Anfang Novembers 1801.
rh.
Holz – –30
Zucker u Caffeé in Braunschweig –17
Wein –20
ein kupferner Waschkessel –716
Miethe – 45
Beym Böttger –5
Bey Paulßen ungefähr –20
Bey Möllenbeck ungefähr –50
An Schelling –478
242

[16]
[17]
[18]
[19]
Philipp hat uns gegeben
im Februar 1801
400 rh.
in louisd'or
zu 5 rh.
Schlegel hat von
Hufeland für ihn
empfangen
9 louisd'or 45 rh.
Hufeland ist Philipp noch weit mehr schuldig und soll alles was er davon giebt an Schlegel auszahlen. Das hat ihm Philipp geschrieben.
[20]
[21]
[22]
[23] Von Schlegel erhalten
seit seiner Abreise von Braunschweig
am Ende des Februar.
mir zurückgelassen –193
durch Wind. 3 louisd. von Cotta –17
durch Nicolovius –163
seit seiner Ankunft in Jena 17 louisd.971
2964

[24]
2964
den 2ten Sept. 2 louisd'or – 1110
wiederum 2 louisd. – 118
am 16ten Sept. 2 louisd. –118
erhalten am 21 Sept. –3 220 5
In Weimar 8 louisd'or4516
3783

[25] erhalten bis Ende October
3783
davon geht ab für Schlegel –1928
für mich also –18519

[26]
[27] 200 louisd'or
An meinen Bruder zu bezahlen
in louisd'or zu 5 rh.
rh.g.louisd'or
Capital von – 400– –80
Zinsen dafür vom Februar 1801 bis dahin 1802 –15– –3
Auslage für 1 Stück englisch Meublen Cattun, Pomeranzen Heringe u dergleichen –255
Was Hufeland Schlegeln im Sommer 01 ausgezahlt hat –459
Was er noch auszahlen wird ungefähr –47129 ½
Loder hat mir jetzt für ihn gezahlt12122 ½
beträgt also545 rh. oder 109 louisd'or


an Claproth in Gött.
Zurückzahlung von
einer Summe die ich
vor 7 bis 8 Jahren
leihen muste –
10020
645129

bleiben 71 louisd'or.
[28] 71 louisd'or
Davon ist zu bezahlen in Braunschweig in louisd'or zu 5 rh. 6 g.
rh.g.
an Moellenbeck56
Apotheke –93
Zucker u Caffeé im Sommer –17
Zucker u Caffeé diesen Winter erhalten –921
für Porcelan –1814
Eine Rechnung bey dem Juden größtentheils für mich, Spitzen, Kleidung Halstücher, zulezt noch das Kleid für Julchen *auch das Kleid für Caroline Tischbein664
Leinwand ins Haus –420
Ferner: Theils an erhaltenen Sachen ins Haus als Mahagonyteller unter Weinbouteillen u Gläser theils baar um es hier im Februar an Mad. Fleischer auszuzahlen25
Musik die nach Berlin geschickt werden919
216

beträgt ungefähr 41 louisd'or
bleiben nun obigen 71 louisd'or
NB 30 louisd'or

NB Von diesen 30 louisd'or oder 166 rh. 6 g. gr. Geld muß ich hier vor meiner Abreise noch bezahlen wenigstens
für Holz66 rh.6 g.
an anderen kleinen Rechnungen20
an Kilian20
endlich auch noch für Thee von welchen ¾ Theile nach Berlin gekommen 4 Carolin mithin 26 rh.
1326 g.

bleiben 34 rh. für einen Pelz.
Places
Persons
Journals
Works
Metadata Concerning Header
  • Date: Donnerstag, 21. Januar 1802
  • Sender: Caroline von Schelling ·
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel ·
  • Place of Dispatch: Jena · ·
  • Place of Destination: Berlin · ·
Printed Text
  • Provider: Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
  • OAI Id: 370516575
  • Bibliography: Schelling, Caroline von: Briefe aus der Frühromantik. Nach Georg Waitz vermehrt hg. v. Erich Schmidt. Bd. 2. Leipzig 1913, S. 280‒283 u. S. 634‒635 (Kommentar).
Manuscript
  • Provider: Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
  • OAI Id: DE-611-36905
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.22,Nr.18
  • Number of Pages: 8 S. auf Doppelbl. u. 2 S., hs.
  • Format: 18,6 x 11,3 cm
Language
  • German
Editors
  • Pahl, Florian
  • Strobel, Jochen

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